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Spritpreise auf Rekordkurs: ADAC wirft Mineralölkonzernen „Kasse machen“ im Schatten der Krise vor

Engin_Akyurt (CC0), Pixabay

Autofahrer in Deutschland müssen derzeit erneut tief in die Tasche greifen. Die Preise für Benzin und Diesel sind deutlich gestiegen. Der ADAC sieht dafür nicht allein geopolitische Entwicklungen verantwortlich, sondern erhebt einen deutlichen Vorwurf gegen die Mineralölwirtschaft: Die Unternehmen würden die aktuelle Krisensituation nutzen, um ihre Margen auszuweiten.

Nach aktuellen Daten lag Super E10 zuletzt bei rund 2,20 Euro je Liter, Diesel bei etwa 2,23 Euro. Der MDR berichtet am heutigen 19. August sogar davon, dass sich Super E10 inzwischen seinem bisherigen Allzeithoch nähert.

ADAC: Preise sind „deutlich überhöht“

ADAC-Sprecherin Katrin van Randenborgh kritisiert die Preisgestaltung der Mineralölkonzerne ungewöhnlich deutlich. Der Verkehrsclub stelle immer wieder fest, dass die Kraftstoffpreise gemessen an den Marktbedingungen zu hoch seien. Im Schatten internationaler Konflikte und Unsicherheiten würden zusätzliche Margen erzielt.

Der Vorwurf kommt nicht aus dem Nichts. Bereits Ende Juni hatte der ADAC Mineralölunternehmen ungerechtfertigte Preissteigerungen vorgeworfen. Auch Anfang August wurde öffentlich diskutiert, ob und in welchem Umfang die hohen Preise tatsächlich durch Kostensteigerungen oder durch höhere Margen der Unternehmen verursacht werden.

Mineralölwirtschaft verweist auf Nahost-Konflikt

Die Branche weist hingegen auf handfeste wirtschaftliche Gründe für den Preisanstieg hin. Alexander von Gersdorff, Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, nennt insbesondere die verschärfte Lage im Nahen Osten. Angriffe auf eine saudische Raffinerie und Tanker sowie die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus hätten die Ölpreise zuletzt zusätzlich belastet.

Damit stehen sich zwei Erklärungen gegenüber: Die Mineralölwirtschaft verweist auf höhere Rohstoffpreise und geopolitische Risiken. Der ADAC bestreitet diese Faktoren nicht, hält die daraus resultierenden Tankstellenpreise aber dennoch für teilweise überhöht.

Niedrigwasser verschärft die Situation

Hinzu kommt derzeit ein weiterer Kostenfaktor, der mit dem Ölpreis zunächst wenig zu tun hat: extrem niedrige Wasserstände deutscher Flüsse.

Wenn Tankschiffe wegen niedriger Pegel weniger Kraftstoff transportieren können, müssen zusätzliche Mengen über Straße oder Schiene bewegt werden. Besonders Regionen entlang des Rheins können davon betroffen sein. Laut ADAC ist dieser Effekt derzeit unter anderem in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu beobachten.

Damit entsteht eine ungewöhnliche Kombination aus geopolitischem Risiko, steigenden Ölpreisen, eingeschränkten Transportmöglichkeiten und – nach Einschätzung des ADAC – zusätzlich hohen Margen.

Für Autofahrer wird die entscheidende Frage: Wie viel davon ist wirklich Krise?

Genau hier liegt der Kern der aktuellen Auseinandersetzung. Dass der Nahost-Konflikt und Transportprobleme Kraftstoff verteuern können, ist wirtschaftlich nachvollziehbar. Daraus folgt jedoch nicht automatisch, dass jede Preissteigerung an der Zapfsäule in gleicher Höhe gerechtfertigt ist.

Für Verbraucher ist diese Unterscheidung kaum möglich. Sie sehen lediglich den Endpreis an der Tankstelle – nicht jedoch unmittelbar, welcher Anteil auf Rohöl, Raffineriekosten, Transport, Steuern und Margen entfällt.

Die Kritik des ADAC richtet sich deshalb weniger gegen die Tatsache steigender Preise als gegen deren Ausmaß.

Bemerkenswert ist außerdem: Trotz der hohen Preise scheint der Straßenverkehr bislang nur begrenzt zurückzugehen. Eine vom MDR zitierte Auswertung von rund 800 Autobahn-Zählstellen ergab für April 2026 – bislang der teuerste Tankmonat des Jahres – lediglich rund vier Prozent weniger Pkw-Verkehr gegenüber dem Vorjahr.

Für viele Pendler ist das Auto eben keine beliebig verzichtbare Ausgabe. Genau deshalb trifft der aktuelle Preisschub Haushalte besonders stark – und genau deshalb dürfte die Frage, ob Mineralölkonzerne an der Krise überproportional verdienen, politisch weiter an Bedeutung gewinnen.

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