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Erst kommen die Gewinne, dann ist das Geld weg: So funktionieren Schneeballsysteme im Internet

Alexandra_Koch (CC0), Pixabay

500 Euro einzahlen, jede Woche Gewinne sehen und nebenbei ein „passives Einkommen“ aufbauen: Im Internet und in sozialen Netzwerken klingen dubiose Geldanlagen oft erstaunlich einfach. Anfangs funktionieren manche Systeme sogar scheinbar hervorragend. Anleger sehen Gewinne oder bekommen kleinere Beträge ausgezahlt. Genau das schafft Vertrauen. Doch wenn hinter den Zahlungen ein Schneeballsystem steckt, kommt irgendwann der Zusammenbruch – und viele Anleger bleiben auf ihren Verlusten sitzen.

Die Nachricht kommt über WhatsApp.

Ein Bekannter erzählt von einer neuen Online-Plattform. Dort könne man sein Geld angeblich automatisch vermehren lassen. Eine spezielle Software investiere in Kryptowährungen und erziele damit regelmäßig hohe Gewinne.

Der Einstieg sei bereits mit 500 Euro möglich.

Auf der Internetseite sieht alles professionell aus: aktuelle Kurse, ein persönliches Kundenkonto, steigende Guthaben und begeisterte Erfahrungsberichte.

Nach wenigen Tagen zeigt das Konto bereits 540 Euro.

Nach einigen Wochen sollen daraus 620 Euro geworden sein.

Das Problem:

Eine Zahl auf einem Bildschirm beweist noch lange nicht, dass dieses Geld tatsächlich existiert.

Ein Beispiel: Aus 500 Euro werden angeblich 1.200 Euro

Nennen wir unseren fiktiven Anleger Thomas.

Thomas entdeckt in einem sozialen Netzwerk Werbung für eine neue Investmentplattform.

Das Versprechen:

„Mit künstlicher Intelligenz und Kryptowährungen zu dauerhaftem passivem Einkommen.“

Er soll zunächst 500 Euro einzahlen.

Thomas ist skeptisch.

Deshalb probiert er es mit dem Mindestbetrag.

Nach einer Woche zeigt sein Onlinekonto bereits einen Gewinn von 45 Euro.

Nach einem Monat stehen dort 680 Euro.

Thomas testet die Auszahlung und lässt sich 100 Euro überweisen.

Das Geld kommt tatsächlich auf seinem Konto an.

Jetzt ist er überzeugt.

Was soll schon unseriös sein, wenn eine Auszahlung funktioniert?

Genau hier kann die Falle zuschnappen

Eine erste erfolgreiche Auszahlung ist kein Beweis für ein seriöses Geschäftsmodell.

Bei einem Schneeballsystem können Auszahlungen gerade dazu dienen, Vertrauen aufzubauen.

Thomas investiert deshalb weitere 2.000 Euro.

Nun meldet sich sein persönlicher „Account Manager“.

Er gratuliert zu den bisherigen Gewinnen und erklärt ihm, wie er noch schneller Geld verdienen könne:

Für jeden neuen Anleger gebe es eine Provision.

Thomas empfiehlt die Plattform zwei Freunden.

Auch sie zahlen Geld ein.

Wenig später zeigt sein Kundenkonto bereits mehr als 4.000 Euro an.

Alles scheint perfekt.

Plötzlich funktioniert die Auszahlung nicht mehr

Einige Monate später möchte Thomas 2.000 Euro abheben.

Doch diesmal erscheint eine Fehlermeldung.

Der Support erklärt ihm, sein Konto müsse zunächst „verifiziert“ werden.

Dafür seien 350 Euro notwendig.

Thomas zahlt.

Danach heißt es plötzlich, wegen internationaler Steuervorschriften müsse eine weitere Gebühr von 700 Euro entrichtet werden.

Auch danach wird das angebliche Guthaben nicht ausgezahlt.

Schließlich ist die Internetseite nicht mehr erreichbar.

Der Ansprechpartner antwortet nicht mehr.

Die WhatsApp-Gruppe ist gelöscht.

Aus den angeblich mehr als 4.000 Euro auf dem Bildschirm wird kein Geld.

Thomas hat tatsächlich mehrere Tausend Euro verloren.

