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Starke Jahresrendite, hohe Mittelabflüsse – Fonds nach Geschäftsjahresende aufgelöst

geralt (CC0), Pixabay

Der HI-Climate Transition Multi-Faktor Aktien Global-Fonds blickt für das Geschäftsjahr vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 auf eine auf den ersten Blick sehr erfolgreiche Wertentwicklung zurück. Der Fonds erzielte im Berichtszeitraum eine Performance von +16,88 %. Gleichzeitig zeigt der Jahresbericht jedoch deutliche strukturelle Schwächen: erhebliche Mittelabflüsse, eine starke Konzentration auf die USA und den Technologiesektor sowie vor allem die Tatsache, dass der Fonds bereits kurz nach Ende des Berichtszeitraums vollständig aufgelöst wurde.

Attraktive Rendite – aber ohne direkten Benchmark-Vergleich

Mit einer Jahresperformance von +16,88 % lieferte der Fonds im betrachteten Geschäftsjahr ein überzeugendes absolutes Ergebnis. Die Entwicklung des Anteilwertes bestätigt den positiven Trend: Der Anteilwert stieg von 69,67 Euro zum 31. Mai 2025 auf 79,67 Euro zum 31. Mai 2026. Zusätzlich ist eine Ausschüttung von 1,60 Euro je Anteil vorgesehen.

Für Anleger ist allerdings zu beachten, dass der Bericht die Fondsrendite nicht unmittelbar mit der Wertentwicklung eines klassischen Vergleichsindex gegenüberstellt. Zwar dient der MSCI World als Referenz insbesondere hinsichtlich der angestrebten Verbesserung von Nachhaltigkeits- und Klimakennzahlen, eine konkrete Vergleichsrendite des MSCI World für den Berichtszeitraum wird im Tätigkeitsbericht jedoch nicht ausgewiesen. Damit lässt sich allein aus dem Jahresbericht nicht beurteilen, ob die aktive Titelselektion tatsächlich einen Mehrwert gegenüber einem kostengünstigen globalen Aktienindex geschaffen hat.

Portfolio stark von USA und Technologie geprägt

Der Fonds verfolgt einen globalen Multi-Faktor-Ansatz, der unter anderem die Faktoren Value, Momentum, Low Size, Quality und Low Risk berücksichtigt und gleichzeitig ESG- und Klimakriterien integriert. Als Artikel-8-Fonds bewirbt er ökologische und soziale Merkmale und bevorzugt unter anderem Unternehmen, die zur klimafreundlichen Transformation beitragen sollen.

Die tatsächliche Diversifikation ist allerdings weniger breit, als die globale Ausrichtung zunächst vermuten lässt. Zum Geschäftsjahresende entfielen 69,21 % des Wertpapiervermögens auf die USA, nach 63,59 % im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Technologieanteil von 27,31 % auf 29,83 %. Gesundheit folgte mit 8,78 %, Industrie/Services mit 7,74 %.

Auch einzelne US-Technologiekonzerne besitzen erhebliche Gewichte. Apple machte beispielsweise rund 5,47 % des gesamten Fondsvermögens, Nvidia 5,29 %, Microsoft 3,28 %, Amazon 2,68 % und die beiden Alphabet-Aktiengattungen zusammen mehr als 4 % aus. Damit war ein wesentlicher Teil der guten Wertentwicklung von den großen US-Technologieunternehmen abhängig. Für Anleger bedeutet dies gleichzeitig ein entsprechendes Konzentrationsrisiko bei einer Schwäche dieses Marktsegments.

Insgesamt waren 93,0 % des Fondsvermögens in Aktien investiert. Bankguthaben machten 6,12 % aus; Derivate hatten mit 0,36 % nur einen geringen bilanziellen Anteil. Das Fondsvermögen belief sich am 31. Mai 2026 auf rund 22,21 Mio. Euro.

Deutliche Warnung durch massive Mittelabflüsse

Der kritischste Punkt des Geschäftsjahres liegt nicht in der Wertentwicklung, sondern in der Entwicklung des Fondsvolumens. Zu Beginn des Geschäftsjahres verwaltete der Fonds noch 31,36 Mio. Euro. Während des Jahres flossen netto 12,48 Mio. Euro ab: Anteilverkäufen von lediglich 0,78 Mio. Euro standen Rücknahmen in Höhe von 13,25 Mio. Euro gegenüber. Damit entsprachen die Nettoabflüsse rund 40 % des Fondsvermögens zu Jahresbeginn. Trotz eines positiven Jahresergebnisses von 3,07 Mio. Euro sank das Fondsvermögen schließlich auf 22,21 Mio. Euro.

Der Rückgang ist zudem kein einmaliges Phänomen. Das Fondsvolumen entwickelte sich über die letzten Geschäftsjahre wie folgt:

2022/2023: 59,48 Mio. Euro
2023/2024: 41,59 Mio. Euro
2024/2025: 31,36 Mio. Euro
2025/2026: 22,21 Mio. Euro

Damit schrumpfte das Fondsvermögen innerhalb von drei Jahren um mehr als 60 %, obwohl sich der Anteilwert im gleichen Zeitraum von 54,82 Euro auf 79,67 Euro erhöhte.

