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Geheime Mitschnitte über den Wolken: Wie der BND angeblich Obamas Gespräche abhören konnte

JerzyGórecki (CC0), Pixabay

Ein Vorwurf von erheblicher Sprengkraft rückt den deutschen Auslandsgeheimdienst ins Zentrum einer neuen Spionageaffäre: Der Bundesnachrichtendienst soll Gespräche des damaligen US-Präsidenten Barack Obama abgehört haben – und zwar nicht etwa am Boden, sondern während Flügen an Bord der Air Force One.

Diese brisante Behauptung stammt von Holger Stark, einem Journalisten der Die Zeit. In einem Podcast des stellvertretenden „Bild“-Chefredakteurs Paul Ronzheimer schilderte Stark, wie der BND eine technische Schwachstelle genutzt haben soll: Die Verschlüsselung von Telefongesprächen aus dem Regierungsflugzeug heraus sei deutlich anfälliger gewesen als jene auf dem Boden.

Schwache Verschlüsselung als Einfallstor

„Deswegen haben die Amerikaner immer mal wieder Gespräche geführt, die entweder schlecht verschlüsselt waren, wo es Lücken gab – oder die gar nicht verschlüsselt waren“, erklärte Stark. Diese Schwächen seien dem BND bekannt gewesen. Die Konsequenz: Gespräche aus dem engsten Machtzentrum der USA sollen mitgehört und ausgewertet worden sein.

Besonders heikel: Laut Stark habe es keinen offiziellen Spionageauftrag gegeben. Dennoch seien die Telefonate transkribiert, kopiert und intern weitergereicht worden. Die interne Vorgabe habe vorgesehen, dass am Ende nur eine Kopie existieren dürfe – und auch diese sei zu schreddern. In den meisten Fällen sei das offenbar geschehen. Das Kanzleramt habe davon lange Zeit nichts gewusst.

Schweigen aus Pullach

Auf Anfrage der Deutsche Presse-Agentur verweigerte der BND jede inhaltliche Stellungnahme. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu möglichen nachrichtendienstlichen Erkenntnissen oder Tätigkeiten, hieß es knapp aus Berlin. Das Schweigen nährt Spekulationen – und wirft neue Fragen nach parlamentarischer Kontrolle und politischer Verantwortung auf.

Brisante Parallele: Merkel als Abhörziel

Der mutmaßliche Lauschangriff auf Obama bekommt zusätzliche Brisanz durch die Erinnerung an eine andere Spionageaffäre: 2013 wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst National Security Agency über Jahre hinweg das Mobiltelefon der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört hatte. Die Enthüllung führte zu erheblichen Spannungen zwischen Berlin und Washington.

„Ausspähen unter Freunden, das geht gar nicht“, sagte Merkel damals verärgert. Obama zeigte sich peinlich berührt – ohne je klarzustellen, seit wann er von der Überwachung wusste.

Vertrauensfrage zwischen Verbündeten

Sollten sich die aktuellen Vorwürfe bestätigen, stünde nicht nur der BND, sondern auch das Selbstverständnis der deutsch-amerikanischen Partnerschaft erneut auf dem Prüfstand. Die Affäre zeigt einmal mehr: In der Welt der Geheimdienste enden Freundschaften oft dort, wo technische Möglichkeiten beginnen – selbst über den Wolken.

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