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Venedig denkt über 30-Euro-Eintritt nach: Tagesausflug könnte ab 2027 deutlich teurer werden

6689062 (CC0), Pixabay

Ein Tagesausflug nach Venedig könnte künftig erheblich teurer werden. Nach drei Jahren mit einer zunächst experimentellen Zugangsgebühr diskutiert die italienische Lagunenstadt darüber, von Tagestouristen ab 2027 möglicherweise rund 30 Euro Eintritt zu verlangen.

Das wäre eine deutliche Verschärfung gegenüber dem bisherigen Modell.

2026 mussten Tagesbesucher an bestimmten stark frequentierten Tagen entweder fünf oder zehn Euro bezahlen. Wer rechtzeitig im Voraus buchte, zahlte fünf Euro, bei einer kurzfristigeren Anmeldung wurden zehn Euro fällig.

Doch nach Ansicht des für Haushalt und Steuern zuständigen Stadtrats Michele Zuin entfalten solche Beträge inzwischen kaum noch eine abschreckende Wirkung.

Sein Argument: Fünf oder zehn Euro seien mittlerweile für nahezu jeden Besucher erschwinglich.

Eine Gebühr von rund 30 Euro könnte dagegen dazu führen, dass Touristen insbesondere an besonders stark frequentierten Tagen überlegen, ob sie ihren Besuch auf einen anderen Termin verschieben.

30 Euro sind noch nicht beschlossen

Für Reisende ist allerdings eine wichtige Einschränkung entscheidend:

Eine Zugangsgebühr von 30 Euro für 2027 ist bislang keine beschlossene Regelung.

Nach dem Ende der Testphase 2026 erklärt die Stadt Venedig auf ihrer offiziellen Informationsplattform ausdrücklich, dass über eine mögliche Anwendung der Zugangsgebühr in den Jahren nach 2026 erst die zuständigen kommunalen Gremien entscheiden müssen.

Seit dem 27. Juli 2026 wird derzeit überhaupt keine Zugangsgebühr erhoben.

Wer Venedig aktuell besucht, muss deshalb weder bezahlen noch eine Befreiung beantragen.

Die Diskussion über 30 Euro betrifft eine mögliche Neuregelung ab 2027.

Von fünf auf möglicherweise 30 Euro

Sollte sich der diskutierte Betrag durchsetzen, wäre der Preissprung erheblich.

2026 galten zwei Preisstufen:

Bei frühzeitiger Anmeldung kostete der Zugang fünf Euro.

Bei kurzfristiger Buchung waren zehn Euro fällig.

Eine Gebühr von 30 Euro wäre damit sechsmal so hoch wie der günstigste bisherige Tarif und dreimal so hoch wie der kurzfristige Tarif.

Für eine vierköpfige Familie könnten dadurch theoretisch 120 Euro allein für den Zugang zur historischen Altstadt anfallen – vorausgesetzt, eine künftige Regelung würde tatsächlich 30 Euro pro zahlungspflichtiger Person verlangen und für alle vier Familienmitglieder gelten.

Gerade deshalb werden die Details einer möglichen Neuregelung entscheidend sein.

Venedig will Besucher nicht in erster Linie zur Kasse bitten

Nach Darstellung Zuins steht hinter den Überlegungen nicht primär das Ziel, zusätzliche Einnahmen für den Stadthaushalt zu erzielen.

Die Gebühr soll vielmehr ein Instrument zur Steuerung der Besucherströme werden.

Venedig kämpft seit Jahren mit einem strukturellen Problem: An einzelnen Tagen kommen enorme Mengen an Tagesgästen in die historische Altstadt.

Diese Besucher nutzen Straßen, Plätze, öffentliche Verkehrsmittel und Infrastruktur, übernachten aber nicht unbedingt in der Stadt.

Mit einem höheren Preis könnte Venedig versuchen, einen Teil dieser Nachfrage zeitlich zu verlagern.

Besonders deutlich wird das am Beispiel des 1. Mai.

