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Beethoven auf dem Zehner? Abstimmung über neue Euro-Scheine geht ins Finale

moerschy (CC0), Pixabay

Die Entscheidung über das künftige Gesicht des Euro-Bargelds geht in ihre entscheidende Phase.

Aus ursprünglich rund 1.200 Bewerberinnen und Bewerbern hat die Europäische Zentralbank zunächst 25 ausgewählt, die Gestaltungsvorschläge einreichen durften. Inzwischen stehen zehn Entwürfe zur Wahl.

Dabei konkurrieren zwei völlig unterschiedliche Themenwelten miteinander: „Europäische Kultur“ sowie „Flüsse und Vögel“.

Beethoven oder Eisvogel auf dem Zehner

Besonders prominent fällt die Auswahl beim Zehn-Euro-Schein aus.

Entscheidet sich die EZB letztlich für die Kulturserie, soll Ludwig van Beethoven die Vorderseite der Zehn-Euro-Banknote schmücken.

Setzt sich dagegen die Naturserie durch, bekommt der Eisvogel diesen Platz. Einer der Entwürfe zeigt ihn an einem langsamen Flussabschnitt.

Damit steht schon jetzt fest, welche Motive den einzelnen Banknotenwerten grundsätzlich zugeordnet sind. Offen ist, welches Gesamtkonzept und welcher konkrete Entwurf am Ende ausgewählt werden.

Maria Callas auf dem Fünfer

Bei der Kulturserie beginnt die Reise mit Maria Callas.

Die weltberühmte Opernsängerin ist für den Fünf-Euro-Schein vorgesehen.

Ihr Konkurrent aus der Vogelwelt ist der Mauerläufer, der vor einer Gebirgslandschaft dargestellt werden soll.

Auf dem Zehner folgt Beethoven.

Für den Zwanziger ist eine weitere berühmte Persönlichkeit vorgesehen.

Marie Curie soll auf den Zwanziger

Die Physikerin und Chemikerin Marie Curie wäre das Gesicht der neuen 20-Euro-Banknote.

Sie war die erste Frau, die einen Nobelpreis erhielt, und gehört zu den bekanntesten Wissenschaftlerinnen Europas.

Auf der alternativen Naturserie würden den Zwanziger dagegen farbenprächtige Bienenfresser zieren.

Auch hier könnte der Unterschied kaum größer sein: wissenschaftliche Geschichte auf der einen, europäische Natur auf der anderen Seite.

Cervantes bekommt den Fünfziger

Auf der 50-Euro-Banknote wäre bei der Kulturserie der spanische Schriftsteller Miguel de Cervantes zu sehen.

Für die Naturvariante hat die EZB dagegen den Weißstorch ausgewählt.

Gerade beim Fünfziger wäre die Veränderung besonders sichtbar, denn die 50-Euro-Banknote gehört zu den am häufigsten verwendeten Scheinen.

Leonardo da Vinci auf 100 Euro

Auch die 100-Euro-Banknote soll ein ausgesprochen prominentes Gesicht erhalten.

Für die Kulturserie ist Leonardo da Vinci vorgesehen.

Auf der Naturbanknote würde dagegen ein Säbelschnäbler erscheinen.

Die eingereichten Vorschläge unterscheiden sich dabei nicht nur bei Farben und Illustrationen. Einige Designer experimentieren auch mit einer ungewohnten vertikalen Gestaltung der Banknoten.

Bertha von Suttner könnte ihr Comeback feiern

Für Österreich besitzt insbesondere der 200-Euro-Schein historischen Charme.

Sollte die Kulturserie ausgewählt werden, soll dort die österreichische Friedensaktivistin und Schriftstellerin Bertha von Suttner erscheinen.

Sie wäre damit gewissermaßen eine Rückkehrerin auf österreichisches Bargeld.

Suttner war bereits auf dem 1.000-Schilling-Schein zu sehen, der von 1970 bis 1985 ausgegeben wurde. Später wurde sie dort von Erwin Schrödinger abgelöst.

In der alternativen Naturserie wäre auf dem 200-Euro-Schein der Basstölpel zu sehen.

Drei Frauen und drei Männer

Die Kulturserie wäre bei den Persönlichkeiten exakt paritätisch besetzt.

Vorgesehen sind:

Maria Callas, Ludwig van Beethoven, Marie Curie, Miguel de Cervantes, Leonardo da Vinci und Bertha von Suttner.

Damit würden drei Frauen und drei Männer auf den sechs Banknotenwerten erscheinen.

Es wäre zugleich ein grundlegender Bruch mit der bisherigen Gestaltung der Euro-Scheine.

Bislang sind auf den Banknoten keine realen historischen Persönlichkeiten zu sehen. Die bekannten Fenster, Tore und Brücken stehen vielmehr symbolisch für verschiedene europäische Architekturepochen.

Bei den Vögeln wird es europäisch

Wer keine berühmten Köpfe auf dem Bargeld möchte, kann sich für die Naturserie entscheiden.

