Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Eichede ApS & Co. KG mit Sitz in Flensburg fällt bereits beim ersten Blick auf die Bilanz auf.
Das Unternehmen weist zum 31. Dezember 2025 ein Eigenkapital von 0 Euro aus.
Gleichzeitig steht auf der Aktivseite ein sogenannter „nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil der Kommanditisten“ von 2.987,08 Euro.
Im Anhang verwendet die Gesellschaft dafür selbst eine deutliche Formulierung:
„Die Windpark Eichede ApS & Co. KG ist buchmäßig überschuldet in Höhe von EUR -2.987,08.“
Diese Aussage muss allerdings richtig eingeordnet werden.
„Buchmäßig überschuldet“ bedeutet nicht automatisch Insolvenz
Die Formulierung klingt zunächst dramatisch.
Aus ihr darf jedoch nicht automatisch geschlossen werden, dass die Gesellschaft zahlungsunfähig ist oder ein Insolvenzgrund festgestellt wurde.
Der Abschluss beschreibt zunächst eine bilanzielle beziehungsweise buchmäßige Situation.
Das Eigenkapital der Kommanditisten reicht nicht aus, um den verbleibenden Verlustanteil abzudecken. Deshalb erscheint der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil auf der Aktivseite.
Für die Frage einer möglichen insolvenzrechtlichen Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit wären zusätzliche Informationen erforderlich.
Dazu gehören insbesondere Liquiditätsplanung, Fälligkeiten, zukünftige Zahlungsströme, Fortbestehensprognose und gegebenenfalls Finanzierungszusagen.
Der vorliegende verkürzte Jahresabschluss liefert dazu keine ausreichenden Informationen.
Verlustanteil sinkt um fast 70 Prozent
Trotz des weiterhin vorhandenen ungedeckten Verlustanteils zeigt der Jahresvergleich eine deutliche Verbesserung.
Ende 2024 lag der nicht durch Vermögenseinlagen gedeckte Verlustanteil noch bei 9.331,68 Euro.
Ende 2025 waren es nur noch 2.987,08 Euro.
Die Differenz beträgt 6.344,60 Euro.
Damit wurde der ungedeckte Verlustanteil innerhalb eines Jahres rechnerisch um rund 68 Prozent reduziert.
Die Gesellschaft befindet sich bilanziell damit nur noch knapp unter der Schwelle zu einem wieder positiven Eigenkapital.
Gleichzeitig 256.362 Euro Jahresüberschuss
Noch bemerkenswerter ist das ausgewiesene Jahresergebnis.
Im Anhang heißt es:
„Der Jahresüberschuss in Höhe von EUR 256.362,41 wird dem variablen Kapital der Kommanditisten entsprechend gutgeschrieben.“
Damit hat die Gesellschaft 2025 einen Gewinn von mehr als einer Viertelmillion Euro erwirtschaftet.
Gemessen an einer Bilanzsumme von lediglich rund 300.500 Euro erscheint dieser Jahresüberschuss zunächst außerordentlich hoch.
Gerade deshalb wäre die vollständige Gewinn- und Verlustrechnung interessant.
Sie liegt in den hier veröffentlichten Angaben jedoch nicht vor.
Wie entstehen 256.000 Euro Gewinn?
Aus dem verkürzten Jahresabschluss lässt sich nicht erkennen, aus welchen konkreten Erträgen der Jahresüberschuss von 256.362 Euro entstanden ist.
Es fehlen insbesondere Angaben zu den Umsatzerlösen.
Ebenso wenig lässt sich erkennen, wie hoch die laufenden Betriebskosten waren, welche sonstigen Erträge entstanden sind und welches operative Ergebnis erzielt wurde.
Auch Angaben über Stromproduktion, erzielte Strompreise oder außergewöhnliche Erträge sind in dem vorliegenden Material nicht enthalten.
Damit bleibt eine der interessantesten Fragen unbeantwortet:
Wie erwirtschaftet eine Gesellschaft mit einer Bilanzsumme von nur rund 300.000 Euro einen Jahresüberschuss von mehr als 256.000 Euro?
