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Weltschlaganfalltag 2026: Warum schnelle Hilfe und konsequente Nachsorge Leben retten können

TechLine (CC0), Pixabay

Ein Schlaganfall kann das Leben innerhalb weniger Sekunden verändern. Plötzlich funktioniert ein Arm nicht mehr richtig, die Sprache fällt schwer oder das Gehen wird unsicher. Für Betroffene und Angehörige beginnt häufig eine Zeit voller Unsicherheit, medizinischer Behandlungen und organisatorischer Herausforderungen.

Zum Weltschlaganfalltag am 29. Oktober rückt deshalb nicht nur die schnelle Versorgung im Notfall in den Mittelpunkt. Ebenso wichtig ist die Frage, wie Menschen nach einem Schlaganfall langfristig begleitet werden können, um weitere Ereignisse möglichst zu verhindern.

Ein Beispiel dafür liefert das Helios Klinikum in Schleswig. Dort werden Schlaganfallpatienten auf einer spezialisierten Station, der sogenannten Stroke Unit, behandelt. Zusätzlich unterstützt ein Schlaganfalllotsenprojekt Betroffene über den Krankenhausaufenthalt hinaus.

Nach Angaben der AOK waren im Jahr 2024 in Schleswig-Holstein rund 45.700 Menschen von einer Schlaganfallerkrankung betroffen. Das entspricht laut der zugrunde liegenden Erhebung einem Bevölkerungsanteil von 1,89 Prozent.

Die Zahlen verdeutlichen, dass Schlaganfälle kein seltenes medizinisches Ereignis sind. Sie zeigen zugleich, wie wichtig Vorsorge, frühzeitige Behandlung und eine verlässliche Nachbetreuung sind.

Was passiert bei einem Schlaganfall?

Ein Schlaganfall entsteht, wenn Teile des Gehirns plötzlich nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden oder eine Blutung im Gehirn auftritt.

Bei einem sogenannten ischämischen Schlaganfall wird ein Blutgefäß durch ein Gerinnsel oder eine andere Verengung verschlossen.

Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall kommt es dagegen zu einer Blutung im Gehirn.

Beide Formen sind medizinische Notfälle.

Gehirnzellen reagieren besonders empfindlich auf Sauerstoffmangel. Deshalb kann bereits eine kurze Verzögerung der Behandlung schwerwiegende Folgen haben.

Je schneller die medizinische Versorgung beginnt, desto größer können die Chancen sein, bleibende Schäden zu begrenzen.

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall gilt deshalb: Sofort die Notrufnummer 112 wählen. Nicht abwarten, ob die Beschwerden von allein verschwinden.

Die wichtigsten Warnzeichen erkennen

Ein Schlaganfall kann sich durch unterschiedliche Beschwerden bemerkbar machen.

Besonders häufig treten plötzlich einsetzende neurologische Ausfälle auf.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Einseitige Schwäche oder Lähmung von Gesicht, Arm oder Bein

  • Plötzliche Sprachstörungen oder Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen

  • Sehstörungen auf einem oder beiden Augen

  • Starke Gleichgewichtsprobleme oder plötzlich auftretende Gangunsicherheit

  • Ungewöhnlich starke, plötzlich einsetzende Kopfschmerzen, insbesondere bei einer Hirnblutung

Ein einfacher Orientierungstest ist der sogenannte FAST-Test.

F – Face (Gesicht): Kann die betroffene Person lächeln, oder hängt ein Mundwinkel herab?

A – Arms (Arme): Kann sie beide Arme gleichzeitig nach vorne heben und oben halten?

S – Speech (Sprache): Kann sie einen einfachen Satz verständlich wiederholen?

T – Time (Zeit): Bei Auffälligkeiten sofort 112 anrufen.

Wichtig ist, dass nicht jeder Schlaganfall sämtliche typischen Anzeichen verursacht.

Auch plötzlich auftretende Sehstörungen oder schwere Gleichgewichtsstörungen können auf einen Schlaganfall hindeuten.

Der FAST-Test ist daher eine hilfreiche Orientierung, ersetzt aber keine medizinische Untersuchung.

Auf der Stroke Unit in Schleswig: Spezialisierte Versorgung nach dem Notfall

Wie die Behandlung nach einem Schlaganfall aussieht, zeigt ein Bericht des NDR aus dem Helios Klinikum in Schleswig.

Dort werden Betroffene auf einer spezialisierten Schlaganfallstation betreut.

