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Studie: Abenteuerliches Spielen im Freien kann die Entwicklung von Kindern fördern

FNur99 (CC0), Pixabay

Auf Bäume klettern, über Hindernisse balancieren oder mit dem Fahrrad einen Hügel hinunterfahren: Solche Aktivitäten gehören für viele Kinder zum Spielen im Freien. Eine internationale wissenschaftliche Übersichtsarbeit zeigt, dass abenteuerliches Spielen mit verschiedenen positiven Merkmalen der körperlichen und psychischen Entwicklung zusammenhängen kann. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass Kinder von altersgerechten Herausforderungen profitieren. Ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang ist damit jedoch nicht in allen Bereichen nachgewiesen.

Ein Forschungsteam unter Beteiligung der Universitäten Exeter in Großbritannien und British Columbia in Kanada hat 74 internationale Studien ausgewertet.

Die Untersuchung, die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „PLOS One“ veröffentlicht wurde, befasst sich mit Kindern im Alter von drei bis zwölf Jahren.

Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Zusammenhänge zwischen risikoreichem Spielen und verschiedenen Aspekten der kindlichen Gesundheit und Entwicklung bestehen.

Was die Wissenschaft unter risikoreichem Spielen versteht

Als risikoreiches oder abenteuerliches Spielen werden Aktivitäten bezeichnet, bei denen Kinder freiwillig Herausforderungen eingehen und dabei ein gewisses Maß an Unsicherheit erleben.

Dazu gehören unter anderem das Klettern auf Bäume, schnelles Fahrradfahren, das Erkunden unbekannter Umgebungen und bestimmte Formen des körperlichen Tobens.

Auch das Spielen in der Nähe von Wasser oder der Umgang mit Werkzeugen kann unter entsprechenden Bedingungen zu dieser Kategorie gehören.

Dabei geht es nicht darum, Kinder erheblichen oder unkontrollierbaren Gefahren auszusetzen.

Entscheidend ist vielmehr, dass sie Herausforderungen erleben, die ihren Fähigkeiten und ihrem Entwicklungsstand entsprechen.

Hinweise auf positive Auswirkungen

Die Forschenden untersuchten unter anderem Zusammenhänge mit körperlicher Aktivität, psychischer Gesundheit, sozialer Kompetenz, kognitiven Fähigkeiten und dem Umgang mit Risiken.

In mehreren Bereichen fanden sie Hinweise auf positive Zusammenhänge.

Kinder, die häufiger Gelegenheit zu abenteuerlichem Spielen hatten, zeigten in den ausgewerteten Untersuchungen teilweise günstigere gesundheitliche und entwicklungsbezogene Merkmale.

Allerdings weisen die Forschenden auf Einschränkungen der verfügbaren Studien hin.

Die wissenschaftliche Beweislage war je nach untersuchtem Bereich unterschiedlich belastbar. Zudem handelte es sich bei einem Teil der Untersuchungen um Beobachtungsstudien.

Deshalb lässt sich nicht generell nachweisen, dass risikoreiches Spielen die festgestellten positiven Eigenschaften unmittelbar verursacht.

Selbstständige Bewegung im Alltag

Ein weiterer Untersuchungsbereich betraf die eigenständige Mobilität von Kindern.

Gemeint ist damit beispielsweise, dass Kinder bestimmte Wege selbstständig zurücklegen oder sich ohne unmittelbare Begleitung Erwachsener in geeigneten Umgebungen bewegen.

Die Auswertung ergab einen Zusammenhang zwischen größerer selbstständiger Mobilität und höherer körperlicher Aktivität.

Daraus folgt jedoch keine allgemeingültige Empfehlung, Kinder unabhängig von ihrem Alter oder den örtlichen Gegebenheiten allein unterwegs sein zu lassen.

Ob ein Kind einen Weg selbstständig bewältigen kann, hängt insbesondere von seinem Entwicklungsstand, seiner Erfahrung und der Verkehrssituation ab.

Beim spielerischen Raufen bleiben Fragen offen

Nicht alle untersuchten Spielformen waren ausschließlich mit positiven Ergebnissen verbunden.

Beim spielerischen Kämpfen und Raufen fanden die Forschenden teilweise Zusammenhänge mit aggressivem Verhalten.

Die Untersuchung konnte jedoch nicht eindeutig klären, ob solche Spiele aggressives Verhalten fördern oder ob Kinder mit entsprechenden Verhaltensweisen häufiger zu dieser Art des Spielens neigen.

Eine pauschale Bewertung des spielerischen Raufens lässt sich aus diesen Ergebnissen deshalb nicht ableiten.

Welche Verantwortung tragen Eltern und Betreuungspersonen?

Die Ergebnisse der Untersuchung ändern nichts an den bestehenden Aufsichts- und Fürsorgepflichten.

Eltern und andere verantwortliche Betreuungspersonen müssen Gefahren berücksichtigen, die Kinder aufgrund ihres Alters, ihrer Fähigkeiten oder der jeweiligen Situation noch nicht ausreichend einschätzen können.

Wie weit eine Aufsichtspflicht reicht, hängt von den Umständen des Einzelfalls ab.

Dabei spielen insbesondere das Alter und die Entwicklung des Kindes, die konkrete Umgebung sowie die Art und das Ausmaß möglicher Gefahren eine Rolle.

Eine ständige unmittelbare Überwachung ist rechtlich nicht in jeder Situation erforderlich. Umgekehrt dürfen erkennbare erhebliche Gefahren nicht allein mit dem Hinweis auf die Förderung der Selbstständigkeit hingenommen werden.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sprechen daher nicht für einen Verzicht auf Schutzmaßnahmen, sondern für einen altersgerechten Umgang mit Herausforderungen.

Mehr Freiräume, ohne Sicherheit zu vernachlässigen

Aus der Untersuchung lässt sich ableiten, dass Möglichkeiten zum selbstständigen und abwechslungsreichen Spielen für die kindliche Entwicklung von Bedeutung sein können.

Geeignete Spielplätze, naturnahe Bewegungsräume und altersgerechte Herausforderungen können Kindern Gelegenheit geben, ihre Fähigkeiten zu erproben.

Dabei sollten Erwachsene zwischen überschaubaren Risiken, aus denen Kinder Erfahrungen gewinnen können, und Gefahren unterscheiden, die schwerwiegende Verletzungen verursachen könnten.

Wie diese Abwägung im Einzelfall ausfällt, lässt sich nicht durch eine allgemeine Regel bestimmen.

Fazit

Die internationale Auswertung von 74 Studien liefert Hinweise darauf, dass abenteuerliches Spielen im Freien mit positiven Aspekten der körperlichen und psychischen Entwicklung von Kindern verbunden sein kann.

Die Ergebnisse rechtfertigen jedoch weder die Behauptung, risikoreiches Spielen mache Kinder grundsätzlich glücklicher, noch die Annahme, dass möglichst große Risiken besonders förderlich seien.

Wissenschaftlich belegt sind vor allem bestimmte Zusammenhänge, nicht durchgehend eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehungen.

Für Eltern und Betreuungspersonen bleibt deshalb entscheidend, Kindern altersgerechte Freiräume zu ermöglichen und zugleich erkennbare, nicht vertretbare Gefahren zu begrenzen.

Kinder können davon profitieren, Herausforderungen selbstständig zu bewältigen. Sicherheit und Selbstständigkeit müssen dabei keine Gegensätze sein.

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