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Volksbank BRAWO in der Krise: Wie entstand das 600-Millionen-Euro-Loch?

PaliGraficas (CC0), Pixabay

Die Dimension ist außergewöhnlich: Bei der Volksbank BRAWO würde das vorläufige Ergebnis für 2025 nach den vorgenommenen Abwertungen bei minus 608,1 Millionen Euro liegen.

Der NDR spricht von einem Minus von rund 600 Millionen Euro und verweist dabei unter anderem auf problematische Immobiliengeschäfte.

Dabei geht es offenbar nicht um einen einzelnen missglückten Deal. Belastungen entstanden nach Angaben der Bank durch erhebliche negative Bewertungseffekte bei Krediten, Wertpapieren, Beteiligungen und Immobilien.

Warum Immobilien für die BRAWO zum Problem wurden

Viele Verbraucher kennen eine Volksbank vor allem als klassisches Kreditinstitut: Girokonten, Baufinanzierungen, Kredite, Geldanlagen und Beratung.

Die BRAWO hatte ihr Geschäft jedoch deutlich breiter aufgestellt.

Gerade die sogenannten bankfernen Geschäftsfelder entwickelten sich nun zu einer erheblichen Belastung. Immobilien und Beteiligungen mussten neu bewertet werden. Sinkt der angenommene Wert solcher Vermögenspositionen deutlich, muss sich das in der Bilanz niederschlagen – auch wenn eine Immobilie nicht unmittelbar verkauft wird.

Das kann innerhalb kurzer Zeit enorme Ergebnisbelastungen erzeugen.

Mehr als 608 Millionen Euro Minus

Die Zahl macht deutlich, wie ernst die Situation ist.

Nach den Abwertungen hätte die BRAWO für 2025 vorläufig ein Ergebnis von minus 608,1 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Bank konnte jedoch auf Reserven und Unterstützung aus dem genossenschaftlichen Verbund zurückgreifen. Unter anderem wurde ein Fonds für allgemeine Bankrisiken in Höhe von 136 Millionen Euro aufgelöst. Zusätzlich kommen Stützungsmaßnahmen des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken zum Einsatz.

Durch Garantien sollen bestehende Risiken abgeschirmt werden. Dadurch kann nach Angaben der Bank letztlich ein ausgeglichenes Jahresergebnis ausgewiesen werden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die wirtschaftlichen Probleme damit in Luft aufgelöst haben.

Was bedeutet „Rettung“ überhaupt?

Der Begriff kann schnell den Eindruck vermitteln, der Staat müsse mit Steuergeld einspringen.

Nach den derzeit vorliegenden Informationen handelt es sich hier jedoch um Stützungsmaßnahmen innerhalb des genossenschaftlichen Bankensektors.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Volksbanken und Raiffeisenbanken verfügen über ein gemeinsames Sicherungssystem. Ziel solcher Strukturen ist es unter anderem, angeschlagene Mitgliedsinstitute zu stabilisieren und Schwierigkeiten möglichst aufzufangen, bevor daraus größere Probleme entstehen.

Für die BRAWO bedeutet das: Risiken können abgesichert werden, während die Bank gleichzeitig ihr Geschäftsmodell umbaut.

Wie konnte das Risiko so groß werden?

Genau diese Frage dürfte die weitere Aufarbeitung bestimmen.

Denn ein Verlustpotenzial von mehr als 600 Millionen Euro entsteht nicht durch das normale Tagesgeschäft einer einzelnen Bankfiliale.

Entscheidend ist vielmehr die Entwicklung des gesamten Portfolios aus Krediten, Immobilien, Wertpapieren und Unternehmensbeteiligungen.

Wenn sich wirtschaftliche Erwartungen verschlechtern und Vermögenswerte deshalb niedriger bewertet werden müssen, entstehen bilanzielle Belastungen.

Besonders problematisch wird das, wenn mehrere Risikopositionen gleichzeitig betroffen sind.

Bei der BRAWO kamen nach den bislang veröffentlichten Angaben erhebliche negative Bewertungseffekte in mehreren Bereichen zusammen.

Bank zieht Konsequenzen

Die bisherige Strategie soll nun grundsätzlich überarbeitet werden.

Die BRAWO will sich künftig wieder stärker auf das eigentliche Bankgeschäft konzentrieren. Die hohen Belastungen in den bankfernen Geschäftsfeldern sollen reduziert werden.

Insbesondere der Abbau des Beteiligungs- und Immobilienportfolios dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen.

Die Restrukturierung wird allerdings nicht kurzfristig abgeschlossen sein. Nach Angaben des Interims-Vorstands wird die Aufarbeitung die Bank auch 2026 und darüber hinaus beschäftigen.

Auch an der Spitze gab es Veränderungen

Die Krise hat zudem personelle Folgen.

Bereits im Mai 2026 wurde der damalige Vorstandsvorsitzende Jürgen Brinkmann mit sofortiger Wirkung freigestellt. Gleichzeitig kündigte die Bank an, ihre bisherige Geschäftsstrategie kritisch zu überprüfen.

Im August wurde schließlich beschlossen, Jürgen Wache zum künftigen Vorstandsvorsitzenden zu bestellen.

Damit soll offenbar nicht nur die Bilanz bereinigt, sondern auch die strategische Ausrichtung der Bank verändert werden.

Müssen Kunden jetzt um ihr Geld fürchten?

Aus dem Verlust von mehr als 600 Millionen Euro folgt nicht automatisch, dass Kundeneinlagen verloren sind.

Gerade die nun erfolgenden Stützungsmaßnahmen sollen die Stabilität des Instituts sichern. Nach Angaben der Bank werden durch Garantien bestehende Risiken abgeschirmt.

Für Kunden ist deshalb entscheidend, zwischen einem enormen bilanziellen Verlustpotenzial und einer Zahlungsunfähigkeit zu unterscheiden.

Die BRAWO soll gerade durch Reserven, Garantien und weitere Stützungsmaßnahmen stabilisiert werden.

Der Fall wirft dennoch unangenehme Fragen auf

Die eigentliche Aufarbeitung beginnt damit erst.

Denn bei einem Minus dieser Größenordnung geht es nicht nur darum, wie die Bank gerettet beziehungsweise stabilisiert wird. Es geht ebenso um die Frage, wie sich bei einer Genossenschaftsbank Risiken in dieser Größenordnung aufbauen konnten.

Wie stark waren Immobilien und Beteiligungen im Verhältnis zum klassischen Bankgeschäft gewichtet? Wann wurden die Risiken erkannt? Welche Bewertungen mussten korrigiert werden? Und welche Kontrollmechanismen griffen – oder griffen möglicherweise zu spät?

Die bisher bekannten Informationen beantworten diese Fragen noch nicht vollständig.

Fest steht dagegen: Die Volksbank BRAWO will Konsequenzen ziehen und sich wieder stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Das 600-Millionen-Euro-Loch könnte damit das Ende einer Strategie markieren, bei der die Volksbank weit über das traditionelle Bankgeschäft hinausgewachsen war.

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