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14-Jähriger in Neubrandenburg stundenlang gequält – Tatverdächtige erst neun bis 15 Jahre alt

Ricinator (CC0), Pixabay

Ein besonders erschreckender Fall von Jugendgewalt beschäftigt die Kriminalpolizei in Neubrandenburg. Etwa zehn Jungen und Mädchen im Alter zwischen neun und 15 Jahren sollen einen 14-Jährigen über mehrere Stunden misshandelt haben. Die mutmaßliche Tat wurde teilweise gefilmt und über soziale Netzwerke verbreitet.

Nach Angaben der Polizei soll der Jugendliche geschlagen und getreten worden sein. Auch Gegenstände sollen bei den Misshandlungen eingesetzt worden sein. Zudem sollen dem 14-Jährigen teilweise Verbrennungen zugefügt worden sein.

Der Vorfall ereignete sich bereits am Mittwoch, dem 9. September 2026. Die Polizei erfuhr jedoch erst am darauffolgenden Samstag davon, nachdem Hinweise auf entsprechende Videos in sozialen Netzwerken eingegangen waren.

Videos führen Polizei zu Tatverdächtigen und Opfer

Die Ermittler konnten verschiedene Aufnahmen sicherstellen. Die Bilder waren nach Angaben der Polizei so eindeutig, dass sowohl der 14-Jährige als auch die mutmaßlich beteiligten Kinder und Jugendlichen ermittelt werden konnten.

Unter den Tatverdächtigen befinden sich nach Polizeiangaben Deutsche, Albaner, Tunesier und Deutsch-Türken. Das 14-jährige Opfer ist Deutscher.

Trotz der beschriebenen Gewalt galt der Jugendliche zum Zeitpunkt der Anzeigenaufnahme nach Angaben der Polizei als leicht verletzt.

Eine „Kleinigkeit“ soll der Eskalation vorausgegangen sein

Tatverdächtige und Opfer sollen sich gekannt haben. Nach den bisherigen Ermittlungen soll der 14-Jährige die Auseinandersetzung nicht provoziert haben. Als Ausgangspunkt wird ein Missverständnis in der Kommunikation beschrieben.

Damit steht die Schwere der mutmaßlichen Misshandlungen in einem kaum nachvollziehbaren Verhältnis zum bislang bekannten Anlass. Warum sich die Situation über mehrere Stunden derart entwickeln konnte und welche Rolle die einzelnen Beteiligten dabei spielten, müssen die weiteren Ermittlungen klären.

Mehrere Straftatbestände werden geprüft

Die Kriminalpolizei Neubrandenburg ermittelt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung. Wegen der während der Tat angefertigten Videoaufnahmen wurde außerdem eine Anzeige wegen Verletzung des persönlichen Lebensbereichs aufgenommen.

Eine Besonderheit des Falls ist das Alter der Beschuldigten. Einige sind erst neun, zehn, elf, zwölf oder 13 Jahre alt. Kinder unter 14 Jahren sind in Deutschland strafunmündig. Sie können deshalb unabhängig von der Schwere einer Tat nicht strafrechtlich verurteilt werden.

Für Tatverdächtige, die bereits 14 oder 15 Jahre alt sind, gilt dagegen Jugendstrafrecht. Welche Konsequenzen sich für die einzelnen Beteiligten ergeben können, hängt deshalb auch davon ab, welchen konkreten Tatbeitrag ihnen die Ermittler nachweisen können.

Für alle Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

Bereits zweiter schwerer Fall innerhalb kurzer Zeit

Besonders beunruhigend: Es handelt sich bereits um den zweiten bekannt gewordenen Fall erheblicher Gewalt unter Minderjährigen in Neubrandenburg innerhalb von rund zwei Wochen.

Bei einem früheren Vorfall sollen drei Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren auf einen Zwölfjährigen eingetreten haben. Das Kind wurde leicht verletzt und kam ins Krankenhaus. Die Jugendlichen sollen außerdem Scheiben einer Kinder- und Jugendeinrichtung mit Steinen beschädigt haben.

Nach Angaben einer Polizeisprecherin besteht zwischen den beiden Gewalttaten kein direkter Zusammenhang. Allerdings seien die jeweiligen Gruppen der Polizei bereits bekannt gewesen.

Wie konnte die Misshandlung über Stunden unbemerkt bleiben?

Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung wirft der aktuelle Fall weitere Fragen auf. Wenn ein 14-Jähriger tatsächlich über mehrere Stunden von einer größeren Gruppe misshandelt wurde, muss geklärt werden, wo genau dies geschah, ob andere Menschen etwas bemerkten und weshalb offenbar niemand früher eingriff.

Dass die Polizei letztlich durch im Internet verbreitete Videos auf den Vorfall aufmerksam wurde, macht den Fall zusätzlich bedrückend: Die mutmaßliche Gewalt wurde nicht nur ausgeübt, sondern auch aufgezeichnet und verbreitet.

Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an.

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