Vom Fünfer bis zum 200er hat die EZB sechs Vogelarten vorgesehen: Mauerläufer, Eisvogel, Bienenfresser, Weißstorch, Säbelschnäbler und Basstölpel.

Die Tiere sollen jeweils in charakteristischen Fluss- und Naturlandschaften dargestellt werden.

Damit wäre die Vorderseite der Banknoten vollständig der europäischen Natur gewidmet.

Die Rückseiten würden dagegen politischer beziehungsweise institutioneller.

EU-Institutionen auf der Rückseite

Bei der Vogelserie sollen auf den Rückseiten Institutionen der Europäischen Union erscheinen.

Dazu gehören unter anderem das Europäische Parlament, die Europäische Kommission, die Europäische Zentralbank, der Europäische Gerichtshof, der Europäische Rat beziehungsweise Rat der Europäischen Union und der Europäische Rechnungshof.

Die Vorderseite würde damit Natur und Landschaft zeigen, die Rückseite europäische Institutionen.

Anders funktioniert die Kulturserie.

Straßenkunst, Universität und kulturelle Begegnungen

Bei den Banknoten mit berühmten Persönlichkeiten sollen die Rückseiten keine EU-Gebäude zeigen.

Stattdessen sind sogenannte „kulturelle Begegnungen“ vorgesehen.

Die Motive reichen von Straßenkünstlern über Chöre und Bildungsstätten bis zu Szenen rund um Literatur und zeitgenössische Kunst.

Damit würde jede Banknote gewissermaßen aus zwei Ebenen bestehen: vorne eine bekannte Persönlichkeit der europäischen Kulturgeschichte, hinten eine moderne kulturelle Alltagsszene.

Öffentlichkeit darf mitentscheiden

Noch bis Montag können Bürgerinnen und Bürger ihre Meinung zu den Entwürfen abgeben.

Allerdings handelt es sich nicht um eine verbindliche Volksabstimmung.

Das Ergebnis der öffentlichen Befragung fließt in die endgültige Entscheidung der Europäischen Zentralbank ein. Die EZB selbst trifft anschließend die finale Auswahl.

Bis Ende 2026 soll feststehen, wie die neue Banknotenserie aussehen wird.

Danach beginnt erst die eigentliche Vorbereitung der Produktion.

Neue Scheine kommen erst in einigen Jahren

Wer sich bereits auf Beethoven im Geldbörsel freut, braucht deshalb Geduld.

Nach Angaben der Zentralbank dürften noch mehrere Jahre vergehen, bis die neuen Banknoten tatsächlich in Umlauf kommen.

Die Neugestaltung ist schließlich mehr als eine kosmetische Angelegenheit.

Die EZB arbeitet bereits seit 2021 an einer neuen Banknotenserie.

Neue Sicherheitsmerkmale gegen Fälscher

Ein wesentlicher Grund für die neue Generation sind verbesserte Sicherheitsmerkmale.

Neue Geldscheine sollen nach Darstellung der EZB Fälschungen erschweren und damit eine zusätzliche Abschreckungswirkung erzielen.

Schon 2013 begann die Einführung einer technisch überarbeiteten Euro-Serie mit verbesserten Sicherheitsmerkmalen. Damals blieben die grundsätzlichen Motive jedoch erhalten.

Diesmal soll sich auch das Erscheinungsbild grundlegend verändern.

Die EZB will nach fast einem Vierteljahrhundert Euro-Bargeld Motive schaffen, mit denen sich die Menschen in Europa stärker identifizieren können.

Banknoten sollen barriereärmer werden

Auch die praktische Gestaltung wird überarbeitet.

Die nächste Banknotengeneration soll nach Angaben der EZB inklusiver werden und insbesondere von Menschen mit Sehbehinderungen leichter erkannt werden können.

Daneben soll die Umweltbilanz verbessert werden. Konkrete Details dazu stehen allerdings noch nicht fest.

Eine Untersuchung der Zentralbank aus dem Jahr 2023 hatte vor allem den Stromverbrauch von Geldautomaten und den Transport der Banknoten als relevante Umweltfaktoren identifiziert.

30 Milliarden Euro-Scheine sind unterwegs

Die Dimension des Projekts ist enorm.

Nach den im Bericht genannten EZB-Angaben befinden sich derzeit rund 30 Milliarden Euro-Banknoten im Umlauf.

Ihr Gesamtwert beträgt etwa 1,5 Billionen Euro.

Der Euro ist inzwischen in 21 der 27 EU-Mitgliedstaaten offizielle Währung.

Damit wird die Entscheidung über Beethoven, Curie, da Vinci oder die europäischen Vögel eines der sichtbarsten Designprojekte Europas.

Europas Bargeld bekommt ein völlig neues Gesicht

Noch ist also nichts entschieden.

Festgelegt sind die beiden Themenwelten und die zugehörigen Motive. Offen ist dagegen, welche Designlinie am Ende tatsächlich gedruckt wird.

Die öffentliche Befragung bildet dabei einen wichtigen, aber nicht allein entscheidenden Schritt. Anschließend liegt die endgültige Auswahl bei der Europäischen Zentralbank.

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