Wenn ein Besucher weiß, dass ein Tagesausflug an diesem stark nachgefragten Termin 30 Euro zusätzlich kostet, könnte er sich möglicherweise für einen weniger stark frequentierten Tag entscheiden.

Ob ein Preis von 30 Euro tatsächlich eine solche Lenkungswirkung entfalten würde, ist allerdings noch offen.

Das bisherige Modell war noch ein Experiment

Die Zugangsgebühr wurde bislang ausdrücklich als Versuch betrieben.

2026 galt sie an insgesamt 60 nicht aufeinanderfolgenden Tagen zwischen dem 3. April und dem 26. Juli.

Betroffen waren hauptsächlich Wochenenden, Feiertage und andere erwartbar stark frequentierte Termine.

Die Gebühr galt jeweils zwischen 8.30 und 16.00 Uhr.

Damit sollten vor allem klassische Tagesbesucher erfasst werden.

Seit dem 27. Juli ist die Testphase für 2026 offiziell beendet. Derzeit gibt es deshalb keine Zahlungspflicht.

2027 könnte das System dauerhaft werden

Nun steht eine grundsätzlichere Entscheidung an.

Nach drei Versuchsjahren soll geprüft werden, ob aus dem bisherigen Experiment eine dauerhaftere Regelung wird.

Damit könnte sich nicht nur der Preis verändern.

Auch die Zahl der gebührenpflichtigen Tage könnte steigen.

Bislang konzentrierte sich das System vor allem auf die Monate April bis Juli.

Nach den aktuellen Überlegungen könnten künftig auch März und September einbezogen werden.

Das würde die Zahl der Tage erhöhen, an denen Tagesgäste mit zusätzlichen Kosten rechnen müssten.

Auch hierzu ist jedoch noch keine endgültige Entscheidung gefallen.

Hotelgäste waren bislang ausgenommen

Für Urlauber ist außerdem wichtig, zwischen Tagesgästen und Übernachtungsgästen zu unterscheiden.

Beim bisherigen System mussten Gäste, die in einer Beherbergungseinrichtung innerhalb der Gemeinde Venedig übernachteten, die Zugangsgebühr nicht bezahlen.

Sie mussten allerdings nach den vorgesehenen Verfahren ihre Befreiung nachweisen.

Der Grund liegt auch darin, dass Übernachtungsgäste bereits über andere touristische Abgaben erfasst werden.

Ob sämtliche bisherigen Befreiungsregelungen bei einem neuen System ab 2027 unverändert bleiben, hängt von der noch ausstehenden konkreten Ausgestaltung ab.

Auch viele andere Personen waren bislang befreit

Die Zugangsgebühr ist deshalb nicht mit einem allgemeinen „Eintrittspreis für Venedig“ gleichzusetzen.

Das bisherige System kennt verschiedene Ausnahmen und Befreiungen.

Auch bestimmte Einwohner, Beschäftigte, Studierende und weitere Personengruppen werden unter bestimmten Voraussetzungen anders behandelt beziehungsweise sind nicht zahlungspflichtig.

Hinzu kommt eine geografische Besonderheit.

2026 galt die Gebühr für den Zugang zur historischen Altstadt Venedigs, nicht aber entsprechend für zahlreiche kleinere Inseln der Lagune.

Dazu gehörten unter anderem Murano, Burano, Torcello, Lido und Pellestrina.

Das eigentliche Ziel ist Verhaltensänderung

Die Überlegung hinter einer möglichen 30-Euro-Gebühr lässt sich ökonomisch relativ einfach erklären.

Eine Gebühr von fünf Euro wird von vielen Menschen bei den Gesamtkosten einer Venedig-Reise kaum wahrgenommen.

Wer bereits Geld für Bahn, Flugzeug, Auto, Parken oder Unterkunft ausgegeben hat, wird einen geplanten Besuch vermutlich nicht wegen weiterer fünf Euro absagen.

Bei 30 Euro könnte die Rechnung anders aussehen.

Gerade Familien und Reisegruppen würden den Betrag deutlicher spüren.