Das muss keineswegs ungewöhnlich oder problematisch sein.
Eine Bilanzsumme ist nicht mit Umsatz oder Ertragskraft gleichzusetzen.
Dennoch wäre die Zusammensetzung des Ergebnisses für eine wirtschaftliche Bewertung wesentlich.
Warum bleibt trotz des hohen Gewinns ein Verlustanteil bestehen?
Auf den ersten Blick erscheint zudem erklärungsbedürftig, warum trotz eines Jahresüberschusses von 256.362 Euro weiterhin ein nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil von knapp 3.000 Euro vorhanden ist.
Auch hier ist die Struktur einer Kommanditgesellschaft zu berücksichtigen.
Der Jahresüberschuss wird laut Anhang den variablen Kapitalkonten der Kommanditisten gutgeschrieben.
Gleichzeitig können Entnahmen, Ausschüttungen, frühere Verluste und gesellschaftsvertragliche Regelungen die Entwicklung der Kapitalkonten beeinflussen.
Aus dem Jahresüberschuss allein kann deshalb nicht abgeleitet werden, dass das Eigenkapital zum Jahresende zwingend um denselben Betrag steigen müsste.
Für eine vollständige Erklärung wäre eine Entwicklung der Kapitalkonten einschließlich Gewinnzuweisungen und Entnahmen erforderlich.
Diese ist in den vorliegenden Angaben nicht enthalten.
Bilanzsumme sinkt leicht
Die Bilanzsumme der Windpark Eichede ApS & Co. KG verringerte sich von 304.589,96 Euro auf 300.514,22 Euro.
Das entspricht einem Rückgang von rund 4.076 Euro beziehungsweise 1,3 Prozent.
Die Bilanzgröße blieb damit weitgehend stabil.
Innerhalb der Aktivseite gab es allerdings deutlichere Verschiebungen.
Anlagevermögen unverändert
Das Anlagevermögen wird sowohl für 2024 als auch für 2025 mit exakt 89.626,30 Euro ausgewiesen.
Davon entfallen:
49.626,30 Euro auf Sachanlagen
und
40.000 Euro auf Finanzanlagen.
Dass das Anlagevermögen trotz der im Anhang genannten linearen Abschreibung unverändert bleibt, ist zumindest erklärungsbedürftig.
Denkbar sind verschiedene Ursachen, beispielsweise vollständig abgeschriebene beziehungsweise nicht weiter abzuschreibende Positionen oder gegenläufige Veränderungen.
Aus dem verkürzten Abschluss lässt sich die Ursache nicht erkennen.
Der Anhang verweist für die Entwicklung des Anlagevermögens auf einen separat dargestellten Anlagenspiegel.
Liquide Mittel steigen um mehr als 90 Prozent
Deutlich positiver entwickelte sich das Bankguthaben.
Die liquiden Mittel stiegen von 43.296,93 Euro auf 82.380,20 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs von 39.083,27 Euro beziehungsweise rund 90,3 Prozent.
Damit verfügte die Gesellschaft zum Bilanzstichtag über fast doppelt so hohe liquide Mittel wie ein Jahr zuvor.
Gerade vor dem Hintergrund der buchmäßigen Überschuldung ist diese Entwicklung wichtig.
Denn sie zeigt erneut, warum negatives beziehungsweise fehlendes bilanzielles Eigenkapital nicht mit fehlender Liquidität gleichgesetzt werden darf.
Zum 31. Dezember 2025 waren jedenfalls mehr als 82.000 Euro an liquiden Mitteln ausgewiesen.
Forderungen gehen gleichzeitig zurück
Während die Bankbestände deutlich zunahmen, sanken die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände.
Sie reduzierten sich von 112.969,65 Euro auf 87.210,88 Euro.
Das entspricht einem Rückgang von rund 25.759 Euro beziehungsweise 22,8 Prozent.
In Kombination mit dem gestiegenen Bankguthaben könnte dies unter anderem auf Zahlungseingänge aus zuvor bestehenden Forderungen hindeuten.
