Die aktuellen Kraftstoffpreise werfen zunehmend eine grundsätzliche Frage auf: Wie viel Belastung kann und soll Autofahrern noch zugemutet werden?
Ein Liter Super E5 kostete Ende August in Deutschland durchschnittlich 2,24 Euro. In Polen waren es lediglich 1,52 Euro, in Tschechien 1,74 Euro und in Österreich 1,78 Euro. Ein derart großer Unterschied lässt sich nicht allein mit dem Weltmarktpreis für Rohöl erklären.
Genau darauf weist inzwischen auch der ADAC hin. Nach dessen Einschätzung rechtfertigt der gestiegene Rohölpreis das derzeitige Preisniveau an den deutschen Tankstellen nicht vollständig. Tanken sei weiterhin deutlich zu teuer.
Gleichzeitig besteht ein erheblicher Teil des deutschen Benzinpreises aus Steuern und staatlich veranlassten Kosten. Energiesteuer, CO₂-Bepreisung und Mehrwertsteuer machen zusammen häufig mehr als die Hälfte des Literpreises aus. Im Juli 2026 lag der durchschnittliche Steuer- und Abgabenanteil bei Benzin bei rund 57 Prozent.
Das bedeutet allerdings auch: Die Politik besitzt durchaus Möglichkeiten, die Belastung zu beeinflussen.
Wie deutlich eine Steuersenkung beim Verbraucher ankommen kann, zeigte der Tankrabatt im Mai und Juni. Die Energiesteuer wurde um 14,04 Cent je Liter reduziert. Einschließlich der dadurch ebenfalls geringeren Mehrwertsteuer ergab sich eine mögliche Entlastung von rund 17 Cent je Liter.
Seit dem 1. Juli ist diese Entlastung wieder entfallen.
Für einen Haushalt mit zwei Autos oder einen Berufspendler summieren sich wenige Cent je Liter schnell zu erheblichen Beträgen. Wer beispielsweise monatlich 150 Liter Benzin benötigt, bezahlt bei einem Literpreis von 2,24 Euro 336 Euro im Monat. Bei 1,70 Euro wären es nur 255 Euro – ein Unterschied von 81 Euro monatlich beziehungsweise 972 Euro im Jahr.
Und anders als bei vielen anderen Konsumausgaben können gerade Berufspendler nicht einfach auf den Kauf verzichten. Wer morgens zur Arbeit fahren muss und keine brauchbare Alternative mit Bus oder Bahn hat, muss tanken – unabhängig davon, ob der Liter 1,70 Euro, 2,20 Euro oder 2,50 Euro kostet.
Damit wird der Kraftstoffpreis zunehmend auch zu einer sozialen Frage.
Wo liegt die Schmerzgrenze?
Eine einheitliche Schmerzgrenze gibt es nicht. Die 100-Euro-Marke für eine gewöhnliche Tankfüllung ist allerdings längst überschritten.
50 Liter Super E5 zu 2,24 Euro kosten 112 Euro.
Steigt der Literpreis auf 2,50 Euro, werden daraus 125 Euro.
Bei 3 Euro wären es 150 Euro für eine einzige Tankfüllung.
Entscheidend ist deshalb weniger eine bestimmte magische Literpreisgrenze als die monatliche Gesamtbelastung. Wer das Auto zwingend benötigt, kann seinen Benzinverbrauch nicht beliebig reduzieren. Steigen die Mobilitätskosten weiter, muss das Geld an anderer Stelle eingespart werden – beim Einkauf, bei Freizeitaktivitäten, beim Urlaub oder bei den privaten Rücklagen.
Die nächste Belastung ist bereits im System angelegt
Auch wenn sich der Iran-Konflikt beruhigen und der Ölpreis wieder deutlich sinken sollte, bedeutet dies nicht automatisch eine Rückkehr zu dauerhaft billigem Benzin.
Die Energiesteuer von 65,45 Cent je Liter bleibt bestehen. Hinzu kommt die CO₂-Bepreisung.
2026 bewegt sich der CO₂-Preis zwischen 55 und 65 Euro je Tonne. Bei einem mittleren Wert von 60 Euro verteuert die CO₂-Bepreisung Benzin um rund 17 Cent je Liter gegenüber einem Kraftstoffpreis ohne CO₂-Abgabe.
Auch für 2027 ist zunächst ein Korridor von 55 bis 65 Euro vorgesehen. Ab 2028 soll der europäische Emissionshandel ETS II für Gebäude und Straßenverkehr starten. Wie hoch die daraus resultierenden CO₂-Kosten künftig tatsächlich ausfallen werden, lässt sich heute noch nicht zuverlässig sagen.
Gerade deshalb muss die Frage erlaubt sein, wie weitere Belastungen der Autofahrer sozial abgefedert werden sollen.
Denn Klimaschutz über höhere Preise funktioniert nur dann sozial ausgewogen, wenn Verbraucher tatsächlich eine Alternative haben. Ein Arbeitnehmer auf dem Land, der jeden Morgen 30 Kilometer zur Arbeit fahren muss und weder Bahn noch eine geeignete Busverbindung nutzen kann, kann seinen Arbeitsweg nicht einfach abschaffen.
Irgendwann wird aus dem Spritpreis ein Wirtschaftsproblem
Hohe Kraftstoffpreise treffen außerdem nicht nur denjenigen, der an der Tankstelle die Rechnung bezahlt.
Auch Handwerksbetriebe, Pflegedienste, Speditionen, Lieferdienste und andere Unternehmen müssen ihre Fahrzeuge betanken. Steigen deren Kosten dauerhaft, werden sie zumindest einen Teil davon über höhere Preise an ihre Kunden weitergeben müssen.
Damit können hohe Kraftstoffpreise mittelbar auch Lebensmittel, Dienstleistungen, Handwerkerrechnungen und andere Waren verteuern.
Die Diskussion darf sich deshalb nicht auf die Frage reduzieren, ob Autofahrer noch zehn oder zwanzig Cent mehr für einen Liter Benzin verkraften können.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wie teuer darf notwendige Mobilität werden?
Deutschland gehört bereits heute zu den europäischen Ländern mit besonders hohen Kraftstoffpreisen. Gleichzeitig besteht ein erheblicher Teil des Benzinpreises aus Steuern und staatlich veranlassten Kosten.
Wenn sich die Lage am Ölmarkt wieder entspannt, wird deshalb genau zu beobachten sein, ob die Preise an den deutschen Tankstellen entsprechend deutlich zurückgehen.
Geschieht dies nicht, lässt sich ein Preis von weit über zwei Euro je Liter irgendwann nicht mehr allein mit internationalen Krisen erklären.
Dann muss sich die Politik ebenso die Frage gefallen lassen wie Mineralölwirtschaft und Handel:
Warum muss der deutsche Verbraucher für seine Mobilität so viel mehr bezahlen als Verbraucher in vielen anderen europäischen Ländern – und wo soll diese Entwicklung noch hinführen?