Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Zölkow GmbH & Co. KG zeigt aus Anlegersicht zunächst ein ausgesprochen profitables Bild. Der Jahresüberschuss steigt auf 2,226 Mio. Euro, nach 2,174 Mio. Euro im Vorjahr. Gleichzeitig legten die Umsatzerlöse deutlich von 2,797 Mio. auf 3,415 Mio. Euro zu – ein Plus von rund 22 Prozent. Die Erlöse stammen ausschließlich aus der Einspeisung von Strom.
Bemerkenswert ist dabei die hohe rechnerische Ertragskraft: Das Ergebnis vor Steuern erreicht 2,363 Mio. Euro und entspricht damit rund 69 Prozent der ausgewiesenen Umsatzerlöse. Allerdings sollte diese Kennzahl nicht mit einer klassischen operativen Marge gleichgesetzt werden. Zum Ergebnis tragen auch 302.000 Euro Zinserträge bei, davon rund 282.000 Euro aus verbundenen Unternehmen.
Positiv fällt die Entwicklung auf der Kostenseite aus. Die Aufwendungen für bezogene Leistungen gingen von 1,332 Mio. auf 1,063 Mio. Euro zurück. Dahinter stehen 2025 insbesondere 814.000 Euro Wartung, 157.000 Euro Dienstleistungsentgelt für die Einspeisung und 90.000 Euro Betriebsführung. Allerdings ist der Vorjahresvergleich etwas verzerrt, da 2024 noch periodenfremde Aufwendungen von 198.000 Euro enthalten waren. Gleichzeitig stiegen die sonstigen betrieblichen Aufwendungen von rund 375.000 auf 628.000 Euro deutlich an; allein die Pachten beliefen sich auf 203.000 Euro.
Hoher Gewinn fließt an die Gesellschafterin
Für Anleger besonders interessant ist die Ergebnisverwendung. Mit dem Jahresüberschuss wurde zunächst der Verlustvortrag von rund 79.000 Euro ausgeglichen. Der verbleibende Betrag von rund 2,147 Mio. Euro wurde dem Privatkonto der Gesellschafterin gutgeschrieben. Wirtschaftlich wird damit praktisch der gesamte verbleibende Jahresgewinn der Gesellschafterebene zugeordnet, anstatt zusätzlich Eigenkapital in der Gesellschaft aufzubauen.
Das ist nicht automatisch negativ: Bei einem etablierten Windpark kann gerade die laufende Rückführung erwirtschafteter Mittel Teil des wirtschaftlichen Konzepts sein. Für die Beurteilung ist aber entscheidend, wie nachhaltig diese Erträge sind und welcher Investitions- beziehungsweise Rückbaubedarf noch bevorsteht.
Auffällige Bilanzstruktur: 14,2 Millionen Euro im Konzern-Cash-Pooling
Die Bilanz verdient deshalb einen genaueren Blick. Das Eigenkapital beträgt solide 14,174 Mio. Euro bei einer Bilanzsumme von 17,834 Mio. Euro. Gleichzeitig bestehen Forderungen gegen verbundene Unternehmen von 14,172 Mio. Euro. Laut Anhang handelt es sich dabei ausschließlich um Forderungen gegen die Gesellschafterin aus dem Cash-Pooling. Weitere 1,668 Mio. Euro liegen als Bankguthaben vor.
Damit befindet sich ein sehr großer Teil des bilanziellen Vermögens wirtschaftlich nicht mehr in Windkraftanlagen, sondern in Forderungen innerhalb des Konzerns. Das ist ein zentraler Punkt für die Risikobeurteilung: Die Werthaltigkeit eines erheblichen Teils der Aktivseite hängt damit auch von der Zahlungsfähigkeit der Gesellschafterin beziehungsweise der Funktionsfähigkeit des konzerninternen Cash-Poolings ab.
Windkraftanlagen vollständig abgeschrieben
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt steckt im Anlagenspiegel. Die technischen Anlagen und Maschinen hatten ursprüngliche Anschaffungs- und Herstellungskosten von 47,295 Mio. Euro, sind inzwischen jedoch vollständig abgeschrieben und stehen mit 0 Euro Buchwert in der Bilanz. Im Jahr 2025 fiel entsprechend keine weitere Abschreibung an.
Das erklärt einen erheblichen Teil der hohen bilanziellen Profitabilität. Ein vollständig abgeschriebener Windpark kann weiterhin beträchtliche Cashflows erwirtschaften, ohne dass die Gewinn- und Verlustrechnung noch durch planmäßige Abschreibungen auf die ursprüngliche Investition belastet wird.
Für Anleger ist das zweischneidig: Einerseits kann ein abgeschriebener, weiterhin zuverlässig produzierender Windpark eine ausgesprochen attraktive Ertragsphase erreichen. Andererseits gewinnen mit zunehmendem Anlagenalter Fragen nach Restnutzungsdauer, technischem Zustand, größeren Reparaturen, Weiterbetrieb oder Repowering und Rückbaukosten an Bedeutung. Aus dem vorliegenden Abschluss lässt sich die verbleibende technische und wirtschaftliche Nutzungsdauer nicht bestimmen.
Für Rückbauverpflichtungen bestehen Rückstellungen. Die sonstigen Rückstellungen betragen insgesamt rund 1,321 Mio. Euro und betreffen hauptsächlich Rückbauverpflichtungen, ausstehende Rechnungen und Prüfungskosten. Wie hoch allein die Rückbaurückstellung ist, wird im veröffentlichten Abschluss allerdings nicht separat ausgewiesen.
Ein starkes Ergebnis – mit einem wichtigen Vorbehalt
Unter dem Strich präsentiert sich Windpark Zölkow 2025 ertragsstark und weitgehend frei von klassischer Bankverschuldung. Die Umsätze steigen, der Jahresüberschuss übertrifft 2,2 Mio. Euro und die Bilanz weist ein hohes Eigenkapital aus. Die ausgewiesenen Verbindlichkeiten von rund 2,17 Mio. Euro bestehen zudem fast vollständig gegenüber verbundenen Unternehmen; rund 2,147 Mio. Euro davon resultieren aus dem Privatkonto der Gesellschafterin.
Aus Anlegersicht sollte man sich von der außergewöhnlich hohen bilanziellen Profitabilität dennoch nicht zu weitreichenden Schlussfolgerungen verleiten lassen. Der Windpark ist vollständig abgeschrieben, während inzwischen rund 14,2 Mio. Euro als Forderung im konzerninternen Cash-Pooling stehen. Entscheidend für den wirtschaftlichen Wert sind deshalb weniger die historischen Anschaffungskosten als die Frage, wie viele profitable Betriebsjahre den Anlagen noch verbleiben, welche Strommengen und Erlöse künftig erreichbar sind und welche Kosten für Instandhaltung, Weiterbetrieb oder Rückbau noch entstehen.
Fazit: 2025 liefert starke Zahlen: 3,4 Mio. Euro Umsatz und mehr als 2,2 Mio. Euro Jahresüberschuss sprechen für eine derzeit hohe Ertragskraft. Gleichzeitig befindet sich der Windpark bilanziell in einer reifen Phase: Die ursprünglich fast 47,3 Mio. Euro teuren Anlagen sind vollständig abgeschrieben und ein großer Teil des aufgebauten Vermögens steckt mittlerweile im konzerninternen Cash-Pooling. Für eine Anlegerbewertung wäre daher vor allem die noch verbleibende wirtschaftliche Lebensdauer der Anlagen entscheidend – genau dazu liefert der Jahresabschluss keine ausreichende Antwort.