Die Windpark Kooperation Nr. 4 Beteiligungs GmbH aus Bremen hat ihren Jahresabschluss für 2025 vorgelegt. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine ausgesprochen kleine Gesellschaft: Die Bilanzsumme beträgt gerade einmal 19.797 Euro. Gleichzeitig steckt hinter dem unscheinbaren Zahlenwerk eine Beteiligungsgesellschaft aus dem Umfeld der wpd GmbH, einem Unternehmen der Windenergiebranche.
Für Anleger ist deshalb entscheidend, die Bilanz richtig einzuordnen. Sie zeigt nicht die wirtschaftliche Entwicklung eines großen Windparks mit Millionenumsätzen, sondern die Vermögenslage einer Beteiligungsgesellschaft. Dennoch enthält sie einige Punkte, die genauer betrachtet werden sollten.
Jahresverlust steigt auf rund 4.100 Euro
Das auffälligste Ergebnis ist der erneute Fehlbetrag.
Die Windpark Kooperation Nr. 4 Beteiligungs GmbH weist für 2025 einen Jahresfehlbetrag von 4.087,95 Euro aus. Im Rumpfgeschäftsjahr 2024 waren es 2.593,31 Euro.
Ein direkter Vergleich der beiden Werte wäre allerdings irreführend. Das Unternehmen weist selbst darauf hin, dass das Vorjahr lediglich den Zeitraum vom 9. Juli bis 31. Dezember 2024 umfasst.
2025 war dagegen das erste vollständige Geschäftsjahr.
Der höhere Jahresverlust bedeutet daher nicht automatisch, dass sich die wirtschaftliche Situation entsprechend verschlechtert hat. Trotzdem bleibt festzuhalten: Auch im ersten vollständigen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Gesellschaft keinen Gewinn.
Bereits knapp 6.700 Euro Verluste aufgelaufen
Neben dem aktuellen Jahresfehlbetrag steht ein Verlustvortrag von 2.593,31 Euro in der Bilanz.
Zusammen mit dem Fehlbetrag für 2025 haben sich damit rechnerisch Verluste von rund 6.681 Euro angesammelt.
Bei einem gezeichneten Kapital von 25.000 Euro ist das für eine derart kleine Gesellschaft durchaus sichtbar.
Allerdings darf auch dieser Wert nicht isoliert betrachtet werden. Beteiligungsgesellschaften können zunächst laufende Verwaltungs- und Strukturkosten tragen, während mögliche wirtschaftliche Erträge aus ihren Beteiligungen erst später entstehen.
Ob genau dies hier der Fall ist, lässt sich aus dem veröffentlichten Jahresabschluss jedoch nicht ausreichend beurteilen.
Eigenkapital steigt trotz Verlust deutlich
Interessant ist die Entwicklung des Eigenkapitals.
Ende 2024 standen lediglich 9.906,69 Euro zu Buche. Zum 31. Dezember 2025 waren es 18.318,74 Euro.
Das entspricht einem Anstieg von rund 85 Prozent.
Der Grund liegt allerdings nicht in erwirtschafteten Gewinnen. Vielmehr wurde inzwischen das vollständige Stammkapital eingefordert.
2024 waren von den nominell 25.000 Euro Stammkapital noch 12.500 Euro nicht eingefordert. Ende 2025 betrugen diese ausstehenden Einlagen null Euro.
Die deutlich bessere Eigenkapitalposition ist somit vor allem auf zusätzlich eingezahltes Kapital zurückzuführen – nicht auf operative Ertragskraft.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich.
Nur 9.000 Euro Finanzanlagen
Auf der Aktivseite stehen 9.000 Euro Finanzanlagen. Im Vorjahr waren es 5.000 Euro.
Die Finanzanlagen haben sich damit um 4.000 Euro beziehungsweise 80 Prozent erhöht.
Nach den Angaben im Anhang handelt es sich um Anteile an verbundenen Unternehmen, die grundsätzlich zu Anschaffungskosten bewertet werden.
Das deutet darauf hin, dass die Beteiligungsstruktur 2025 erweitert beziehungsweise zusätzliches Kapital investiert wurde.
Was aus Anlegersicht allerdings fehlt, sind detailliertere Informationen darüber, welche konkreten Beteiligungen hinter diesen 9.000 Euro stehen und welche wirtschaftlichen Erwartungen damit verbunden sind.
Gerade bei einer Gesellschaft mit dem Namen „Windpark Kooperation“ wäre interessant zu erfahren, welche Windenergieprojekte über diese Struktur gehalten werden und in welchem Entwicklungsstadium sie sich befinden.
Der vorgelegte Abschluss beantwortet diese Fragen nicht.
Liquidität fast verdoppelt
Positiv fällt die Liquiditätsentwicklung auf.
Die Bankguthaben stiegen von 5.991 Euro auf 10.797 Euro. Damit verfügt die Gesellschaft zum Bilanzstichtag über vergleichsweise hohe liquide Mittel.
Bemerkenswert ist außerdem, dass in der Bilanz keine Verbindlichkeiten ausgewiesen werden.
