Die Windpark Oberngrub Infrastruktur oHG aus Harrislee hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem deutlich höheren Gewinn abgeschlossen, obwohl die Umsatzerlöse kräftig zurückgegangen sind.
Der Jahresüberschuss steigt von 14.498,10 Euro im Jahr 2024 auf 27.923,64 Euro im Jahr 2025. Das entspricht einem Zuwachs um 13.425,54 Euro beziehungsweise rund 92,6 Prozent.
Damit hat die Gesellschaft ihren Gewinn nahezu verdoppelt.
Bemerkenswert ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil das klassische Umsatzgeschäft gleichzeitig rückläufig war.
Die Umsatzerlöse sanken von 1,197 Millionen Euro auf 1,060 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um rund 137.445 Euro beziehungsweise 11,5 Prozent.
Dass unter dem Strich trotzdem ein deutlich höherer Jahresüberschuss erzielt wurde, hängt wesentlich mit einer anderen Position zusammen: den sonstigen betrieblichen Erträgen.
Diese erhöhten sich von 532.937 Euro auf 747.233 Euro.
Das ist ein Anstieg um rund 214.296 Euro beziehungsweise 40,2 Prozent.
Damit machen die sonstigen betrieblichen Erträge inzwischen einen erheblichen Teil der gesamten Ertragsbasis der Gesellschaft aus.
Die genaue Zusammensetzung dieser Erträge wird in den vorliegenden Unterlagen allerdings nicht erläutert.
Das ist für die wirtschaftliche Bewertung relevant.
Denn die Gewinnentwicklung 2025 ist nicht einfach das Ergebnis steigender Umsätze. Im Gegenteil: Das Kerngeschäft, soweit es sich in den Umsatzerlösen widerspiegelt, hat weniger Erlöse geliefert als im Vorjahr.
Der höhere Jahresüberschuss entsteht vielmehr vor dem Hintergrund stark gestiegener sonstiger betrieblicher Erträge.
Gleichzeitig sind allerdings auch die sonstigen betrieblichen Aufwendungen kräftig gestiegen.
Sie erhöhten sich von 452.172 Euro auf 679.374 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 227.202 Euro beziehungsweise 50,2 Prozent.
Damit wurde ein großer Teil des zusätzlichen Ertragsanstiegs durch höhere sonstige Aufwendungen wieder aufgezehrt.
Beim Materialaufwand zeigt sich dagegen eine deutliche Entlastung.
Dieser sank von 1,201 Millionen Euro auf 1,069 Millionen Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 131.444 Euro beziehungsweise knapp 10,9 Prozent.
Auffällig ist dennoch, dass der Materialaufwand mit 1,069 Millionen Euro sogar leicht über den Umsatzerlösen von 1,060 Millionen Euro liegt.
Allein aus Umsatzerlösen und Materialaufwand ergibt sich damit zunächst ein negativer Saldo.
Umso wichtiger sind die sonstigen betrieblichen Erträge für das Gesamtergebnis der Gesellschaft.
Genau hier liegt einer der zentralen Punkte des Jahresabschlusses 2025:
Der ausgewiesene Gewinn wird nicht allein durch die klassischen Umsatzerlöse getragen. Die sonstigen betrieblichen Erträge spielen für das positive Ergebnis eine entscheidende Rolle.
Ohne eine detailliertere Erläuterung ihrer Herkunft lässt sich allerdings nicht beurteilen, inwieweit diese Erträge regelmäßig wiederkehren oder möglicherweise besonderen Vorgängen des Geschäftsjahres zuzuordnen sind.
Auch die Abschreibungen haben sich deutlich verändert.
2024 wurden noch 62.250 Euro abgeschrieben. 2025 sind es lediglich 31.124 Euro.
Das hängt unmittelbar mit dem stark abgeschmolzenen Sachanlagevermögen zusammen.
Zum 31. Dezember 2024 standen technische Anlagen und Maschinen noch mit 31.125 Euro in der Bilanz.
Ein Jahr später beträgt der Buchwert nur noch 1 Euro.
