Hinter dem Vorhaben steht ein Problem, das die klimafreundlichere Luftfahrt seit Jahren beschäftigt: Technisch lässt sich synthetischer Flugkraftstoff herstellen, wirtschaftlich ist die Produktion im großen industriellen Maßstab bislang schwierig.
Strombasiertes Sustainable Aviation Fuel – kurz eSAF – benötigt erhebliche Investitionen in Produktionsanlagen. Gleichzeitig brauchen Hersteller langfristige Abnahmezusagen, bevor sie solche Investitionen tätigen.
Flugkraftstoffabnehmer schließen ihre Verträge dagegen typischerweise für deutlich kürzere Zeiträume ab. Genau diese Lücke soll das neue Fördermodell schließen.
Bis zu 2,12 Milliarden Euro staatliche Mittel
Die Größenordnung des geplanten Programms ist erheblich.
Deutschland will bis zu zwei Milliarden Euro zur Verfügung stellen.
Österreich und Luxemburg wollen sich mit jeweils bis zu 60 Millionen Euro beteiligen.
Zusammengerechnet ergibt sich damit ein mögliches Fördervolumen von bis zu 2,12 Milliarden Euro. Die geförderten Mengen sollen entsprechend dem jeweiligen Anteil der eingebrachten Fördermittel in den drei Staaten in Verkehr gebracht werden.
Deutschland trägt damit rechnerisch rund 94 Prozent des maximal vorgesehenen Fördervolumens.
Staat soll Preislücke überbrücken
Interessant ist vor allem, wie das Geld eingesetzt werden soll.
Geplant ist ein sogenannter Doppelauktionsmechanismus.
Auf der einen Seite werden in einem wettbewerblichen Verfahren Angebote von Produzenten eingeholt. Auf der anderen Seite wird ermittelt, welchen Preis Abnehmer für das eSAF zu zahlen bereit sind.
Liegt der Produktionspreis über dem Preis, den der Markt akzeptiert, entsteht eine Differenz.
Ein Intermediär soll diese Lücke mit staatlichen Fördermitteln ausgleichen. Auf diese Weise sollen Produzenten langfristigere Planungsperspektiven erhalten, während Abnehmer weiterhin zu wettbewerblich ermittelten Bedingungen einkaufen können.
Warum grünes Kerosin noch so teuer ist
eSAF wird nicht wie herkömmliches Kerosin unmittelbar aus fossilem Rohöl hergestellt.
Stattdessen wird für die Herstellung unter anderem Wasserstoff benötigt, der mittels Elektrolyse erzeugt wird. Wird dabei erneuerbarer Strom eingesetzt und stammt auch der benötigte Kohlenstoff aus nachhaltigen Quellen, können die Treibhausgasemissionen des Kraftstoffs über seinen gesamten Lebenszyklus erheblich reduziert werden.
Der Vorteil für die Luftfahrt liegt darin, dass weiterhin ein flüssiger Energieträger verwendet werden kann.
Das ist insbesondere für Langstreckenflüge relevant, bei denen eine direkte Elektrifizierung technisch erheblich schwieriger ist als beispielsweise bei Pkw.
Zudem können bestehende Infrastrukturen für Transport, Lagerung und Betankung grundsätzlich weiter genutzt werden.
Derzeit noch ein Nischenprodukt
Der entscheidende Nachteil ist der Preis.
Nach aktuellen Angaben kostet synthetisches, strombasiertes eSAF ungefähr zehnmal so viel wie fossiles Kerosin. Gleichzeitig steht es bislang lediglich in sehr geringen Mengen zur Verfügung.
Damit entsteht ein klassisches Hochlaufproblem.
Solange eSAF erheblich teurer ist, bleibt die Nachfrage begrenzt. Ohne ausreichend große und langfristig gesicherte Nachfrage investieren Unternehmen jedoch nur zurückhaltend Milliardenbeträge in neue Produktionskapazitäten.