Dieses Beispiel ist erfunden. Es zeigt aber, wie die Mechanismen dubioser Online-Geldanlagen funktionieren können.

Was ist überhaupt ein Schneeballsystem?

Ein Schneeballsystem benötigt ständig neue Teilnehmer und damit neues Geld.

Das System kann nur funktionieren, solange immer weitere Menschen einsteigen.

Neue Teilnehmer zahlen Geld ein.

Mit diesem Geld können beispielsweise Auszahlungen an frühere Teilnehmer finanziert werden.

Dadurch entsteht der Eindruck, das Geschäftsmodell erwirtschafte tatsächlich Gewinne.

In Wirklichkeit kann das Geld jedoch lediglich innerhalb des Systems umverteilt werden.

Die frühen Teilnehmer bekommen Geld.

Die späteren Teilnehmer finanzieren diese Zahlungen.

Warum funktioniert das zunächst so überzeugend?

Genau darin liegt die Gefährlichkeit.

Ein Schneeballsystem muss nicht vom ersten Tag an offensichtlich zusammenbrechen.

Im Gegenteil.

Gerade am Anfang können Teilnehmer tatsächlich Geld erhalten.

Stellen Sie sich vor, jemand zahlt 500 Euro ein und bekommt nach einigen Wochen 100 Euro „Gewinn“ ausgezahlt.

Was erzählt diese Person ihren Freunden?

Wahrscheinlich nicht:

„Ich bin auf ein Schneeballsystem hereingefallen.“

Sondern:

„Es funktioniert. Ich habe mein Geld tatsächlich bekommen.“

Damit wird der Anleger selbst zum Werbeträger.

Warum das System mathematisch scheitern muss

Das Grundproblem ist das notwendige Wachstum.

Nehmen wir ein vereinfachtes Beispiel.

Jeder Teilnehmer muss fünf neue Teilnehmer gewinnen.

Eine Person wirbt fünf Menschen.

Diese fünf müssten zusammen bereits 25 weitere Teilnehmer finden.

Danach wären 125 neue Teilnehmer erforderlich.

Eine Runde später 625.

Dann 3.125.

Dann 15.625.

Nach wenigen weiteren Runden wären Millionen neuer Teilnehmer notwendig.

Das zeigt:

Ein solches Wachstum kann nicht dauerhaft funktionieren.

Irgendwann fehlen neue Geldgeber.

Dann gerät das System ins Stocken.

Die Letzten verlieren meistens

Wer früh in ein Schneeballsystem einsteigt, kann tatsächlich Geld verdienen.

Genau das macht die Masche so überzeugend.

Das Geld stammt aber möglicherweise nicht aus erfolgreichen Investitionen oder einem profitablen Unternehmen, sondern aus den Einzahlungen späterer Teilnehmer.

Wenn nicht mehr genügend neue Anleger dazukommen, fehlt das Geld für weitere Auszahlungen.

Dann können die Betreiber Zahlungen begrenzen, neue Gebühren verlangen oder ganz verschwinden.

Die große Masse der später eingestiegenen Teilnehmer trägt schließlich die Verluste.

„Passives Einkommen“ ist ein beliebtes Versprechen

Besonders häufig werden dubiose Angebote mit einem Wunsch beworben, der für viele Menschen attraktiv klingt:

Geld verdienen, ohne dafür arbeiten zu müssen.

Begriffe wie „passives Einkommen“, „finanzielle Freiheit“ oder „automatisierter Vermögensaufbau“ tauchen deshalb regelmäßig in der Werbung für riskante Geschäftsmodelle auf.

Das allein beweist selbstverständlich noch keinen Betrug.

Problematisch wird es, wenn gleichzeitig außergewöhnlich hohe und scheinbar sichere Gewinne versprochen werden.

Heute läuft die Anwerbung über soziale Netzwerke

Schneeballsysteme benötigen Reichweite.

Soziale Netzwerke und Messenger sind dafür besonders geeignet.

Ein Kontakt kann über Instagram, Facebook, TikTok, Telegram, WhatsApp oder andere Plattformen entstehen.

Teilweise beginnt die Kommunikation völlig harmlos.

Jemand kommentiert einen Beitrag.