Das gesamte Sachanlagevermögen der Windpark Oberngrub Infrastruktur oHG ist damit bilanziell praktisch vollständig abgeschrieben.
Der Ein-Euro-Ansatz darf dabei nicht mit einem wirtschaftlichen Wert von lediglich einem Euro verwechselt werden.
Er bedeutet zunächst nur, dass die betreffenden technischen Anlagen nach den angewandten Abschreibungsregeln nahezu vollständig abgeschrieben sind.
Ob sie weiterhin genutzt werden, welchen tatsächlichen wirtschaftlichen Wert sie besitzen oder wann Investitionen beziehungsweise Ersatzmaßnahmen erforderlich werden, lässt sich aus dem Jahresabschluss allein nicht bestimmen.
Öffentlich zugängliche Angaben führen die Windpark Oberngrub Infrastruktur oHG als Betreiberin beziehungsweise Infrastrukturgesellschaft im Zusammenhang mit dem Windpark Oberngrub. Für den Standort werden fünf Windenergieanlagen mit zusammen rund 7,5 Megawatt Leistung genannt.
Für die Bilanzanalyse entscheidend ist jedoch zunächst der vorgelegte Einzelabschluss.
Die Bilanzsumme erhöhte sich 2025 von 536.460,74 Euro auf 583.508,50 Euro.
Das entspricht einem Zuwachs um rund 47.048 Euro beziehungsweise 8,8 Prozent.
Die Vermögensseite wird inzwischen fast vollständig von Forderungen geprägt.
Die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände stiegen von 457.606 Euro auf 544.423 Euro.
Damit machen sie rund 93 Prozent der gesamten Bilanzsumme aus.
Innerhalb dieser Position fallen insbesondere die Forderungen gegenüber Gesellschaftern auf.
Sie erhöhten sich von 336.510,66 Euro auf 359.013,44 Euro.
Damit stehen mehr als 359.000 Euro Forderungen gegen Gesellschafter in der Bilanz.
Das entspricht rund 61,5 Prozent der gesamten Bilanzsumme.
Daneben bestehen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 122.559,61 Euro.
Diese lagen im Vorjahr noch bei 101.513,32 Euro.
Die sonstigen Vermögensgegenstände erhöhten sich sogar von 19.582,15 Euro auf 62.849,58 Euro.
Damit zeigt sich eine bemerkenswerte Vermögensstruktur:
Die Gesellschaft besitzt bilanziell praktisch keine technischen Anlagen mehr, dafür aber mehr als eine halbe Million Euro Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände.
Eine gesonderte Position für Bankguthaben oder Kassenbestand wird in der vorgelegten Bilanz nicht ausgewiesen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass keinerlei Liquidität vorhanden war. Aus dem vorliegenden Bilanzausweis lässt sich jedoch kein eigener Bankbestand ablesen.
Gerade deshalb ist die Werthaltigkeit und Einbringlichkeit der Forderungen für die Vermögenslage besonders relevant.
Das gilt insbesondere für die hohen Forderungen gegenüber Gesellschaftern.
Auf der Passivseite zeigt sich ebenfalls eine starke Verflechtung mit den Gesellschaftern.
Die Verbindlichkeiten erhöhten sich insgesamt von 158.873 Euro auf 177.902 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 19.029 Euro beziehungsweise zwölf Prozent.
Davon entfallen 107.932,12 Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.
Im Vorjahr waren es noch 86.530,25 Euro.
Damit stieg diese Position um gut 21.400 Euro beziehungsweise rund 24,7 Prozent.
Die Gesellschaft hat also gleichzeitig hohe Forderungen gegen Gesellschafter und erhebliche Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.
Das ist bei gesellschaftsrechtlich eng verbundenen Infrastruktur- oder Projektstrukturen nicht zwangsläufig ungewöhnlich.
Für Außenstehende wäre allerdings interessant zu wissen, welche konkreten Leistungs-, Verrechnungs- oder Finanzierungsbeziehungen hinter diesen Positionen stehen.