Ob dies tatsächlich die Ursache war, lässt sich aus der Bilanz allein jedoch nicht feststellen.
Dafür wäre eine Kapitalflussrechnung beziehungsweise nähere Erläuterung der Forderungsentwicklung erforderlich.
Umlaufvermögen steigt auf knapp 170.000 Euro
Insgesamt erhöhte sich das Umlaufvermögen von 156.267 Euro auf 169.591 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs von rund 8,5 Prozent.
Mehr als die Hälfte davon besteht aus Forderungen und sonstigen Vermögensgegenständen, der übrige Teil im Wesentlichen aus liquiden Mitteln.
Damit verfügt die Gesellschaft auf der Aktivseite über vergleichsweise erhebliche kurzfristig geprägte Vermögenspositionen.
Rechnungsabgrenzungsposten sinkt
Der aktive Rechnungsabgrenzungsposten verringerte sich von 49.365,40 Euro auf 38.309,76 Euro.
Das entspricht einem Rückgang von rund 11.056 Euro beziehungsweise 22,4 Prozent.
Welche konkreten vorausgezahlten Aufwendungen dahinterstehen, wird im vorliegenden Anhang nicht näher erläutert.
Das eigentliche Schwergewicht: 283.000 Euro Rückstellungen
Die auffälligste Position der Passivseite sind nicht die Verbindlichkeiten.
Es sind die Rückstellungen.
Zum Jahresende 2025 weist die Gesellschaft 283.065,55 Euro Rückstellungen aus.
Im Vorjahr waren es 287.469,52 Euro.
Damit gingen sie lediglich um rund 4.404 Euro beziehungsweise 1,5 Prozent zurück.
Gemessen an der gesamten Bilanzsumme von 300.514 Euro entsprechen die Rückstellungen rechnerisch rund 94,2 Prozent der Bilanzsumme.
Das ist eine außergewöhnlich dominante Position.
Wofür wurden 283.000 Euro zurückgestellt?
Genau hier entsteht die wohl wichtigste Frage aus der Bilanz.
Der Anhang erklärt lediglich allgemein:
„In den Rückstellungen wurden alle erkennbaren Risiken und ungewissen Verbindlichkeiten berücksichtigt.“
Eine detaillierte Aufschlüsselung der 283.065,55 Euro wird in den vorliegenden Angaben jedoch nicht geliefert.
Bei Windparkgesellschaften können Rückstellungen beispielsweise für Rückbauverpflichtungen, ausstehende Kosten, Rechts- oder Steuerfragen sowie andere Verpflichtungen gebildet werden.
Welche Sachverhalte bei Windpark Eichede konkret hinter den 283.000 Euro stehen, sollte jedoch nicht spekulativ beantwortet werden.
Der veröffentlichte Text sagt es nicht.
Gerade angesichts der enormen Bedeutung dieser Position wäre eine Erläuterung durch die Geschäftsführung sinnvoll.
Verbindlichkeiten spielen dagegen kaum eine Rolle
Ganz anders sieht es bei den klassischen Verbindlichkeiten aus.
Diese betragen lediglich 17.448,67 Euro.
Im Vorjahr waren es 17.120,44 Euro.
Damit erhöhten sie sich lediglich um rund 328 Euro beziehungsweise 1,9 Prozent.
Sämtliche Verbindlichkeiten haben nach Angaben im Anhang eine Restlaufzeit von bis zu einem Jahr.
Langfristige Verbindlichkeiten werden nicht ausgewiesen.
Keine erkennbaren Bankkredite
Besonders auffällig ist, was in der Bilanz nicht erscheint:
Es gibt keine separat ausgewiesenen Millionenverbindlichkeiten gegenüber Banken, wie sie bei vielen Windpark-Projektgesellschaften üblich sind.
Die gesamten Verbindlichkeiten liegen bei gerade einmal rund 17.449 Euro.
Damit ist Windpark Eichede bilanziell völlig anders finanziert als zahlreiche klassische fremdfinanzierte Windparkgesellschaften.
Die zentrale Passivposition sind nicht Bankdarlehen, sondern Rückstellungen.