Kurz darauf kommt eine private Nachricht:

„Willst du wissen, wie ich damit 500 Euro pro Woche verdiene?“

Anschließend folgt möglicherweise die Einladung in eine geschlossene Gruppe.

Dort präsentieren Teilnehmer Screenshots angeblicher Gewinne, Luxusautos, Reisen oder Kontoauszüge.

Für Außenstehende entsteht der Eindruck:

Alle verdienen Geld – nur ich bin noch nicht dabei.

Auch Dating-Plattformen können zum Einfallstor werden

Besonders perfide wird die Masche, wenn zunächst eine persönliche oder romantische Beziehung aufgebaut wird.

Die Verbraucherzentralen berichten von Fällen, bei denen Kontakte über Dating-Plattformen später zu angeblichen Investments führen sollten.

Der Gesprächspartner erzählt beispielsweise von erfolgreichen Geschäften mit Kryptowährungen, digitalem Gold oder einer exklusiven Handelsplattform.

Nach Wochen intensiver Kommunikation entsteht Vertrauen.

Erst danach kommt die Geldanlage ins Gespräch.

Die psychologische Wirkung ist erheblich:

Das Investment wird nicht von einem unbekannten Werbeanbieter empfohlen, sondern von einer Person, zu der bereits Vertrauen entstanden ist.

„Mein Freund hat schon Geld bekommen“ beweist nichts

Dieses Argument hört man bei zweifelhaften Geldanlagen besonders häufig.

Doch gerade bei einem Schneeballsystem können frühe Auszahlungen Teil des Geschäftsmodells sein.

Dass ein Freund 500 Euro eingezahlt und später 600 Euro zurückbekommen hat, beweist deshalb nicht, dass die zugrunde liegende Geldanlage funktioniert.

Entscheidend ist vielmehr:

Woher kommen die angeblichen Gewinne tatsächlich?

Gibt es ein nachvollziehbares Geschäftsmodell?

Wer erwirtschaftet die Rendite?

Welche Risiken bestehen?

Wer steht rechtlich hinter dem Angebot?

Und gibt es überprüfbare Geschäftszahlen?

Bleiben diese Fragen unbeantwortet, sollte kein Geld fließen.

Alarmzeichen: Neue Teilnehmer bringen zusätzliches Geld

Besonders kritisch wird es, wenn das eigentliche Produkt immer unwichtiger wird und die Anwerbung neuer Mitglieder in den Mittelpunkt rückt.

Beispielsweise heißt es:

„Wenn du drei Freunde mitbringst, bekommst du 300 Euro.“

Oder:

„Baue dein eigenes Team auf und verdiene an jeder Einzahlung.“

Ein Empfehlungsprogramm allein macht ein Unternehmen noch nicht zu einem Schneeballsystem.

Wenn die Einnahmen aber im Wesentlichen davon abhängen, ständig neue zahlende Teilnehmer zu gewinnen, ist höchste Vorsicht geboten.

Kleine Einstiegssummen senken die Hemmschwelle

Auch der vermeintlich niedrige Einstiegspreis ist psychologisch geschickt.

250 oder 500 Euro erscheinen vielen Menschen als überschaubares Risiko.

Nach den ersten angeblichen Erfolgen folgt dann die nächste Stufe.

Der persönliche Betreuer erklärt beispielsweise:

„Mit 5.000 Euro könnten Sie viel schneller verdienen.“

Wer bereits kleinere Gewinne gesehen oder sogar eine erste Auszahlung erhalten hat, ist jetzt eher bereit, größere Summen zu investieren.

So kann aus einem anfänglichen Testbetrag ein erheblicher finanzieller Schaden werden.

Noch einmal zahlen, um an das eigene Geld zu kommen?

Hier sollten sämtliche Alarmglocken schrillen.

Ein Anleger möchte sein Guthaben auszahlen lassen.

Plötzlich wird eine zusätzliche Zahlung verlangt.

Die Begründungen können unterschiedlich sein:

angebliche Steuern, Freischaltgebühren, Versicherungen, Geldwäscheprüfungen, Verifizierungsgebühren oder Provisionen.

Der Betroffene denkt:

„Wenn ich jetzt noch 500 Euro zahle, bekomme ich endlich meine 10.000 Euro.“

Also zahlt er erneut.