Eine Familie mit zwei zahlungspflichtigen Erwachsenen und zwei ebenfalls zahlungspflichtigen Kindern beziehungsweise Jugendlichen würde bei einem hypothetischen Einheitspreis von 30 Euro bereits 120 Euro zusätzlich bezahlen.

Damit könnte die Gebühr tatsächlich eine Lenkungswirkung entwickeln – gleichzeitig würde sie aber die Frage aufwerfen, ob der Zugang zur historischen Stadt zunehmend vom verfügbaren Reisebudget abhängt.

Erfolg der bisherigen Gebühr muss differenziert bewertet werden

Schon das bisherige Modell hatte zwei unterschiedliche Funktionen.

Einerseits sollte die Stadt Daten darüber sammeln, wann und in welchem Umfang Tagesgäste kommen.

Andererseits sollte die frühzeitige Buchung gefördert und ungeplanter Massentourismus an besonders stark frequentierten Tagen reduziert werden.

2026 führte Venedig deshalb erstmals die zwei Preisstufen von fünf und zehn Euro ein.

Die Stadt bezeichnete das Instrument weiterhin ausdrücklich als experimentell und wollte weitere Erfahrungen sammeln, bevor über eine dauerhafte Anwendung entschieden wird.

Eine Erhöhung auf rund 30 Euro wäre daher keine bloße Preisanpassung, sondern würde den Charakter des Systems verändern: Aus einer vergleichsweise kleinen Registrierungs- und Steuerungsabgabe könnte ein Betrag werden, der tatsächlich Einfluss auf die Reiseentscheidung nimmt.

Auch die Hotellerie hat eigene Interessen

Interessant ist zudem, dass nach der aktuellen Berichterstattung auch Vertreter der Hotellerie eine zeitliche Ausweitung der Regelung angeregt haben sollen.

Das ist wirtschaftlich nachvollziehbar.

Eine Zugangsgebühr betrifft vor allem Tagesbesucher, während Übernachtungsgäste bislang von der Zahlung ausgenommen waren.

Ein System, das Tagesausflüge verteuert, könnte theoretisch einen zusätzlichen Anreiz schaffen, in Venedig zu übernachten.

Ob dies tatsächlich zu mehr Übernachtungen führt oder Besucher stattdessen ganz auf einen Besuch verzichten beziehungsweise auf andere Reiseziele ausweichen, lässt sich bislang nicht zuverlässig vorhersagen.

Für 2027 bleibt noch vieles offen

Vor einer Reiseplanung für 2027 sollte deshalb nicht mit einem festen Eintrittspreis von 30 Euro kalkuliert werden.

Derzeit handelt es sich um eine politische beziehungsweise kommunale Diskussion.

Offen sind insbesondere die endgültige Höhe der Gebühr, die konkreten Tage, die Zeiträume, mögliche unterschiedliche Preisstufen und die künftigen Befreiungsregeln.

Die offizielle Informationsseite der Stadt stellt ausdrücklich klar, dass die zuständigen Organe über eine Fortsetzung nach 2026 erst noch entscheiden müssen.

Aus einem Experiment könnte ein echtes Steuerungsinstrument werden

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob Venedig künftig 30 Euro verlangt.

Viel wichtiger ist, welche Funktion die Gebühr künftig erfüllen soll.

Bei fünf Euro konnte man das System noch als vergleichsweise niedrige Zugangsabgabe mit Registrierungs- und Steuerungsfunktion betrachten.

Bei 30 Euro würde daraus für viele Besucher ein spürbarer Kostenfaktor.

Genau das scheint hinter den Überlegungen zu stehen: Die Gebühr soll hoch genug werden, damit Touristen ihre Reiseentscheidung tatsächlich überdenken und stark belastete Tage möglichst meiden.

Ob Venedig diesen Schritt ab 2027 tatsächlich geht, ist noch nicht entschieden.

Fest steht bislang nur: Die Testphase 2026 ist beendet, aktuell wird keine Zugangsgebühr erhoben – und über die Regeln für 2027 muss Venedig erst noch entscheiden.

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