Deshalb sind die Rückstellungen entscheidend
Wirtschaftlich macht das einen erheblichen Unterschied.
Verbindlichkeiten stellen grundsätzlich bereits bestehende Verpflichtungen gegenüber Gläubigern dar.
Rückstellungen werden dagegen für Verpflichtungen beziehungsweise Risiken gebildet, deren genaue Höhe oder Fälligkeit noch nicht sicher feststeht.
Wenn mehr als 94 Prozent der Bilanzsumme einer Gesellschaft durch Rückstellungen geprägt werden, ist deren Zusammensetzung für die Beurteilung der Finanzlage besonders wichtig.
Ohne diese Information lässt sich die Passivseite nur eingeschränkt analysieren.
Gewinn entspricht rund 85 Prozent der Bilanzsumme
Eine weitere außergewöhnliche Relation ergibt sich beim Jahresüberschuss.
Der Gewinn von 256.362,41 Euro entspricht rechnerisch rund 85 Prozent der Bilanzsumme zum Jahresende.
Das ist eine sehr hohe Relation.
Sie bedeutet nicht automatisch, dass die Gesellschaft eine Rendite von 85 Prozent erzielt hat.
Bilanzsumme und Gewinn sind dafür keine geeigneten Größen.
Dennoch verdeutlicht der Vergleich, wie groß das Jahresergebnis im Verhältnis zur Größe der ausgewiesenen Bilanz ist.
Gerade deshalb wäre es interessant zu erfahren, ob der Gewinn vollständig aus dem laufenden Betrieb stammt oder ob außergewöhnliche beziehungsweise einmalige Erträge eine Rolle spielten.
Buchmäßige Überschuldung könnte bald verschwinden
Sollte die Gesellschaft auch künftig positive Ergebnisse erzielen und diese im Unternehmen beziehungsweise auf den entsprechenden Kapitalkonten verbleiben, könnte der noch bestehende ungedeckte Verlustanteil von lediglich 2.987 Euro rechnerisch schnell ausgeglichen werden.
Allerdings lässt sich aus einem einzelnen Jahresabschluss keine belastbare Prognose für 2026 ableiten.
Insbesondere ist nicht bekannt, ob 2025 ein außergewöhnlich gutes Jahr war oder ob der Jahresüberschuss von mehr als 256.000 Euro ein dauerhaft erreichbares Niveau darstellt.
Dänische Komplementärin
Auch die gesellschaftsrechtliche Struktur ist bemerkenswert.
Persönlich haftende Gesellschafterin ist die Eichede Komplementar ApS mit Sitz in Roskilde in Dänemark.
Das gezeichnete Kapital der Komplementärin wird mit 25.000 Euro angegeben.
Geschäftsführer ist Rasmus Sielemann Christensen.
Die Windpark Eichede ApS & Co. KG selbst hat ihren Sitz in Flensburg und ist beim Amtsgericht Flensburg unter HRA 10410 FL eingetragen.
Abschluss bereits im März festgestellt
Der verkürzte Jahresabschluss wurde am 20. März 2026 unterzeichnet.
Am selben Tag wurde der Jahresabschluss nach den Angaben im Veröffentlichungstext auch durch die Gesellschafterversammlung festgestellt.
Damit erfolgte die Feststellung weniger als drei Monate nach Ende des Geschäftsjahres.
Welche Fragen offenbleiben
Für eine weitergehende wirtschaftliche Bewertung wären insbesondere vier Punkte von Interesse.
Erstens sollte die Gesellschaft erklären, woraus der ungewöhnlich hohe Jahresüberschuss von 256.362 Euro entstanden ist.
Zweitens wäre zu klären, wie sich die Rückstellungen von 283.066 Euro konkret zusammensetzen.
Drittens wäre die Entwicklung der Kapitalkonten interessant: Trotz des hohen Jahresüberschusses besteht weiterhin ein nicht durch Vermögenseinlagen gedeckter Verlustanteil.
Und viertens stellt sich die Frage nach dem wirtschaftlichen Ausblick für 2026 und der weiteren Entwicklung des Windparks.