Die Passivseite besteht im Wesentlichen aus Eigenkapital und Rückstellungen von rund 1.479 Euro.
Aus einer rein bilanziellen Betrachtung ergibt sich deshalb kein Hinweis auf eine hohe Fremdfinanzierung oder kurzfristige Verschuldungsprobleme innerhalb dieser Gesellschaft.
Die Eigenkapitalquote liegt rechnerisch bei rund 92,5 Prozent.
Das sieht zunächst ausgesprochen solide aus. Bei einer Bilanzsumme von weniger als 20.000 Euro sollte diese Kennzahl allerdings nicht überbewertet werden. Die Aussagekraft einer hohen Eigenkapitalquote ist bei einer kleinen Beteiligungsgesellschaft eine andere als bei einer operativen Windparkgesellschaft mit Millioneninvestitionen und Bankkrediten.
Die entscheidende Frage: Wo entstehen künftig die Erträge?
Für Anleger liegt genau hier der wichtigste Punkt.
Die Bilanz der Windpark Kooperation Nr. 4 Beteiligungs GmbH enthält praktisch keine Informationen über eine operative Geschäftstätigkeit.
Es gibt keine veröffentlichte Gewinn- und Verlustrechnung mit Angaben zu Umsätzen oder Beteiligungserträgen. Als kleine Kapitalgesellschaft kann das Unternehmen bei der Offenlegung gesetzliche Erleichterungen nutzen.
Das ist rechtlich üblich, schränkt aber die wirtschaftliche Analyse erheblich ein.
Aus den veröffentlichten Zahlen lässt sich daher beispielsweise nicht erkennen, ob bereits Erträge aus Windenergieprojekten erzielt werden, wann Ausschüttungen aus Beteiligungen erwartet werden oder welche Investitionen künftig geplant sind.
Einordnung in die wpd-Gruppe
Die Gesellschaft wird nach eigenen Angaben in den Konzernabschluss der wpd GmbH mit Sitz in Bremen einbezogen.
Für die wirtschaftliche Beurteilung ist das relevant, weil die Windpark Kooperation Nr. 4 Beteiligungs GmbH damit nicht isoliert betrachtet werden sollte.
Die Geschäftsführer Dr. Gernot Blanke und Björn Nullmeyer führten die Gesellschaft im Geschäftsjahr 2025.
Der Konzernabschluss der wpd GmbH wird laut Anhang im Unternehmensregister offengelegt. Wer die wirtschaftliche Bedeutung der Beteiligungsgesellschaft genauer beurteilen möchte, müsste deshalb zusätzlich die Konzernstruktur und insbesondere die Gesellschaften untersuchen, an denen die Windpark Kooperation Nr. 4 beteiligt ist.
Was aus Anlegersicht positiv auffällt
Die Gesellschaft verfügt über eine sehr hohe rechnerische Eigenkapitalquote, weist keine bilanziellen Verbindlichkeiten aus und besitzt Ende 2025 knapp 10.800 Euro liquide Mittel.
Außerdem wurde das Stammkapital inzwischen vollständig eingefordert. Die Finanzanlagen wurden von 5.000 auf 9.000 Euro erhöht.
Diese Punkte sprechen zumindest auf Ebene dieser Gesellschaft nicht für eine unmittelbar angespannte Bilanzsituation.
Was kritisch beobachtet werden sollte
Auf der anderen Seite steht erneut ein Jahresverlust. Nach zwei Geschäftsjahren beziehungsweise Geschäftsjahreszeiträumen summieren sich Verlustvortrag und aktueller Fehlbetrag auf rund 6.700 Euro.
Noch wichtiger ist jedoch die begrenzte Transparenz des veröffentlichten Abschlusses.
Für eine fundierte Anlegerbewertung fehlen zentrale Informationen: Welche konkreten Windparkbeteiligungen werden gehalten? Wie hoch ist der wirtschaftliche Wert dieser Projekte? Wann sollen sie Erträge liefern? Welche weiteren Finanzierungsverpflichtungen könnten entstehen? Und welche Renditen werden auf Ebene der Beteiligungen tatsächlich erzielt?
Der Jahresabschluss beantwortet diese Fragen nicht.
Fazit: Solide kleine Bilanz – aber noch keine erkennbare Ertragsgeschichte
Die Windpark Kooperation Nr. 4 Beteiligungs GmbH präsentiert für 2025 eine weitgehend schuldenfreie und eigenkapitalstarke Bilanz. Gleichzeitig schreibt die Gesellschaft Verluste und verfügt bislang lediglich über Finanzanlagen von 9.000 Euro.
Die Bilanzsumme hat sich von rund 10.991 Euro auf 19.797 Euro deutlich erhöht. Dahinter stehen jedoch vor allem zusätzlich eingezahltes Kapital und höhere Finanzanlagen – nicht erwirtschaftete Gewinne.
Für Anleger wäre deshalb weniger der Jahresfehlbetrag von rund 4.100 Euro das entscheidende Warnsignal. Wichtiger ist die Frage, wann und in welchem Umfang die Beteiligungen künftig Erträge erwirtschaften können.
Genau darüber verrät der veröffentlichte Abschluss bislang wenig.