Der Jahresabschluss liefert hierzu keine tiefergehende Aufschlüsselung.
Hinzu kommen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen von 69.969,94 Euro.
Diese lagen 2024 noch bei 41.237,48 Euro.
Damit sind auch die Lieferantenverbindlichkeiten deutlich gestiegen.
Positiv ist dagegen, dass sämtliche Verbindlichkeiten eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr haben und keinerlei langfristige Verbindlichkeiten von mehr als fünf Jahren ausgewiesen werden.
Das bedeutet allerdings zugleich, dass die gesamten 177.902 Euro bilanziell innerhalb eines Jahres fällig sind.
Wie komfortabel diese kurzfristige Struktur tatsächlich ist, hängt stark davon ab, wie schnell und vollständig die mehr als 544.000 Euro Forderungen realisiert werden können.
Das Eigenkapital entwickelt sich positiv.
Die Kapitalanteile der persönlich haftenden Gesellschafter stiegen von 373.217,59 Euro auf 401.141,23 Euro.
Der Zuwachs entspricht exakt dem Jahresüberschuss von 27.923,64 Euro.
Das liegt daran, dass der Gewinn vollständig den Kapitalkonten gutgeschrieben wurde.
Ein Bilanzgewinn wird deshalb mit null Euro ausgewiesen.
Das ist ein wichtiger Punkt:
Ein Bilanzgewinn von null Euro bedeutet hier ausdrücklich nicht, dass die Gesellschaft keinen Gewinn erzielt hat.
Der Jahresüberschuss von 27.923,64 Euro wurde vielmehr vollständig den Kapitalkonten der Gesellschafter gutgeschrieben.
Dadurch erhöht sich das Eigenkapital entsprechend.
Die rechnerische Eigenkapitalquote liegt Ende 2025 bei rund 68,7 Prozent.
Im Vorjahr waren es rund 69,6 Prozent.
Trotz des höheren absoluten Eigenkapitals ist die Quote damit leicht zurückgegangen, weil die Bilanzsumme insgesamt stärker gewachsen ist.
Dennoch verfügt die Gesellschaft weiterhin über eine hohe Eigenkapitalbasis.
Die Gesellschafterstruktur ist dabei ungewöhnlich umfangreich.
Persönlich haftende Gesellschafter waren im Jahr 2025 fünf Gesellschaften:
die Windpark Oberngrub I ApS & Co. KG,
die Windpark Oberngrub II ApS & Co. KG,
die Windpark Oberngrub III ApS & Co. KG,
die Windpark Oberngrub IV ApS & Co. KG
und die Windpark Oberngrub V ApS & Co. KG.
Für diese Gesellschaften werden Haftkapitalbeträge zwischen 900.000 und 982.000 Euro genannt.
Als jeweilige persönlich haftende Gesellschaften werden dänische ApS-Gesellschaften aufgeführt.
Geschäftsführer ist jeweils Carsten Lind Pedersen.
Diese Struktur passt zu einer gemeinsamen Infrastrukturgesellschaft, über die mehrere einzelne Windparkgesellschaften miteinander verbunden sind.
Der Jahresabschluss zeigt zudem, dass die Windpark Oberngrub Infrastruktur oHG im Geschäftsjahr keine Arbeitnehmer beschäftigte.
Damit dürften wesentliche Leistungen extern beziehungsweise über die beteiligten Gesellschaften organisiert sein.
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Ergebnisqualität.
Der Jahresüberschuss hat sich zwar fast verdoppelt, die Gewinnmarge bezogen auf die Umsatzerlöse bleibt aber vergleichsweise niedrig.
Sie steigt rechnerisch von rund 1,2 Prozent auf 2,6 Prozent.
Das Unternehmen arbeitet damit profitabel, aber der absolute Gewinn von knapp 28.000 Euro ist im Verhältnis zu einem Umsatz von gut einer Million Euro weiterhin überschaubar.
Hinzu kommt die starke Abhängigkeit des Ergebnisses von den sonstigen betrieblichen Erträgen.
