Eine verlässliche Einlagensicherung ist für das Vertrauen der Verbraucher in das Bankensystem unverzichtbar. Gleichzeitig darf sie Banken nicht dazu verleiten, übermäßige Risiken einzugehen. Darauf hat BaFin-Präsident Mark Branson am 29. Oktober 2026 bei der Jahreskonferenz der International Association of Deposit Insurers (IADI) in Berlin hingewiesen.
Branson betonte die Bedeutung glaubwürdiger Sicherungssysteme für die Stabilität des Finanzmarktes. Zugleich warnte er vor Fehlanreizen, die entstehen können, wenn Banken darauf vertrauen, dass mögliche Verluste letztlich von der Gemeinschaft aufgefangen werden.
Einlagensicherung stärkt das Vertrauen der Bankkunden
„Eine glaubwürdige Einlagensicherung ist ein unverzichtbares Gegengewicht zur inhärenten Instabilität von Bankbilanzen“, erklärte Branson auf der Konferenz.
Als Beispiel verwies er auf das über Jahrzehnte gewachsene deutsche Drei-Säulen-Modell aus privaten Banken, öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Genossenschaftsbanken.
Die unterschiedlichen Sicherungsmechanismen tragen nach seiner Einschätzung zur Stabilität des deutschen Finanzsystems bei.
Für Verbraucher ist eine funktionierende Einlagensicherung besonders wichtig. Sie soll verhindern, dass der Ausfall einer Bank unmittelbar zum Verlust geschützter Kundeneinlagen führt.
BaFin warnt vor falschen Anreizen für Banken
Branson machte jedoch deutlich, dass eine umfassende Absicherung auch unerwünschte Folgen haben kann.
In der Finanzwirtschaft wird dieses Problem als Moral Hazard bezeichnet. Gemeint ist die Gefahr, dass Marktteilnehmer höhere Risiken eingehen, weil sie erwarten, die wirtschaftlichen Folgen nicht vollständig selbst tragen zu müssen.
„Wenn Banken erwarten, dass die Gemeinschaft die Folgen ihres Handelns mitträgt, können riskante Geschäftsentscheidungen attraktiver werden“, warnte der BaFin-Präsident.
Eine übermäßige Absicherung könne damit die Eigenverantwortung der Institute schwächen.
Entscheidend sei deshalb ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Einleger und der Verpflichtung der Banken, für ihre Geschäftsentscheidungen selbst einzustehen.
Europäische Harmonisierung hat Grenzen
Auch zur Weiterentwicklung des europäischen Bankenkrisenmanagements äußerte sich Branson.
Die Bemühungen um gemeinsame europäische Regeln bewertete er grundsätzlich als Fortschritt. Allerdings dürfe eine stärkere Vereinheitlichung der Einlagensicherungssysteme nicht zulasten bewährter nationaler Schutzmechanismen gehen.
Damit sprach sich der BaFin-Präsident für eine europäische Weiterentwicklung mit Augenmaß aus. Unterschiedliche Sicherungsstrukturen müssten bei möglichen Reformen berücksichtigt werden.
Was bedeutet das für Bankkunden?
Für Verbraucher unterstreicht die Rede vor allem die Bedeutung eines stabilen und glaubwürdigen Einlagenschutzes.
In Deutschland sind grundsätzlich Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Unter bestimmten Voraussetzungen können zeitweise höhere Beträge abgesichert sein.
Die Aussagen Bransons bedeuten keine angekündigte Kürzung dieses gesetzlichen Schutzes. Vielmehr ging es um die Frage, wie Einlagensicherungssysteme langfristig Vertrauen schaffen können, ohne die Risikobereitschaft der Banken unangemessen zu fördern.