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Woche der Wiederbelebung: Im Ernstfall zählt jede Minute – so können Laien Leben retten

AndrzejRembowski (CC0), Pixabay

Plötzlich bricht ein Mensch zusammen, reagiert nicht mehr und atmet nicht normal. Viele Menschen dürften in einer solchen Situation zunächst unsicher sein: Was muss ich tun? Kann ich bei einer Herzdruckmassage etwas falsch machen? Und was passiert, wenn ich dabei eine Rippe verletze?

Genau mit diesen Ängsten und Unsicherheiten beschäftigt sich die diesjährige „Woche der Wiederbelebung“. Das Schleswig-Holstein Magazin des NDR hat das Thema aufgegriffen. Reporterin Antonia Ross stellt sich dabei einem Selbsttest: Würde sie es schaffen, in einer realen Notfallsituation richtig zu reagieren und möglicherweise ein Menschenleben zu retten?

Die wichtigste Botschaft ist einfach: Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sollte nicht auf den Rettungsdienst gewartet werden, ohne selbst tätig zu werden. Eine sofort begonnene Herzdruckmassage kann entscheidend sein.

Rund 4.100 Herz-Kreislauf-Stillstände in Schleswig-Holstein

Wie relevant das Thema ist, zeigen Zahlen aus Schleswig-Holstein.

Nach Angaben von Professor Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, erleiden im Land jährlich etwa 4.100 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand.

Ungefähr jeder Zweite erhält bereits Erste Hilfe, bevor der professionelle Rettungsdienst eintrifft.

Die Quote ist in den vergangenen zehn Jahren zwar deutlich gestiegen. Nach Ansicht der Fachleute besteht aber weiterhin erhebliches Potenzial.

Drei Schritte können entscheidend sein

Für Laien lässt sich das Vorgehen bei einem vermuteten Herz-Kreislauf-Stillstand auf eine einfache Regel reduzieren:

Prüfen – Rufen – Drücken.

Zunächst wird geprüft, ob die betroffene Person reagiert und normal atmet.

Reagiert sie nicht und ist keine normale Atmung vorhanden, muss unverzüglich der Notruf 112 gewählt werden.

Danach sollte sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden.

So funktioniert die Herzdruckmassage

Die bewusstlose Person wird auf den Rücken gelegt. Die helfende Person kniet daneben und setzt den Handballen auf die Mitte des Brustkorbs. Die zweite Hand wird darübergelegt.

Mit gestreckten Armen wird der Brustkorb anschließend kräftig und regelmäßig nach unten gedrückt.

Der NDR nennt für Erwachsene eine Drucktiefe von etwa fünf bis sechs Zentimetern und eine Geschwindigkeit von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute.

Die Herzdruckmassage wird fortgesetzt, bis professionelle Rettungskräfte übernehmen oder die betroffene Person wieder eindeutige Lebenszeichen zeigt.

Sind mehrere Helfer anwesend, können sie sich abwechseln. Denn eine wirksame Herzdruckmassage ist körperlich anstrengend.

Angst vor Rippenverletzungen sollte nicht vom Helfen abhalten

Eine häufige Sorge betrifft mögliche Verletzungen.

Bei einer kräftigen Herzdruckmassage können tatsächlich Rippen verletzt werden. Das sollte Ersthelfer bei einem tatsächlichen Herz-Kreislauf-Stillstand jedoch nicht davon abhalten, mit der Wiederbelebung zu beginnen.

Denn ohne funktionierenden Kreislauf wird insbesondere das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Deshalb zählt jede Minute.

Die Angst, bei der Wiederbelebung möglicherweise nicht alles perfekt zu machen, darf nicht dazu führen, gar nichts zu tun.

Muss ein Ersthelfer auch beatmen?

Auch die Mund-zu-Mund-Beatmung sorgt bei vielen Menschen für Unsicherheit.

Grundsätzlich kann die Wiederbelebung aus Herzdruckmassage und Beatmung bestehen. Für Laien, die sich eine Beatmung nicht zutrauen oder damit überfordert sind, steht jedoch vor allem eines im Mittelpunkt: die kontinuierliche Herzdruckmassage.

Entscheidend ist, dass überhaupt mit der Wiederbelebung begonnen und möglichst wenig Zeit verloren wird.

Bewusstlos, aber normale Atmung: andere Situation

Nicht jede bewusstlose Person benötigt automatisch eine Herzdruckmassage.

