Eine neue Studie der Columbia University Mailman School of Public Health kommt zu einem alarmierenden Ergebnis: Fast die Hälfte aller US-Bundesstaaten steht am Rande eines Pflege-Notstands. Besonders betroffen sind die Südstaaten – darunter Georgia, Alabama, Florida, Louisiana, South Carolina und Tennessee.
Grundlage der Analyse ist ein neu entwickelter Index, der Faktoren wie Zugang zu Pflegepersonal, die Zahl an Pflegebetten, den Anteil älterer Menschen, Wohnkostenbelastung sowie Demenzraten berücksichtigt. Staaten wurden in vier Risikokategorien eingeteilt: „kritisch“, „hochriskant“, „vorerst sicher“ und „gut aufgestellt“.
Pflegende Angehörige unter Druck – kaum staatliche Unterstützung
Viele Menschen in den betroffenen Bundesstaaten kümmern sich unbezahlt um Angehörige mit chronischen Erkrankungen oder Demenz – und geraten dabei selbst an ihre Belastungsgrenze. Ein Beispiel ist Aisha Adkins aus Georgia, die nach dem Tod ihrer Mutter nun ihren an vaskulärer Demenz erkrankten Vater pflegt. Sie berichtet von Jobverlust, fehlender Krankenversicherung und sozialer Isolation.
„Pflege ist eine Vollzeitverantwortung – viele Menschen können sich nicht vorstellen, wie groß das Opfer ist“, sagt Adkins.
Laut der Studie steigt der Druck auf Familien, weil es kaum Pflegekräfte, unzureichende Unterstützungsprogramme und fehlende staatliche Strategien gibt.
Medicaid-Ausbau als entscheidender Faktor
Ein zentraler Streitpunkt ist die Medicaid-Politik. Medicaid bietet auch Leistungen für häusliche Pflege und kann pflegende Angehörige finanziell entlasten oder direkt entschädigen. Doch zehn Bundesstaaten – darunter viele der betroffenen Südstaaten – haben den Medicaid-Ausbau unter dem Affordable Care Act nicht umgesetzt.
„Medicaid ist nicht perfekt, aber aktuell die einzige tragende Säule der Langzeitpflege“, betont Nicole Jorwic von der Initiative Caring Across Generations.
Ein geplantes Haushaltsgesetz der Trump-Regierung sieht Einsparungen bei Medicaid vor – was laut Experten die Pflegekrise weiter verschärfen würde.
Initiativen vor Ort – aber oft nicht ausreichend
Einige Bundesstaaten haben eigene Pflegeprogramme gestartet.
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In South Carolina gibt es z. B. seit 2022 ein Dementia Care Specialist Program, das Betroffene und Angehörige lokal unterstützen soll.
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Georgia führt derzeit eine groß angelegte Pflege-Studie durch, um politische Handlungsempfehlungen zu entwickeln.
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Nevada fördert lokale Entlastungsdienste mit 2,5 Millionen US-Dollar jährlich und setzt auf Bundeszuschüsse.
Trotz dieser Maßnahmen warnen Forscher wie John McHugh (Columbia University):
„Ohne grundlegende politische Reformen könnten viele dieser Staaten sehr bald in eine vollständige Pflegekrise rutschen.“
Pflege in den USA: System am Limit
Die Studie zeigt deutlich: Pflegearbeit wird in den USA oft auf Einzelpersonen und Familien abgewälzt, ohne dass ausreichende strukturelle oder finanzielle Unterstützung erfolgt. Besonders betroffen sind Frauengenerationen über 50, die laut AARP häufig über keine eigenen Rentenansprüche verfügen und sich zwischen Pflege, Beruf und Altersarmut aufreiben.
Aisha Adkins etwa überlegt, ob sie ihren Vater künftig in ein Heim geben muss – eine Vorstellung, mit der sie hadert, angesichts hoher Personalknappheit und Pflegemängel in vielen Einrichtungen.
„Ich mache mir Sorgen um seine Sicherheit. Ich weiß nicht, ob er dort die Fürsorge bekommen würde, die ich ihm geben kann.“
Fazit
Die USA steuern auf eine strukturelle Pflegekrise zu. Ohne Medicaid-Ausbau, mehr Pflegepersonal, politische Reformen und gezielte Unterstützung für pflegende Angehörige droht eine Überlastung der Familien – mit gravierenden gesellschaftlichen Folgen.