Die Bundeswehr soll wachsen und braucht dafür deutlich mehr Soldatinnen und Soldaten. Doch ausgerechnet bei den freiwilligen Bewerbern zeigt sich ein Problem: Fast jeder Dritte wird bei der ärztlichen Untersuchung als nicht wehrdienstfähig eingestuft.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Warum werden so viele junge Menschen ausgemustert?
31 Prozent bestehen die medizinische Untersuchung nicht
Nach internen Zahlen des Verteidigungsministeriums wurden im zweiten Quartal 2026 insgesamt 1.490 Bewerber ärztlich untersucht.
Davon wurden 1.131 als geeignet eingestuft. 359 Bewerber wurden ausgemustert. Das entspricht gut 31 Prozent.
Der vorliegende Bericht nennt als wesentlichen Grund, dass viele Interessenten die körperlichen beziehungsweise gesundheitlichen Anforderungen der Bundeswehr nicht erfüllen.
Welche konkreten gesundheitlichen Probleme besonders häufig zur Ausmusterung führen, geht aus den veröffentlichten Zahlen allerdings nicht hervor.
Es lässt sich daraus also beispielsweise nicht ablesen, wie viele Bewerber wegen Übergewicht, mangelnder Fitness, Erkrankungen, psychischer Probleme, Sehschwächen oder anderer medizinischer Gründe abgelehnt wurden.
Noch größeres Problem: Viele wollen überhaupt nicht zur Bundeswehr
Mindestens ebenso wichtig ist ein zweiter Punkt.
Von April bis Ende Juni schrieb die Bundeswehr 169.141 junge Menschen an. Darunter waren 86.962 Männer und 82.179 Frauen.
Die Männer mussten den Fragebogen beantworten, für Frauen war die Teilnahme freiwillig.
83.483 Männer und etwas mehr als 3.000 Frauen füllten den Fragebogen vollständig aus. Bei der anschließenden Bewertung ihres Interesses finden sich jedoch nur rund 30.600 entsprechende Angaben.
Daraus wird geschlossen, dass mehr als 55.000 Männer und Frauen angegeben haben dürften, kein Interesse am Wehrdienst zu haben.
Mehr Bewerbungen – trotzdem große Herausforderung
Auf der anderen Seite gibt es auch eine positive Entwicklung für die Bundeswehr.
Bis Ende Juni wurden seit Jahresbeginn insgesamt 38.500 Bewerbungen registriert. Das waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums 24 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Das allein löst das Personalproblem jedoch nicht.
Denn zwischen einem ausgefüllten Fragebogen, einer Bewerbung und einem tatsächlich geeigneten neuen Soldaten liegen mehrere Schritte.
Die Bundeswehr hat damit gleich zwei Probleme
Die Zahlen zeigen zwei unterschiedliche Schwierigkeiten: Viele junge Menschen haben offenbar überhaupt kein Interesse am Wehrdienst. Und von denen, die sich tatsächlich bewerben, erfüllt ein erheblicher Teil die medizinischen Anforderungen nicht.
Warum genau fast jeder dritte untersuchte Bewerber ausgemustert wird, beantworten die vorliegenden Zahlen allerdings nur teilweise. Dafür müsste das Verteidigungsministerium offenlegen, welche medizinischen Gründe bei den 359 Ausmusterungen konkret ausschlaggebend waren.
Erst dann ließe sich wirklich beurteilen, ob hauptsächlich mangelnde körperliche Fitness dahintersteckt oder ob andere gesundheitliche Gründe eine ebenso große Rolle spielen.