Während der Visite überprüft Chefarzt Frederick Palm gemeinsam mit einem medizinischen Team den Gesundheitszustand der Patienten.

Zu den Untersuchungen gehört unter anderem die Kontrolle von Armbewegungen, Muskelkraft und Koordination.

Solche Tests helfen dabei, neurologische Einschränkungen festzustellen und Veränderungen im Krankheitsverlauf zu erkennen.

Auf einer Stroke Unit arbeiten verschiedene Berufsgruppen zusammen.

Neben ärztlicher Diagnostik und Behandlung spielen die pflegerische Überwachung sowie die frühzeitige Einbindung therapeutischer Fachrichtungen eine wichtige Rolle.

Je nach individuellem Zustand können unter anderem Physiotherapie, Ergotherapie und Sprachtherapie erforderlich sein.

Das Ziel besteht darin, die akute Erkrankung zu behandeln, Komplikationen zu vermeiden und möglichst früh die Voraussetzungen für eine Rehabilitation zu schaffen.

Ein Patient berichtet: Plötzlich war das normale Gehen nicht mehr möglich

Im Mittelpunkt des NDR-Berichts steht auch der 61-jährige Christian Ceslik-Müller.

Er erlitt in der Woche vor dem Bericht einen Schlaganfall.

Zu seinen Beschwerden gehörten Schwierigkeiten beim geraden Gehen und beim Denken. Außerdem hatte er Schmerzen im rechten Arm.

Zum Zeitpunkt der Berichterstattung ging es ihm bereits deutlich besser.

Sein Beispiel zeigt, wie unterschiedlich sich ein Schlaganfall äußern kann.

Nicht immer stehen sofort eine ausgeprägte Lähmung oder eine deutlich erkennbare Sprachstörung im Vordergrund.

Auch Veränderungen des Gleichgewichts, der Konzentration oder der Bewegungskoordination können Betroffene erheblich einschränken.

Selbst wenn sich der Gesundheitszustand nach der Akutbehandlung verbessert, ist die medizinische Versorgung häufig noch lange nicht abgeschlossen.

Warum die Gefahr eines zweiten Schlaganfalls ernst genommen werden muss

Nach einem überstandenen Schlaganfall besteht ein erhöhtes Risiko für ein weiteres Ereignis.

Wie hoch dieses Risiko im Einzelfall ist, hängt unter anderem von der Ursache des ersten Schlaganfalls, bestehenden Erkrankungen und der weiteren Behandlung ab.

Besonders wichtig ist deshalb die sogenannte Sekundärprävention.

Darunter versteht man Maßnahmen, die nach einer bereits eingetretenen Erkrankung das Risiko weiterer Ereignisse senken sollen.

Dazu gehören die medizinische Behandlung relevanter Risikofaktoren, regelmäßige Kontrolluntersuchungen und gegebenenfalls Veränderungen des Lebensstils.

Eine erfolgreiche Nachsorge muss individuell auf die betroffene Person abgestimmt werden.

Nicht jede Maßnahme ist für jeden Patienten gleichermaßen geeignet.

Bluthochdruck, Vorhofflimmern und Cholesterin: Risikofaktoren gezielt behandeln

Zu den bedeutenden beeinflussbaren Risikofaktoren eines Schlaganfalls gehören Bluthochdruck, Rauchen, bestimmte Herzrhythmusstörungen und ungünstige Blutfettwerte.

Auch Gefäßverengungen können eine wichtige Rolle spielen.

Besonders relevant ist Vorhofflimmern.

Bei dieser Herzrhythmusstörung können sich unter bestimmten Umständen Blutgerinnsel bilden, die über den Blutkreislauf ins Gehirn gelangen und dort ein Gefäß verschließen.

Je nach individueller Situation können Medikamente zur Verringerung des Gerinnselrisikos erforderlich sein.

Bei Bluthochdruck steht dagegen eine verlässliche Blutdruckeinstellung im Mittelpunkt.

Auch die Behandlung erhöhter Cholesterinwerte kann bei geeigneter Indikation dazu beitragen, das Risiko weiterer Gefäßereignisse zu reduzieren.

Welche Medikamente und Zielwerte sinnvoll sind, muss ärztlich festgelegt werden.

Patienten sollten verordnete Medikamente nicht eigenständig absetzen oder verändern.

Schlaganfalllotsen begleiten Betroffene über die Klinik hinaus

Ein besonderer Schwerpunkt der Versorgung in Schleswig ist das Schlaganfalllotsenprojekt.

