Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Ölpreise erneut deutlich nach oben. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg am 9. September 2026 erstmals seit Ende Juli wieder über die Marke von 100 US-Dollar. Zeitweise wurden rund 100,19 Dollar erreicht.
Auslöser sind vor allem neue militärische Angriffe in der Golfregion und wachsende Sorgen, dass wichtige Transportwege für Rohöl weiter beeinträchtigt werden könnten.
USA und Iran verschärfen ihre Angriffe
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich in den vergangenen Tagen erneut deutlich verschärft. Nach Angaben des US-Militärs wurden mehrere iranische Öltanker zerstört, nachdem iranische Kräfte zuvor einen amerikanischen Kriegsschiffverband angegriffen hatten. Iran reagierte wiederum mit Raketenangriffen auf US-Ziele in der Region.
Hinzu kommen Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Ziele in Saudi-Arabien. Dabei wurden auch Energieanlagen getroffen. Dadurch steigt die Sorge, dass sich der Konflikt weiter ausweitet und zusätzliche Öl-Infrastruktur beschädigt wird.
Straße von Hormus bleibt der entscheidende Risikofaktor
Besonders kritisch ist die Lage rund um die Straße von Hormus. Die Meerenge gehört zu den wichtigsten Transportwegen für Öl weltweit.
Seit Beginn des Konflikts Ende Februar sind die Transportmengen dort zeitweise stark eingebrochen. Reuters zufolge waren kurz vor der jüngsten Eskalation noch rund acht bis neun Millionen Barrel täglich durch die Meerenge transportiert worden; zuletzt soll die Menge wieder auf unter zwei Millionen Barrel pro Tag gefallen sein.
Dadurch wächst die Nervosität an den Märkten erheblich. Schon einzelne Angriffe auf Tanker oder Hafenanlagen können die Preise kurzfristig stark bewegen.
Brent seit Anfang August rund 25 Prozent teurer
Der jüngste Sprung über 100 Dollar ist nicht nur eine kurzfristige Bewegung. Laut Reuters ist Brent seit Anfang August um etwa 25 Prozent gestiegen.
Im April war der Ölpreis im Verlauf des Konflikts sogar bis auf 126,41 Dollar je Barrel geklettert. Danach hatte sich die Lage zeitweise beruhigt, bevor die jüngsten Angriffe die Preise erneut nach oben trieben.
Banken erhöhen ihre Ölpreisprognosen
Auch große Banken reagieren auf die veränderte Lage. Goldman Sachs, Bank of America, HSBC und andere Institute haben ihre Ölpreisprognosen zuletzt angehoben.
Der Grund ist nicht allein die aktuelle Eskalation. Die physische Versorgungslage wird zunehmend angespannter. Zwar haben Produzenten außerhalb der OPEC – etwa die USA, Kanada und Guyana – ihre Förderung erhöht. Trotzdem erwartet die Internationale Energieagentur für 2026 einen Rückgang des weltweiten Ölangebots um rund 4,3 Millionen Barrel täglich beziehungsweise etwa vier Prozent.
Folgen könnten Verbraucher schnell spüren
Ein dauerhaft hoher Ölpreis wirkt sich nicht nur auf Energiekonzerne und Finanzmärkte aus.
Steigende Rohölpreise können sich mit Verzögerung bei Benzin und Diesel, Heizöl, Flugtickets und Transportkosten bemerkbar machen. Werden Waren teurer transportiert und produziert, kann sich der Effekt zudem auf weitere Verbraucherpreise ausweiten.
Damit wird der Ölpreis auch für die Inflationsentwicklung wieder wichtiger.
Ökonomen beobachten deshalb aufmerksam, ob der Sprung über 100 Dollar lediglich eine kurzfristige geopolitische Risikoprämie bleibt oder sich zu einer länger anhaltenden Verteuerung entwickelt.
Neue Inflationsgefahr für Notenbanken
Besonders problematisch wäre ein dauerhaft hoher Ölpreis für die Notenbanken.
Steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck, während ein militärischer Konflikt gleichzeitig Wachstum und Konsum belasten kann. Dadurch geraten Zentralbanken in ein schwieriges Umfeld: Sie müssen höhere Preise bekämpfen, ohne die Konjunktur zu stark abzubremsen.
Bereits jetzt werden an den Märkten mögliche Auswirkungen auf die weitere Zinspolitik diskutiert. Die erneute Verteuerung von Energie erhöht jedenfalls das Risiko, dass die Inflation länger hoch bleibt als bislang erwartet.