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Fernsehen vor dem Umbruch: DVB-I soll TV und Streaming in einer Oberfläche vereinen

HolgersFotografie (CC0), Pixabay

Das klassische Fernsehen steht vor einer der größten technischen Veränderungen seit der Einführung des digitalen Fernsehens. Mit dem neuen Übertragungsstandard DVB-I sollen lineares Fernsehen und internetbasierte Streaming-Angebote künftig in einer gemeinsamen Benutzeroberfläche zusammengeführt werden – unabhängig davon, ob Inhalte über Satellit, Kabel, Antenne oder Internet empfangen werden. Medienanstalten, Sender und Branchenverbände arbeiten derzeit intensiv an der Einführung. Doch bis zur flächendeckenden Nutzung sind noch einige Hürden zu überwinden.

Fernsehzuschauer kennen das Problem: Für klassische Fernsehsender wird meist der integrierte TV-Tuner genutzt, für Mediatheken oder Streamingdienste müssen dagegen unterschiedliche Apps geöffnet werden. Mit DVB-I (Digital Video Broadcasting – Internet) soll diese Trennung künftig entfallen.

Die Vision dahinter ist einfach: Ein Fernseher, eine Senderliste und eine einheitliche Bedienoberfläche – unabhängig davon, über welchen Übertragungsweg die Inhalte tatsächlich zum Zuschauer gelangen.

Fernsehen und Streaming wachsen zusammen

Anders als bestehende Empfangsstandards wie DVB-S (Satellit), DVB-C (Kabel) oder DVB-T2 (Antenne) versteht sich DVB-I nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung.

Der neue Standard bündelt klassische Rundfunkprogramme und internetbasierte TV-Angebote in einer gemeinsamen Programmliste. Für den Zuschauer spielt es künftig keine Rolle mehr, ob ein Sender per Antenne, Kabel oder über das Internet übertragen wird.

Die Inhalte erscheinen einheitlich in der Senderübersicht und können ohne den Wechsel zwischen verschiedenen Apps oder Menüs ausgewählt werden.

Mehr Komfort für Zuschauer

Für Verbraucher verspricht DVB-I vor allem eine deutlich einfachere Bedienung.

Wer heute zwischen linearem Fernsehen, Mediatheken und Streamingdiensten wechseln möchte, muss häufig verschiedene Anwendungen öffnen und unterschiedliche Benutzeroberflächen bedienen.

Mit DVB-I sollen diese Inhalte künftig in einem gemeinsamen System zusammenlaufen.

Das erleichtert insbesondere weniger technikaffinen Nutzern den Zugang zu digitalen Fernsehangeboten.

Medienanstalten treiben Einführung voran

Die Vorbereitungen laufen bereits seit mehreren Jahren.

Medienanstalten, Fernsehveranstalter, Gerätehersteller und Branchenverbände arbeiten gemeinsam an den technischen und organisatorischen Voraussetzungen.

Nach Angaben der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) soll DVB-I insbesondere drei Ziele erfüllen:

  • eine bessere Auffindbarkeit von Fernsehprogrammen,
  • mehr Benutzerfreundlichkeit,
  • einen effizienteren Einsatz der vorhandenen Übertragungstechnologien.

Seit Anfang 2025 beschäftigen sich mehrere Arbeitsgruppen unter anderem mit technischen Standards, gemeinsamen Senderlisten, Zertifizierungen neuer Fernsehgeräte sowie diskriminierungsfreien Zugangsregeln für Programmanbieter.

Starttermin bleibt offen

Ursprünglich sollte DVB-I bereits im Jahr 2023 eingeführt werden.

Dieser Zeitplan konnte jedoch nicht eingehalten werden.

Ein konkreter Termin für die Markteinführung steht derzeit weiterhin nicht fest.

Die Branche arbeitet nach eigenen Angaben intensiv an den letzten technischen Voraussetzungen. Bereits im Jahr 2022 wurde die Technologie in einem Pilotprojekt erfolgreich getestet.

Nun geht es vor allem darum, Hersteller, Fernsehsender und Netzbetreiber auf gemeinsame Standards zu verpflichten.

Welche Vorteile bringt DVB-I?

Sollte sich der Standard durchsetzen, könnte sich die Fernsehnutzung deutlich verändern.

Zu den wichtigsten Vorteilen zählen:

  • eine einheitliche Senderliste unabhängig vom Empfangsweg,
  • kein Wechsel mehr zwischen TV-Empfang und Streaming-Apps,
  • einfachere Bedienung moderner Smart-TVs,
  • bessere Auffindbarkeit regionaler und öffentlich-rechtlicher Programme,
  • flexibler Wechsel zwischen klassischem Rundfunk und Internetfernsehen.

Gerade in Zeiten zunehmender Streaming-Nutzung könnte DVB-I helfen, die wachsende Zahl unterschiedlicher Plattformen übersichtlicher zu gestalten.

Neue Fernseher könnten profitieren

Für viele aktuelle Smart-TVs dürfte DVB-I künftig per Software unterstützt werden können, sofern die Hersteller entsprechende Updates bereitstellen. Bei älteren Geräten könnte hingegen neue Hardware erforderlich werden.

Ob und in welchem Umfang bestehende Fernseher nachgerüstet werden können, hängt von den jeweiligen Herstellern und deren Softwarepolitik ab.

Konkurrenz für Streaming-Plattformen?

DVB-I könnte langfristig auch die Rolle klassischer Fernsehsender stärken.

Während Streaming-Plattformen ihre Inhalte bislang überwiegend in eigenen Apps anbieten, sollen öffentlich-rechtliche und private Fernsehveranstalter durch den neuen Standard leichter auffindbar bleiben.

Damit reagiert die Medienbranche auf das veränderte Nutzungsverhalten vieler Zuschauer, die Fernsehen zunehmend über das Internet konsumieren.

Noch einige Herausforderungen

Trotz der Fortschritte bleiben offene Fragen.

Unter anderem müssen sich Gerätehersteller auf gemeinsame technische Standards einigen. Auch die diskriminierungsfreie Platzierung von Programmen sowie einheitliche Zertifizierungsverfahren gelten als wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung.

Darüber hinaus wird entscheidend sein, ob Fernsehsender, Plattformbetreiber und Streaming-Anbieter bereit sind, den gemeinsamen Standard flächendeckend zu unterstützen.

Fernsehen der Zukunft?

DVB-I gilt als einer der ambitioniertesten Modernisierungsschritte des Fernsehens seit der Digitalisierung. Ziel ist es, die Grenzen zwischen klassischem Rundfunk und Streaming endgültig aufzuheben und den Zuschauern einen komfortableren Zugang zu Fernsehangeboten zu ermöglichen.

Bis aus dieser Vision flächendeckende Realität wird, sind jedoch noch technische, organisatorische und wirtschaftliche Fragen zu klären. Fest steht aber: Die Vorbereitungen laufen, und die Medienbranche arbeitet mit Hochdruck daran, das Fernsehen fit für das digitale Zeitalter zu machen.

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