Ohne neue Anlagen wiederum sinken die Produktionskosten nur langsam.
Mit der Förderung versuchen die drei Staaten, diesen Kreislauf zu durchbrechen.
Österreich beteiligt sich mit bis zu 60 Millionen Euro
Für Österreich ist ein Betrag von bis zu 60 Millionen Euro vorgesehen.
Österreichs Mobilitätsminister Peter Hanke erklärte, die gemeinsame Förderung solle langfristige Perspektiven für Produzenten schaffen und dazu beitragen, dass eSAF auch in Österreich verfügbar werde.
Zudem verbindet die österreichische Regierung das Projekt mit dem Ziel, die Abhängigkeit von außereuropäischen Energieimporten zu verringern.
Das ist zunächst die Position der Regierung. Ob das Fördermodell tatsächlich in dem erhofften Umfang neue Produktionsanlagen auslöst und zu welchen Kosten sich dadurch CO₂-Emissionen vermeiden lassen, wird sich erst beim praktischen Hochlauf zeigen.
Auch industriepolitische Ziele spielen eine Rolle
Das Programm wird nicht ausschließlich mit Klimaschutz begründet.
Das deutsche Verkehrsministerium sieht darin ausdrücklich auch eine industriepolitische Chance.
Neue eSAF-Anlagen könnten nach Darstellung des Ministeriums Wertschöpfung, technisches Know-how und Arbeitsplätze in Europa schaffen. Gleichzeitig soll eine europäische Produktion die Abhängigkeit von Energie- und Lieferketten außerhalb Europas reduzieren.
Damit verfolgt die Förderung mehrere Ziele gleichzeitig: geringere Emissionen im Luftverkehr, Aufbau einer neuen Industrie und eine stärkere europäische Energieversorgung.
Deutschland hatte Förderung bereits vorbereitet
Das Vorhaben beginnt nicht erst mit der gemeinsamen Erklärung vom 21. September.
Das deutsche Verkehrsministerium hatte bereits im Mai 2026 eine Marktkonsultation für sein geplantes eSAF-Förderprogramm gestartet und damals ebenfalls bis zu zwei Milliarden Euro angekündigt.
Das Ministerium wollte damit Rückmeldungen aus Industrie und Wissenschaft zur konkreten Ausgestaltung des Fördermechanismus erhalten.
Diese Konsultation ist inzwischen abgeschlossen. Nach Angaben des Ministeriums zeigten die Rückmeldungen ein breites Marktinteresse an einem beschleunigten Aufbau der europäischen eSAF-Produktion.
EU-Kommission muss noch zustimmen
Ein entscheidender Vorbehalt bleibt.
Die angekündigten Milliarden können nicht ohne Weiteres nach dem geplanten Modell eingesetzt werden.
Das Förderprogramm steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt einer beihilferechtlichen Genehmigung durch die Europäische Kommission.
Die Ankündigung vom 21. September bedeutet daher noch nicht, dass bereits zwei Milliarden Euro ausgezahlt werden oder konkrete eSAF-Produzenten entsprechende Förderbeträge erhalten haben.
Zunächst geht es um den Aufbau und die Genehmigung des Fördermechanismus.
Staat soll den Markthochlauf finanzieren – nicht dauerhaft den Preis ersetzen
Der Kern des Projekts besteht letztlich darin, einen Markt zu schaffen, der sich bislang aufgrund der hohen Kosten nur schwer aus eigener Kraft entwickelt.
Deutschland, Österreich und Luxemburg wollen mit öffentlichen Mitteln die Differenz zwischen dem Preis der Produzenten und der Zahlungsbereitschaft der Abnehmer überbrücken.
Damit übernimmt der Staat einen Teil des wirtschaftlichen Risikos der frühen Marktphase.
Ob daraus anschließend eine Produktion entsteht, die auch mit deutlich geringerer Förderung wettbewerbsfähig wird, gehört zu den entscheidenden langfristigen Fragen des Projekts.