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Deutlich mehr Notrufe wegen Lachgas-Vergiftungen

hbl_media (CC0), Pixabay

Die Zahl der Vergiftungen durch den Konsum von Lachgas nimmt in Deutschland spürbar zu. Immer häufiger wenden sich Betroffene oder Angehörige an die regionalen Giftnotrufe, wie aktuelle Zahlen zeigen.

Verdoppelung in Berlin und Brandenburg

Nach Angaben von David Steindl, Leiter des Giftnotrufs der Berliner Charité, haben sich die Anfragen wegen Lachgas-Vergiftungen innerhalb eines Jahres fast verdoppelt. Für Berlin und Brandenburg stieg die Zahl von 35 Fällen im Jahr 2023 auf 66 im Jahr 2024. Auch im Norden Deutschlands ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen: Das Giftinformationszentrum Nord (GIZ-Nord), zuständig für Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, meldete 34 Beratungen – nach 19 im Vorjahr.

Beliebte Partydroge

Lachgas gilt als legale Rauschsubstanz, die in kleinen Kapseln oder Gasflaschen leicht erhältlich ist. Ursprünglich wird das Gas in der Lebensmittelindustrie, etwa für Sahnespender, oder in der Medizin eingesetzt. Jugendliche und junge Erwachsene konsumieren es zunehmend als Partydroge, da es kurzfristig ein Gefühl von Euphorie und Leichtigkeit erzeugt.

Gesundheitsrisiken

Mediziner warnen jedoch vor erheblichen Gefahren. Beim Einatmen verdrängt Lachgas Sauerstoff aus der Lunge. Folgen können Schwindel, Ohnmacht, Kreislaufprobleme und Unfälle sein. Bei häufigem oder unsachgemäßem Gebrauch drohen zudem Nervenschäden durch Vitamin-B12-Mangel, langfristige Lähmungserscheinungen oder sogar bleibende neurologische Schäden.

„Die Zahl der schweren Fälle nimmt zu, wir sehen nicht mehr nur harmlose Experimente“, betonte Giftnotruf-Leiter Steindl.

Schwierige Regulierung

Da Lachgas in Deutschland bislang nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, ist es frei verkäuflich – auch online. Einige Städte, etwa Amsterdam oder London, haben den Konsum in der Öffentlichkeit inzwischen verboten oder den Verkauf streng reguliert. In Deutschland fordern Experten und Suchthilfeeinrichtungen ebenfalls eine strengere Regulierung, um Missbrauch einzudämmen.

Ausblick

Die Giftnotrufe rechnen damit, dass die Fallzahlen weiter steigen werden, solange der Zugang so leicht ist. Fachleute mahnen deshalb, die Bevölkerung stärker über die Risiken aufzuklären und politischen Handlungsbedarf zu prüfen.

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