Diese machen 2025 mehr als 747.000 Euro aus.
Damit erreichen sie eine Größenordnung von rund 70 Prozent der eigentlichen Umsatzerlöse.
Für die Beurteilung der Nachhaltigkeit des Gewinns wäre deshalb von besonderem Interesse, woraus diese Position besteht.
Handelt es sich überwiegend um regelmäßig wiederkehrende interne Verrechnungen, Nutzungsentgelte oder andere dauerhafte Erträge, wäre das anders zu bewerten als einmalige Sondereffekte.
Der vorgelegte Jahresabschluss beantwortet diese Frage nicht.
Auch die Entwicklung der sonstigen betrieblichen Aufwendungen sollte beobachtet werden.
Diese steigen um mehr als 227.000 Euro auf 679.374 Euro.
Damit wächst dieser Kostenblock sogar stärker als die sonstigen betrieblichen Erträge.
Dass der Jahresüberschuss trotzdem steigt, hängt unter anderem mit dem geringeren Materialaufwand und den halbierten Abschreibungen zusammen.
Insgesamt zeigt der Jahresabschluss deshalb kein einfaches Bild von „mehr Umsatz gleich mehr Gewinn“.
Ganz im Gegenteil:
Der Umsatz fällt, der Gewinn steigt.
Dahinter steckt eine deutliche Verschiebung innerhalb der Gewinn- und Verlustrechnung.
Weniger Umsatzerlöse stehen deutlich höheren sonstigen betrieblichen Erträgen gegenüber.
Der Materialaufwand sinkt.
Die Abschreibungen halbieren sich.
Gleichzeitig steigen die sonstigen betrieblichen Aufwendungen erheblich.
Unter dem Strich bleibt dennoch ein Jahresüberschuss von 27.923,64 Euro.
Für das Verständnis der Gesellschaft ist außerdem der nahezu vollständige Werteverzehr des Sachanlagevermögens von Bedeutung.
2023 lag das Sachanlagevermögen öffentlich zugänglichen Finanzdaten zufolge noch bei rund 93.000 Euro, 2024 bei 31.125 Euro und Ende 2025 nun bei einem Erinnerungswert von einem Euro.
Damit ist die Abschreibungsphase der bestehenden technischen Anlagen bilanziell praktisch abgeschlossen.
In zukünftigen Geschäftsjahren könnte dies zunächst dazu führen, dass aus diesen alten Anlagen kaum noch reguläre Abschreibungen entstehen.
Andererseits stellt sich langfristig die Frage, ob und wann Ersatzinvestitionen notwendig werden.
Aus dem Jahresabschluss 2025 lässt sich hierzu keine Aussage ableiten.
Für 2025 bleibt damit ein ungewöhnlicher, aber insgesamt positiver Ergebnisbefund:
Die Windpark Oberngrub Infrastruktur oHG verdient trotz sinkender Umsätze mehr Geld als im Vorjahr.
Der Jahresüberschuss steigt um fast 93 Prozent auf knapp 28.000 Euro.
Das Eigenkapital wächst auf mehr als 401.000 Euro.
Die Gesellschaft weist keine langfristigen Verbindlichkeiten aus.
Gleichzeitig bestehen aber erhebliche kurzfristige Verbindlichkeiten von rund 178.000 Euro und eine Vermögensstruktur, die fast vollständig aus Forderungen besteht.
Besonders auffällig sind dabei die Beziehungen zu den Gesellschaftern: Rund 359.000 Euro Forderungen gegenüber Gesellschaftern stehen rund 108.000 Euro Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern gegenüber.
Das größte Fragezeichen des Abschlusses steht jedoch in der Gewinn- und Verlustrechnung.
Woher stammen die 747.233 Euro sonstigen betrieblichen Erträge – und wie nachhaltig sind sie?
Denn genau diese Position trägt wesentlich dazu bei, dass die Gesellschaft trotz rückläufiger Umsatzerlöse und deutlich höherer sonstiger Aufwendungen einen höheren Gewinn erzielt.