Aus Anlegersicht ist diese Kombination bemerkenswert: Die Anlageperformance war positiv, gleichzeitig verlor der Fonds massiv Anlegerkapital durch Rückgaben. Ein stark schrumpfendes Fondsvolumen kann langfristig die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Fonds beeinträchtigen und war hier offenbar von besonderer Bedeutung.

Ertragslage und Kosten

Der Fonds erzielte im Geschäftsjahr Erträge von insgesamt 374.500 Euro. Nach Aufwendungen von rund 154.098 Euro verblieb ein ordentlicher Nettoertrag von 220.402 Euro. Deutlich bedeutender waren realisierte Gewinne aus Wertpapierverkäufen von 5,56 Mio. Euro, denen realisierte Verluste von 1,86 Mio. Euro gegenüberstanden. Insgesamt erreichte das Jahresergebnis 3,07 Mio. Euro.

Die Gesamtkostenquote (TER) von 0,77 % liegt für einen aktiv gemanagten globalen Aktienfonds in einem grundsätzlich vertretbaren Bereich. In der TER sind allerdings die Transaktionskosten nicht enthalten. Diese beliefen sich zusätzlich auf rund 31.902 Euro.
Historisch lag der Rücknahmepreis zum Bilanzstichtag bei 79,67 Euro und der Ausgabepreis bei 81,26 Euro. Dies entspricht einem Ausgabeaufschlag beziehungsweise einer Differenz von ungefähr 2 %.

Nachhaltigkeitsansatz mit Einschränkung bei der Prüfung

Positiv hervorzuheben ist der klar definierte Nachhaltigkeitsansatz. Der Fonds unterliegt Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung, berücksichtigt Ausschlusskriterien im Zusammenhang mit Paris-abgestimmten Referenzwerten und versucht, Unternehmen mit klimafreundlichen Lösungen höher zu gewichten. Ziel ist eine Verbesserung der Nachhaltigkeits- und Klimakennzahlen gegenüber dem MSCI World.

Anleger sollten allerdings beachten, dass die gesonderten Nachhaltigkeitsinformationen nach der Offenlegungs- und Taxonomieverordnung ausdrücklich nicht Bestandteil des Prüfungsurteils des Abschlussprüfers waren. PwC bestätigte zwar die Ordnungsmäßigkeit des eigentlichen Jahresberichts, gab jedoch kein Prüfungsurteil zu diesen Nachhaltigkeitsangaben ab.

Entscheidender Punkt: Der Fonds wurde aufgelöst

Der wichtigste Sachverhalt für einen Anleger findet sich erst im Anhang: Der HI-Climate Transition Multi-Faktor Aktien Global-Fonds wurde zum 13. Juli 2026 nach Rückgabe der letzten Anteile aufgelöst. Auch der Abschlussprüfer hebt diesen Sachverhalt ausdrücklich hervor.
Damit ist der Jahresbericht aus heutiger Anlegersicht vor allem retrospektiv zu beurteilen. Eine klassische Kaufentscheidung für den Fonds ist nicht mehr möglich. Die über mehrere Jahre stark rückläufigen Fondsvolumina und die erheblichen Rückgaben im letzten Geschäftsjahr sind rückblickend besonders relevant.

Fazit aus Anlegersicht

Operativ beziehungsweise hinsichtlich der Anlageperformance lieferte der Fonds im letzten vollständigen Geschäftsjahr ein gutes Ergebnis. Die Rendite von +16,88 %, steigende Anteilwerte, ein breit über zahlreiche Einzeltitel gestreutes Portfolio sowie eine mit 0,77 % überschaubare TER sprechen grundsätzlich für die Qualität des Anlagekonzepts.

Dem stehen jedoch bedeutende Risiken gegenüber: eine sehr hohe Abhängigkeit vom US-Aktienmarkt, eine deutliche Technologie- und Mega-Cap-Konzentration, zusätzliche Währungsrisiken für Euro-Anleger und insbesondere die massiven Mittelabflüsse. Dass das Fondsvermögen innerhalb von drei Geschäftsjahren von 59,48 Mio. auf 22,21 Mio. Euro sank und der Fonds schließlich am 13. Juli 2026 vollständig aufgelöst wurde, überlagert letztlich die gute Jahresperformance.

Aus Anlegersicht ergibt sich daher ein zweigeteiltes Bild: eine überzeugende letzte Jahresrendite und ein grundsätzlich interessantes Multi-Faktor-/Climate-Transition-Konzept, aber eine deutlich negative Entwicklung bei der Anlegerbasis und dem Fondsvolumen. Die anschließende Auflösung macht den Fonds heute zu einem abgeschlossenen Investmentfall und nicht mehr zu einer aktuellen Anlagealternative.

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