Der mutmaßliche Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle entwickelt sich zu einem immer umfangreicheren Ermittlungsfall. Offenbar waren mehr Drohnen im Spiel als zunächst bekannt. Nach Informationen von WDR, NDR und „Süddeutscher Zeitung“ wurde auf einem Feld in Kabelsketal eine weitere Drohne entdeckt. Der Fundort liegt nur rund zehn Kilometer vom Flughafen entfernt.
Besonders brisant: In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Fund sollen die Ermittler außerdem rund 50 Gramm einer verdächtigen Substanz sichergestellt haben. Nach den bisherigen Recherchen besteht der Verdacht, dass es sich dabei um Hexogen handeln könnte.
Ob sich dieser Verdacht bestätigt, müssen die Untersuchungen zeigen. Gerade dieser Punkt ist entscheidend, denn die genaue Zusammensetzung des Materials ist nach den bislang vorliegenden Informationen noch nicht abschließend festgestellt.
Weitere Drohne bereits vor eineinhalb Wochen gefunden
Der neue Fund ist offenbar nicht ganz aktuell: Die Drohne soll bereits vor etwa eineinhalb Wochen auf dem Feld in Kabelsketal entdeckt worden sein. Erst jetzt werden weitere Einzelheiten öffentlich bekannt.
Das Fluggerät befindet sich inzwischen beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Dort soll es eingehend untersucht werden. Rechercheleiter Jörg Diehl erklärte gegenüber dem MDR, dass das BKA die Drohne analysiere.
Damit könnte das sichergestellte Fluggerät zu einem wichtigen Beweisstück werden. Ob sich daraus Rückschlüsse auf die Herkunft oder einen Zusammenhang mit den anderen Drohnen ziehen lassen, ist auf Grundlage der bislang veröffentlichten Informationen allerdings noch offen.
Was geschah Anfang August am Flughafen?
Ausgangspunkt der Ermittlungen sind die Vorfälle am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August. Dort war eine Sprengstoff-Drohne entdeckt worden. Zudem hatte ein zweites Flugobjekt ein Frachtflugzeug beschädigt.
Mit dem jetzt bekannt gewordenen Fund in Kabelsketal steht damit mindestens ein weiteres Fluggerät im Mittelpunkt der Ermittlungen.
Die entscheidende Frage lautet nun: Handelt es sich um voneinander unabhängige Vorfälle – oder gehörten die Drohnen zu einem gemeinsamen Vorgehen?
Eine belastbare Antwort darauf gibt es bislang nicht.
Fundort Kabelsketal rückt in den Mittelpunkt
Auch die Lage des Fundortes dürfte für die Ermittlungen eine Rolle spielen. Kabelsketal befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Flughafen Leipzig/Halle. Dass dort ein weiteres Fluggerät sowie eine möglicherweise explosive Substanz entdeckt worden sein sollen, verleiht dem Fund besondere Bedeutung.
Noch ist jedoch nicht bekannt, unter welchen Umständen die Drohne auf das Feld gelangte. Ebenso offen bleibt nach den vorliegenden Informationen, ob sie dort abstürzte, landete oder zurückgelassen wurde.
50 Gramm verdächtige Substanz sichergestellt
Besonders sensibel ist der Bericht über die rund 50 Gramm Material, das am Fundort entdeckt worden sein soll.
Bei der Substanz könnte es sich nach den Recherchen um Hexogen handeln. Genau an dieser Stelle ist eine klare Trennung zwischen Verdacht und gesichertem Befund notwendig: Dass es sich tatsächlich um Hexogen handelt, ist bislang nicht bestätigt.
Die Analyse des Materials dürfte deshalb für die weitere Bewertung des Falls von großer Bedeutung sein.
BKA soll weitere Hinweise aus der Drohne gewinnen
Auch die technische Untersuchung der sichergestellten Drohne könnte neue Erkenntnisse bringen. Im Mittelpunkt dürfte dabei grundsätzlich die Frage stehen, ob sich das Fluggerät mit den bereits bekannten Vorfällen am Flughafen in Verbindung bringen lässt.
Was die Ermittler aus der Drohne bislang gewinnen konnten, ist jedoch nicht öffentlich bekannt.
Entsprechend wäre es derzeit verfrüht, aus dem Fund bereits Rückschlüsse auf mögliche Täter, Auftraggeber oder Motive zu ziehen.
Wurde ein größerer Anschlag vorbereitet?
Genau diese Frage dürfte nach Bekanntwerden des zusätzlichen Fundes verstärkt gestellt werden. Eine weitere Drohne in der Umgebung des Flughafens und der Fund einer möglicherweise explosiven Substanz lassen den Fall jedenfalls umfangreicher erscheinen als zunächst bekannt.
Ob tatsächlich ein koordiniertes Anschlagsszenario vorlag, lässt sich aus den bisher veröffentlichten Informationen jedoch nicht ableiten.
Ebenso wenig ist bislang geklärt, welches konkrete Ziel die Drohnen gehabt haben könnten und ob sämtliche Fluggeräte demselben Vorgang zuzurechnen sind.
Sicherheitsrelevanter Standort
Der Flughafen Leipzig/Halle besitzt nicht nur für den Passagierverkehr Bedeutung, sondern ist insbesondere ein wichtiger Standort für den Luftfrachtverkehr. Ein Zwischenfall mit Drohnen in unmittelbarer Umgebung eines solchen Flughafens hat deshalb erhebliche sicherheitsrelevante Bedeutung.
Dass nach dem ersten Fund nun offenbar ein weiteres Fluggerät untersucht wird, dürfte die Frage nach dem gesamten Umfang des Geschehens weiter in den Mittelpunkt rücken.
Viele Fragen sind weiterhin unbeantwortet
Der Fall hat damit eine neue Dimension erreicht. Für die weiteren Ermittlungen sind vor allem mehrere Punkte entscheidend: Wie viele Drohnen waren tatsächlich beteiligt? Besteht eine Verbindung zwischen den einzelnen Fluggeräten? Was genau ist die in Kabelsketal gefundene Substanz? Und welches Ziel stand hinter dem mutmaßlichen Anschlagsversuch?
Bis diese Fragen beantwortet sind, bleibt bei der Bewertung Zurückhaltung geboten.
Fest steht nach den vorliegenden Berichten bislang: Neben den bereits bekannten Vorfällen am Flughafen Leipzig/Halle existiert ein weiterer Drohnenfund im nahe gelegenen Kabelsketal. Das BKA untersucht das Fluggerät. Gleichzeitig wird geprüft, ob es sich bei der dort gefundenen Substanz tatsächlich um den vermuteten Sprengstoff handelt.
Sollten sowohl der Zusammenhang zwischen den Fluggeräten als auch der Sprengstoffverdacht bestätigt werden, könnte dies die bisherige Bewertung des gesamten Falls erheblich verändern. Bis dahin handelt es sich jedoch um laufende Ermittlungen, bei denen zentrale Zusammenhänge noch nicht öffentlich geklärt sind.