Nach dem NDR-Bericht wurde es vor rund drei Jahren von der Pflegefachkraft Bianca Naß in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe initiiert.

Demnach handelt es sich bislang um das einzige Projekt dieser Art in Schleswig-Holstein.

Das Konzept geht über die unmittelbare Behandlung im Krankenhaus hinaus.

Die Schlaganfalllotsen begleiten Betroffene während des Klinikaufenthalts, in der Rehabilitation und später auch zu Hause.

Die Unterstützung erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa einem Jahr.

Dabei geht es insbesondere darum, individuelle Risikofaktoren im Blick zu behalten und die weitere Versorgung zu koordinieren.

Denn nach einem Schlaganfall müssen häufig zahlreiche Termine organisiert werden.

Dazu können Untersuchungen beim Kardiologen, neurologische Kontrollen, Rehabilitationsmaßnahmen und weitere therapeutische Angebote gehören.

Gerade für Menschen, die mit dem Gesundheitssystem vor Ort noch nicht vertraut sind, kann diese Organisation eine erhebliche Herausforderung darstellen.

Hilfe bei Arztterminen und im Alltag

Der im NDR-Bericht vorgestellte Patient Christian Ceslik-Müller schildert, dass ihn die bevorstehenden Arzttermine zunächst beschäftigt haben.

Da er erst vor einiger Zeit in die Region gezogen war, kannte er beispielsweise noch keinen Kardiologen vor Ort.

Eine Schlaganfalllotsin kann in solchen Situationen helfen, die nächsten Schritte zu strukturieren und geeignete Ansprechpartner zu finden.

Das bedeutet nicht, dass sie ärztliche Entscheidungen ersetzt.

Vielmehr unterstützt sie dabei, empfohlene Behandlungen und Untersuchungen im Alltag umzusetzen.

Diese Form der Begleitung kann besonders wichtig sein, wenn mehrere Erkrankungen gleichzeitig bestehen oder nach dem Schlaganfall körperliche und kognitive Einschränkungen zurückbleiben.

Rund 200 Patienten in drei Jahren begleitet

Nach Angaben aus dem Helios Klinikum Schleswig wurden innerhalb von drei Jahren rund 200 Schlaganfallpatienten durch Bianca Naß und einen weiteren Mitarbeiter betreut.

Die Begleitung endet dabei nicht mit der Entlassung aus dem Krankenhaus.

Auch Hausbesuche gehören zum Konzept.

Im NDR-Bericht wird beispielsweise der Patient Holger Beuck vorgestellt, der bereits mehrere Schlaganfälle erlitten hat und inzwischen pflegebedürftig ist.

Sein Fall macht deutlich, dass die Folgen eines Schlaganfalls langfristig bestehen können.

Manche Menschen gewinnen ihre Selbstständigkeit weitgehend zurück.

Andere benötigen dauerhaft Unterstützung bei der Mobilität, Körperpflege, Ernährung oder Organisation ihres Alltags.

Für Angehörige kann damit ebenfalls eine erhebliche Belastung verbunden sein.

Eine koordinierte Nachsorge kann helfen, medizinische und soziale Unterstützungsangebote besser miteinander zu verbinden.

Warum strukturierte Nachsorge so wichtig ist

Nach einem Krankenhausaufenthalt beginnt für viele Patienten eine schwierige Übergangsphase.

Während in der Klinik medizinische Fachkräfte regelmäßig erreichbar sind, müssen zu Hause zahlreiche Aufgaben eigenständig organisiert werden.

Dazu gehören beispielsweise die Einnahme verordneter Medikamente, Kontrolltermine, therapeutische Übungen und die Anpassung des Alltags.

Hinzu kommen mögliche Fragen zu Rehabilitation, Pflegeleistungen oder Hilfsmitteln.

Wenn Informationen fehlen oder Termine nicht zustande kommen, können Versorgungslücken entstehen.

Schlaganfalllotsen sollen dazu beitragen, solche Probleme frühzeitig zu erkennen.

Sie können Betroffene und Angehörige unterstützen, ohne die Aufgaben der behandelnden Ärzte, Therapeuten oder Pflegekräfte zu übernehmen.

Ob und in welchem Umfang solche Programme die Häufigkeit erneuter Schlaganfälle senken, muss anhand geeigneter wissenschaftlicher Untersuchungen beurteilt werden.