Danach folgt möglicherweise die nächste Forderung.

Wer in einer solchen Situation steckt, sollte nicht immer weiteres Geld hinterherschicken, nur weil dadurch eine große Auszahlung versprochen wird.

Eine Zahl im Onlinekonto ist noch kein Vermögen

Dieser Punkt wird häufig unterschätzt.

Eine betrügerische Plattform kann theoretisch nahezu jeden Kontostand anzeigen.

Aus 1.000 Euro können auf dem Bildschirm 1.500 Euro werden.

Eine Woche später 2.300 Euro.

Diese Zahlen besitzen aber nur dann einen realen Wert, wenn dahinter tatsächlich vorhandenes Vermögen steht und dieses entsprechend den Vertragsbedingungen ausgezahlt werden kann.

Ein steigender Kontostand auf einer Internetseite ist deshalb allein kein Beweis für erfolgreiche Investments.

Schneeballsysteme sind in Deutschland verboten

Aufbau und Betrieb bestimmter progressiver Kundenwerbungssysteme sind in Deutschland gesetzlich verboten.

Doch das hilft einem geschädigten Anleger nicht automatisch dabei, sein Geld zurückzubekommen.

Die Verantwortlichen können im Ausland sitzen.

Unternehmen können zahlungsunfähig werden.

Konten können geleert sein.

Oder die tatsächlichen Betreiber lassen sich nur schwer ermitteln.

Deshalb ist Vorbeugung besonders wichtig.

Diese Warnzeichen sollten Anleger ernst nehmen

Besonders vorsichtig sollten Verbraucher bei einer Kombination mehrerer Auffälligkeiten sein:

  • ungewöhnlich hohe oder angeblich garantierte Renditen, obwohl das Risiko heruntergespielt wird,
  • ein Geschäftsmodell, das kaum nachvollziehbar erklärt wird,
  • starke Belohnungen für die Anwerbung neuer Teilnehmer,
  • Kontaktaufnahme hauptsächlich über soziale Netzwerke oder Messenger,
  • Zeitdruck und angeblich nur kurzfristig verfügbare Chancen,
  • immer neue Nachzahlungen, bevor eine Auszahlung erfolgen soll,
  • unklare Verantwortliche, Firmenanschriften oder Vertragspartner,
  • angebliche Gewinne, die lediglich innerhalb eines Onlinekontos angezeigt werden.

Keines dieser Merkmale allein beweist zwingend ein Schneeballsystem. Mehrere Warnzeichen zusammen sollten jedoch Anlass sein, die Finger von dem Angebot zu lassen.

Was tun, wenn bereits Geld überwiesen wurde?

Wer Zweifel an einer Geldanlage bekommt, sollte nicht aus Scham schweigen.

Vor allem sollte nicht automatisch weiteres Geld überwiesen werden, nur weil angebliche Gebühren oder Steuern verlangt werden.

Betroffene sollten sämtliche Beweise sichern: Verträge, E-Mails, Chatverläufe, Telefonnummern, Namen, Internetadressen, Screenshots und Zahlungsnachweise.

Auch Bankverbindungen und Empfängerdaten können später wichtig sein.

Je nach Zahlungsart sollte außerdem möglichst schnell die eigene Bank beziehungsweise der Zahlungsdienstleister kontaktiert werden, um zu klären, ob noch Handlungsmöglichkeiten bestehen.

Bei einem konkreten Betrugsverdacht kommt zudem eine Strafanzeige in Betracht.

Vorsicht vor der zweiten Falle

Wer bereits Geld verloren hat, kann anschließend erneut zum Ziel werden.

Dann melden sich vermeintliche Rechtsanwälte, Ermittler, Behörden oder sogenannte Recovery-Dienste.

Sie behaupten beispielsweise:

„Wir haben Ihr verlorenes Geld gefunden.“

Für die Auszahlung müsse lediglich vorab eine Gebühr gezahlt werden.

Auch hier gilt:

Nicht allein deshalb zahlen, weil jemand verspricht, verlorenes Geld zurückholen zu können.

Gerade Geschädigte können für weitere Betrugsversuche besonders interessant sein.

 

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