Nach dem jüngsten Beschluss zur Rentenreform sieht Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke die Bundesregierung erst am Anfang einer größeren Herausforderung. Im Interview bezeichnete er den Vorschlag, den Renteneintritt stärker an die Zahl der Beitragsjahre zu koppeln, als „durchaus vernünftige Überlegung“. Entscheidend sei nun, über tiefgreifendere Strukturänderungen nachzudenken.
Von Lucke verwies darauf, dass die Rentenreform der vergangenen Woche eher als „Reförmchen“ zu bewerten sei und zentrale Probleme weiterbestehen. Angesichts des demografischen Wandels und der Belastung der Sozialkassen stelle sich zwangsläufig die Frage, wann Renten gekürzt oder das Leistungsniveau angepasst werden müsse. Diese Grundsatzdebatte könne die Politik nicht länger aufschieben, sagte er.
Für den Politologen geht es dabei nicht nur um technisches Reformwerk, sondern um Ehrlichkeit gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern: Wenn das System langfristig finanzierbar bleiben soll, braucht es transparente Antworten – und möglicherweise unpopuläre Entscheidungen.