Die bisherige Erfahrung mit einzelnen Projekten ist nicht automatisch ein Beweis für einen bestimmten medizinischen Nutzen.

Gleichwohl verdeutlicht das Beispiel aus Schleswig, welchen Stellenwert eine verlässliche Begleitung für Patienten im Alltag haben kann.

Welche Ansprüche haben Patienten nach einem Schlaganfall?

Ein Schlaganfall kann einen umfangreichen medizinischen und pflegerischen Unterstützungsbedarf auslösen.

Je nach gesundheitlicher Situation und den gesetzlichen Voraussetzungen kommen unterschiedliche Leistungen infrage.

Dazu zählen unter anderem medizinische Rehabilitation, Heilmittel wie Physiotherapie oder Ergotherapie, Hilfsmittel und häusliche Krankenpflege.

Besteht ein längerfristiger Bedarf an Unterstützung im Alltag, kann außerdem die Feststellung eines Pflegegrades relevant werden.

Auch Leistungen zur beruflichen Rehabilitation können eine Rolle spielen, wenn die Rückkehr in das Erwerbsleben erschwert ist.

Welche Leistungen im Einzelfall bewilligt werden, hängt von den jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen, dem medizinischen Bedarf und dem zuständigen Leistungsträger ab.

Nicht jede Form einer zusätzlichen Schlaganfalllotsenbetreuung ist automatisch eine bundesweit verfügbare Regelleistung.

Betroffene sollten deshalb frühzeitig klären, welche Nachsorgeangebote an ihrem Wohnort bestehen.

Unterstützung können unter anderem der Sozialdienst des Krankenhauses, die Krankenkasse, die Pflegekasse und geeignete Beratungsstellen bieten.

Angehörige benötigen ebenfalls Unterstützung

Ein Schlaganfall betrifft häufig nicht nur die erkrankte Person.

Auch Partner, Kinder und andere Angehörige müssen sich plötzlich mit einer neuen Lebenssituation auseinandersetzen.

Manchmal sind Veränderungen in der Wohnung notwendig.

In anderen Fällen müssen Pflege, Therapietermine und berufliche Verpflichtungen miteinander vereinbart werden.

Hinzu kommen emotionale Belastungen und die Sorge vor einem weiteren Schlaganfall.

Deshalb ist es wichtig, Angehörige nach Möglichkeit in die Versorgungsplanung einzubeziehen.

Dabei müssen selbstverständlich die Wünsche und Rechte des Patienten berücksichtigt werden.

Beratungsangebote können helfen, geeignete Unterstützungsleistungen zu finden und Überforderung zu vermeiden.

Was jeder selbst zur Schlaganfallprävention beitragen kann

Nicht jeder Schlaganfall lässt sich verhindern.

Es gibt jedoch zahlreiche Möglichkeiten, das persönliche Risiko zu beeinflussen.

Eine wichtige Grundlage ist die regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks.

Auch körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen können zur allgemeinen Gefäßgesundheit beitragen.

Bestehende Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Vorhofflimmern oder Fettstoffwechselstörungen sollten medizinisch behandelt werden.

Wer bereits einen Schlaganfall erlitten hat, sollte die individuell empfohlene Nachsorge besonders ernst nehmen.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Maßnahmen gleichzeitig umzusetzen.

Entscheidend ist ein langfristig tragfähiger Behandlungsplan, der zum Gesundheitszustand und zur Lebenssituation des Betroffenen passt.

Weltschlaganfalltag: Aufmerksamkeit für eine Erkrankung mit weitreichenden Folgen

Der jährlich am 29. Oktober begangene Weltschlaganfalltag soll das Bewusstsein für Schlaganfälle stärken.

Im Mittelpunkt stehen die Früherkennung, die schnelle Notfallversorgung, die Prävention und die Unterstützung von Menschen, die mit den Folgen eines Schlaganfalls leben.

Das Beispiel des Helios Klinikums Schleswig zeigt, dass eine erfolgreiche Versorgung nicht allein von der Akutbehandlung abhängt.

Ebenso wichtig ist die Zeit danach.

Gerade Menschen mit mehreren Risikofaktoren oder dauerhaftem Unterstützungsbedarf können von einer gut koordinierten Versorgung profitieren.

Dabei stellt sich auch die gesundheitspolitische Frage, wie strukturierte Nachsorgeangebote möglichst vielen Betroffenen zugänglich gemacht werden können.

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