In mehreren iranischen Städten, darunter die Hauptstadt Teheran und Mashhad, kam es am Donnerstagabend zu massiven Anti-Regierungsprotesten. Laut verifizierten Videos von BBC Persian handelt es sich um die größte Demonstration gegen das islamische Regime seit Jahren. Die Proteste verliefen zunächst friedlich, wurden aber später von Sicherheitskräften mit Gewalt beantwortet. Menschenrechtsgruppen berichten von zahlreichen Toten und Festnahmen.
Auslöser der Proteste ist der dramatische Wertverfall der iranischen Währung, der die Bevölkerung in eine wirtschaftliche Notlage stürzt. Die Inflation liegt bei 40 %, die wirtschaftliche Lage ist durch Sanktionen und Misswirtschaft weiter verschärft worden. Die Unzufriedenheit mit der politischen Führung äußert sich in Sprechchören wie „Tod dem Diktator“ und Forderungen nach der Rückkehr von Reza Pahlavi, dem im Exil lebenden Sohn des letzten Schahs.
Die Proteste, die inzwischen den zwölften Tag andauern, haben sich auf über 100 Städte in allen 31 Provinzen des Landes ausgeweitet. Laut Iran Human Rights wurden bereits mindestens 45 Demonstrierende, darunter acht Kinder, getötet. Weitere Berichte sprechen von über 2.000 Festnahmen.
Eine Besonderheit der aktuellen Bewegung ist die breite gesellschaftliche Beteiligung. Auch in traditionell regimetreuen Familien regt sich Widerstand. Aktivistinnen berichten, dass selbst Angehörige von Geheimdienstbeamten heimlich an den Protesten teilnehmen. Die Regierung reagiert mit Internetblockaden, um die Organisation der Demonstrationen zu erschweren.
Der Exil-Prinz Reza Pahlavi rief erneut zum landesweiten Protest auf. In sozialen Medien bedankte er sich bei seinen „mutigen Landsleuten“ und forderte internationalen Druck auf die iranische Regierung. Die US-Regierung, insbesondere Präsident Donald Trump, droht mit harter Reaktion im Falle weiterer Gewalt gegen Protestierende.
Währenddessen betont Präsident Masoud Pezeshkian, dass friedliche Proteste respektiert werden sollen. Der oberste Führer Khamenei hingegen unterscheidet zwischen „Protestierenden“ und „Randalierern“ und forderte ein hartes Vorgehen gegen letztere.
Die Lage bleibt angespannt. Viele Iranerinnen und Iraner berichten von Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit – doch der Ruf nach Veränderung wird lauter. Die Proteste von 2026 könnten sich als Wendepunkt in der iranischen Geschichte erweisen.