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Zu viel Vorsicht kann beim Vermögensaufbau teuer werden

Deeezy (CC0), Pixabay

Sicherheit oder Rendite? Diese Entscheidung kann beim langfristigen Vermögensaufbau einen Unterschied von mehreren Hunderttausend Euro ausmachen. Eine aktuelle Analyse von Verivox zeigt anhand von Modellrechnungen, welche finanziellen Folgen es haben kann, wenn Anleger über Jahrzehnte überwiegend auf niedrig verzinste Sparprodukte statt auf renditestärkere Anlagen setzen. Besonders deutlich werden dabei Unterschiede im Anlageverhalten von Frauen und Männern.

Mehr als 300.000 Euro Unterschied

Die Modellrechnung verdeutlicht die langfristige Wirkung unterschiedlicher Renditen: Wer ab dem 20. Lebensjahr monatlich 100 Euro in einen weltweit gestreuten ETF investiert und dabei im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 7,5 Prozent erzielt, käme bis zum Renteneintritt auf ein Vermögen von rund 403.000 Euro nach Steuern.

Wer dieselben 100 Euro dagegen auf einem Sparkonto mit einer angenommenen Verzinsung von 2,5 Prozent anlegt, würde nach der Berechnung lediglich rund 102.000 Euro erreichen. Die Differenz beträgt damit mehr als 300.000 Euro.

Auch der Zeitpunkt des Sparbeginns spielt eine erhebliche Rolle. Beginnt eine Person erst mit 30 Jahren und investiert monatlich 100 Euro, errechnet Verivox für die ETF-Variante rund 192.000 Euro. Beim Sparkonto wären es etwa 71.000 Euro.

Der Grund für die großen Unterschiede liegt vor allem im Zinseszinseffekt. Über lange Anlagezeiträume erwirtschaftet nicht nur das ursprünglich investierte Kapital Erträge. Auch bereits erzielte Erträge können wiederum neue Erträge generieren. Dadurch gewinnt die durchschnittlich erzielte Rendite mit zunehmender Anlagedauer erheblich an Bedeutung.

Frauen setzen häufiger auf Sicherheit

Die Analyse greift zugleich Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Geldanlage auf. Frauen investieren demnach deutlich seltener in Aktien und ETFs und entscheiden sich häufiger für klassische Sparformen wie Tages- oder Festgeld.

Nach Angaben von Verivox hält sich nur ungefähr jede dritte Frau für kompetent bei Finanzinvestitionen. In einer früheren Umfrage des Vergleichsportals investierten Männer rund eineinhalbmal so häufig in Aktien, Fonds und ETFs wie Frauen.

Damit entsteht langfristig ein zusätzlicher Faktor für Vermögensunterschiede: Wer bei der Geldanlage stärker auf Sicherheit setzt, reduziert zwar bestimmte Schwankungsrisiken, nimmt bei niedrigerer Verzinsung aber zugleich geringere langfristige Ertragschancen in Kauf.

Auch die Sparrate unterscheidet sich

Hinzu kommt, dass Frauen laut Verivox häufig weniger Geld für die Altersvorsorge zurücklegen können. Einer repräsentativen Umfrage des Unternehmens vom Januar 2026 zufolge sparen 42 Prozent der Frauen monatlich höchstens 100 Euro für ihre Altersvorsorge. Bei Männern legt dagegen mehr als jeder Dritte monatlich über 100 Euro zurück.

Gerade bei kleinen Sparraten können langfristige Renditeunterschiede deshalb besonders ins Gewicht fallen. Verivox rechnet beispielsweise vor: Eine 30-jährige Person, die monatlich 50 Euro in einen ETF investiert, könnte bis zum Renteneintritt bei den zugrunde gelegten Annahmen rund 96.000 Euro nach Steuern erreichen.

Auf einem mit 2,5 Prozent verzinsten Sparkonto wäre dafür mindestens die doppelte monatliche Sparrate erforderlich. Selbst bei 100 Euro monatlich läge das errechnete Endvermögen dort mit etwa 71.000 Euro noch darunter.

Inflation schmälert die Kaufkraft

Neben Sparrate und Rendite muss beim langfristigen Vermögensaufbau ein weiterer Faktor berücksichtigt werden: die Inflation. Selbst ein auf den ersten Blick hoher Geldbetrag kann nach mehreren Jahrzehnten deutlich weniger Kaufkraft besitzen.

Verivox nennt dafür ein anschauliches Beispiel: Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von zwei Prozent hätten 300.000 Euro in 40 Jahren nur noch eine heutige Kaufkraft von rund 136.000 Euro.

Steigen Einkommen und finanzieller Spielraum im Laufe des Berufslebens, könne deshalb auch eine regelmäßige Anpassung der Sparrate eine Rolle spielen. Dadurch lasse sich der Kaufkraftverlust zumindest teilweise ausgleichen und der langfristige Vermögensaufbau beschleunigen.

Modellrechnung ist keine Renditegarantie

Die Zahlen sollten allerdings nicht als Prognose verstanden werden. Die Berechnung arbeitet mit angenommenen durchschnittlichen Renditen von 7,5 Prozent für die ETF-Anlage und 2,5 Prozent für das Sparkonto. Tatsächliche Kapitalmarktrenditen können erheblich schwanken, und Wertpapieranlagen sind mit Verlustrisiken verbunden.

Die Modellrechnung illustriert daher vor allem die mathematische Wirkung unterschiedlicher langfristiger Renditen. Je länger der Anlagezeitraum, desto stärker können sich selbst wenige Prozentpunkte Renditeunterschied durch den Zinseszinseffekt auf das Endvermögen auswirken.

Rendite wird zum entscheidenden Faktor

Für die private Altersvorsorge ergibt sich daraus ein grundlegender Zielkonflikt: Klassische Sparprodukte bieten in der Regel höhere Planbarkeit und geringere Kursschwankungen. Kapitalmarktanlagen können dagegen höhere langfristige Renditechancen bieten, gehen jedoch mit Wertschwankungen und Verlustrisiken einher.

Die Verivox-Zahlen machen deutlich, welche Größenordnung dieser Unterschied über mehrere Jahrzehnte erreichen kann. Entscheidend für den langfristigen Vermögensaufbau sind damit mehrere Faktoren gleichzeitig: Sparrate, Anlagebeginn, Rendite, Anlagedauer und Inflation.

Gerade der frühe Beginn erweist sich in den Modellrechnungen als wichtiger Hebel. Wer über Jahrzehnte regelmäßig investiert, gibt seinem Kapital mehr Zeit, vom Zinseszinseffekt zu profitieren. Umgekehrt lässt sich ein späterer Einstieg teilweise nur durch höhere Sparraten ausgleichen.

Die zentrale Erkenntnis lautet deshalb nicht, dass Sicherheit grundsätzlich die falsche Strategie ist. Vielmehr zeigt die Analyse, welchen Preis eine sehr niedrige langfristige Rendite haben kann: Schon bei vergleichsweise kleinen monatlichen Beträgen können sich über mehrere Jahrzehnte Vermögensunterschiede im sechsstelligen Bereich entwickeln.

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