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Schockanruf in Thüringen: Falsche Polizisten erbeuten Gold- und Silbermünzen im Wert von 20.000 Euro
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Schockanruf in Thüringen: Falsche Polizisten erbeuten Gold- und Silbermünzen im Wert von 20.000 Euro

sabinevanerp (CC0), Pixabay

Ein Seniorenpaar aus dem Landkreis Hildburghausen ist Opfer eines perfiden Schockanrufs geworden. Unbekannte gaben sich am Telefon als Mitarbeiter der bayerischen Kriminalpolizei aus und behaupteten, die Tochter des Ehepaares habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Um eine angebliche Inhaftierung zu verhindern, sollten die Eltern Geld und Wertgegenstände übergeben.

Am Ende verloren die Senioren Gold- und Silbermünzen im Gesamtwert von rund 20.000 Euro.

Angeblicher tödlicher Unfall der Tochter

Die Täter konfrontierten das Ehepaar mit einer dramatischen Geschichte. Die Tochter habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem ein Mensch ums Leben gekommen sei. Deshalb drohe ihr nun die sofortige Inhaftierung.

Eine solche Situation hat es tatsächlich nicht gegeben. Die Geschichte diente dazu, die Senioren unter enormen emotionalen Druck zu setzen.

Die vermeintlichen Polizeibeamten erklärten den Eltern, dass eine Haft ihrer Tochter nur durch die Übergabe von Bargeld oder Wertgegenständen verhindert werden könne. Damit nutzten die Täter gezielt die Sorge der Eltern um ihr Kind aus.

Betrüger trennten das Ehepaar gezielt voneinander

Besonders auffällig ist die Vorgehensweise der Täter: Die beiden Eheleute wurden während des Betrugs faktisch voneinander getrennt.

Auf Anweisung der Anrufer machte sich der Ehemann auf den Weg nach Bamberg in Bayern. Dort sollte er angeblich seine Tochter aus der Haft abholen.

Während der Mann unterwegs war, blieb seine Ehefrau zu Hause. Dadurch konnten sich die beiden Senioren offenbar nicht mehr unmittelbar miteinander über die ungewöhnlichen Forderungen abstimmen.

Genau in dieser Situation erfolgte die Übergabe der Wertgegenstände.

Unbekannter holt Münzen bei Seniorin ab

Während sich ihr Mann auf dem Weg nach Bamberg befand, übergab die Frau einem unbekannten Abholer Gold- und Silbermünzen.

Der Wert der Münzen wird mit rund 20.000 Euro angegeben.

Erst nachdem die Wertgegenstände den Besitzer gewechselt hatten, wurde deutlich, dass das Ehepaar Opfer eines Betrugs geworden war.

Schockanrufe setzen Opfer gezielt unter Zeitdruck

Der Fall zeigt ein typisches Merkmal sogenannter Schockanrufe: Die Täter konfrontieren ihre Opfer mit einer angeblichen familiären Katastrophe und versuchen dadurch, rationales Nachdenken zu verhindern.

Häufig geht es um einen vermeintlich schweren Verkehrsunfall eines Kindes oder Enkelkindes. Anschließend wird behauptet, eine sofortige Geldzahlung könne eine Untersuchungshaft oder andere schwerwiegende Konsequenzen verhindern.

Der psychologische Druck ist dabei entscheidend. Betroffene sollen möglichst keine Gelegenheit bekommen, Angehörige anzurufen oder die Geschichte bei der echten Polizei zu überprüfen.

Polizei verlangt keine Übergabe von Wertsachen am Telefon

Bei entsprechenden Anrufen gilt deshalb eine einfache Schutzregel: Kein Geld und keine Wertgegenstände an unbekannte Personen übergeben.

Wer einen solchen Anruf erhält, sollte das Gespräch beenden und anschließend selbstständig die Polizei über die bekannte Notrufnummer 110 beziehungsweise die örtliche Polizeidienststelle kontaktieren.

Auch der angeblich betroffene Angehörige sollte über eine bereits bekannte Telefonnummer angerufen werden. Telefonnummern oder Kontaktdaten, die der Anrufer selbst nennt, sollten nicht verwendet werden.

Besonders wichtig ist außerdem, sich nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft verlangen telefonisch die Übergabe von Bargeld, Schmuck, Gold oder anderen Wertgegenständen, damit ein Angehöriger einer Haftstrafe entgeht.

Angehörige sollten mit Senioren über die Masche sprechen

Der aktuelle Fall aus Thüringen macht erneut deutlich, wie wichtig Prävention ist. Familien sollten insbesondere mit älteren Angehörigen darüber sprechen, wie Schockanrufe funktionieren.

Hilfreich kann eine klare Vereinbarung sein: Bei jeder ungewöhnlichen Geldforderung wird zunächst ein Familienmitglied über eine bekannte Telefonnummer kontaktiert – unabhängig davon, wie dringend oder dramatisch die Situation am Telefon dargestellt wird.

Auch ein innerhalb der Familie vereinbartes Kennwort kann zusätzliche Sicherheit schaffen, wenn sich am Telefon jemand als Angehöriger ausgibt.

Nach einer Übergabe zählt jede Minute

Wer bereits Bargeld, Schmuck, Münzen oder andere Wertgegenstände übergeben hat, sollte unverzüglich die Polizei verständigen.

Betroffene sollten sich möglichst genau an den Anrufer und einen möglichen Abholer erinnern und Telefonnummern, Anruflisten sowie weitere Kommunikationsdaten nicht löschen.

Auch Informationen über ein verwendetes Fahrzeug, Kleidung, Aussehen, Sprache oder Fluchtrichtung eines Abholers können für die Ermittlungen wichtig sein.

Der Fall aus dem Landkreis Hildburghausen zeigt dabei besonders eindrücklich, wie professionell die Täter ihre Opfer unter Druck setzen können. Das Seniorenpaar wurde nicht nur mit einer erfundenen Notlage der eigenen Tochter konfrontiert – die Täter sorgten offenbar auch dafür, dass die Ehepartner während des entscheidenden Moments voneinander getrennt waren.

Am Ende entstand ein Schaden von rund 20.000 Euro.

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