Ist die Person nicht ansprechbar, atmet aber normal, sollte sie nach Möglichkeit in die stabile Seitenlage gebracht werden. Anschließend müssen Atmung und Zustand regelmäßig kontrolliert werden, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Fehlt dagegen eine normale Atmung, muss nach dem Absetzen des Notrufs unverzüglich mit der Wiederbelebung begonnen werden.

Defibrillator kann Ersthelfer unterstützen

Ist ein automatisierter externer Defibrillator – kurz AED – verfügbar, kann dieser zusätzlich eingesetzt werden.

Die Geräte sind so konzipiert, dass sie Ersthelfer Schritt für Schritt durch die Anwendung führen. Nach dem Einschalten geben sie Sprach- beziehungsweise Bedienhinweise.

Ein Defibrillator ersetzt jedoch nicht das schnelle Absetzen des Notrufs und die Herzdruckmassage.

Wenn mehrere Menschen vor Ort sind, kann deshalb eine Person mit der Wiederbelebung beginnen, während eine andere den Notruf übernimmt beziehungsweise einen verfügbaren Defibrillator holt.

45.000 Ersthelfer über App registriert

Schleswig-Holstein setzt außerdem auf digitale Unterstützung.

Nach Angaben des NDR sind mittlerweile rund 45.000 Menschen bei der Saving-Live-App des Arbeiter-Samariter-Bundes registriert.

Das System ist mit allen sechs Rettungsleitstellen Schleswig-Holsteins verbunden.

Kommt es zu einem medizinischen Notfall, können registrierte Ersthelfer, die sich in unmittelbarer Nähe befinden, über ihr Smartphone alarmiert werden.

Nach Angaben des ASB kommen jeden Monat etwa 250 bis 400 weitere Registrierungen hinzu.

Ersthelfer teilweise nach drei Minuten vor Ort

Der entscheidende Vorteil eines solchen Systems ist die Zeit.

Nach Angaben des Projektleiters der Saving-Live-App können alarmierte Ersthelfer teilweise bereits nach rund drei Minuten bei einem Patienten sein.

Bis zum Eintreffen des Rettungswagens kann es länger dauern.

Das System alarmiert nach Angaben des ASB mehrere Helfer in der unmittelbaren Umgebung. Dadurch soll möglichst schnell Unterstützung am Notfallort verfügbar sein.

Wiederbelebung soll stärker in Schulen vermittelt werden

Die „Woche der Wiederbelebung“ richtet den Blick deshalb nicht nur auf Erwachsene.

Professor Gräsner spricht sich dafür aus, Wiederbelebungskurse verbindlich in Schulen zu etablieren.

Als Vorbild gelten unter anderem skandinavische Länder. Dort liegt die Quote der Wiederbelebungsmaßnahmen durch Ersthelfer nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin bei mehr als 70 Prozent.

Wer bereits als Schüler regelmäßig übt, soll im späteren Ernstfall weniger Hemmungen haben, tatsächlich einzugreifen.

Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig auffrischen

Viele Menschen haben zuletzt beim Erwerb ihres Führerscheins einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Liegt dieser viele Jahre zurück, können wichtige Abläufe in Vergessenheit geraten.

Ein Auffrischungskurs kann deshalb sinnvoll sein.

Dabei geht es nicht nur um Wiederbelebung. Teilnehmer lernen beispielsweise auch den Umgang mit starken Blutungen, Bewusstlosigkeit und anderen medizinischen Notfällen.

Vor allem praktische Übungen können helfen, die Unsicherheit vor einer tatsächlichen Notfallsituation zu reduzieren.

Entscheidend ist, überhaupt anzufangen

Die zentrale Botschaft der Aktionswoche ist deshalb weniger kompliziert, als viele Menschen vermuten.

Wer eine regungslose Person findet, sollte die Reaktion und Atmung überprüfen, Hilfe holen und den Notruf 112 verständigen. Fehlt eine normale Atmung, muss sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden.

Niemand erwartet von einem zufällig anwesenden Ersthelfer die Fähigkeiten eines Notarztes.

Doch die Minuten, bevor professionelle Rettungskräfte eintreffen, können entscheidend sein.

Die einfache Regel „Prüfen – Rufen – Drücken“ kann deshalb im Ernstfall den Unterschied machen.

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