Die BRANICKS Group AG (ehemals DIC Asset AG) steht vor einer der größten finanziellen Restrukturierungen ihrer Unternehmensgeschichte. Mit einer umfangreichen Aufforderung zur Abstimmung bittet der Immobilienkonzern die Inhaber seiner im Jahr 2021 begebenen Green Bond-Anleihe über 400 Millionen Euro um Zustimmung zu tiefgreifenden Änderungen der Anleihebedingungen. Ziel ist es, die im September 2026 fällige Anleihe nicht wie ursprünglich vereinbart zurückzuzahlen, sondern sie im Rahmen eines umfassenden Sanierungskonzepts neu zu strukturieren.
Immobilienkrise zwingt zum Handeln
Hintergrund der geplanten Maßnahmen ist die anhaltende Krise am deutschen Immobilienmarkt. Seit dem starken Zinsanstieg im Jahr 2022 sind Immobilienbewertungen deutlich gesunken, Transaktionen eingebrochen und Finanzierungen erheblich schwieriger geworden. Auch die BRANICKS Group bekam diese Entwicklung massiv zu spüren.
Nach eigenen Angaben verwaltete der Konzern Ende 2025 Immobilien im Wert von rund 10,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig belasteten Wertberichtigungen, sinkende Transaktionserlöse und steigende Finanzierungskosten das Unternehmen erheblich. Für das Geschäftsjahr 2025 weist der Konzern einen hohen Nettoverlust von rund 237 Millionen Euro aus. Gleichzeitig belaufen sich die verzinslichen Finanzverbindlichkeiten auf rund 1,8 Milliarden Euro.
Besonders kritisch ist die kurzfristige Liquidität. Nach Angaben des Unternehmens verfügte die BRANICKS Group Mitte Juli 2026 außerhalb der VIB-Gruppe lediglich über wenige Millionen Euro frei verfügbare liquide Mittel. Damit wäre eine vollständige Rückzahlung der im September fälligen 400-Millionen-Euro-Anleihe aus eigener Kraft kaum realisierbar.
Gläubiger sollen über Sanierung abstimmen
Vor diesem Hintergrund schlägt der Vorstand den Anleihegläubigern eine mehrstufige Restrukturierung vor. Die erste Abstimmung soll zwischen dem 15. und 17. August 2026 stattfinden und bildet den Auftakt des Sanierungsprozesses. Ziel ist es zunächst, die Fälligkeit der Anleihe faktisch hinauszuschieben und den rechtlichen Rahmen für eine umfassendere Restrukturierung zu schaffen.
Dabei sollen die Gläubiger unter anderem einen gemeinsamen Vertreter bestellen, der künftig ihre Interessen bündelt und in ihrem Namen handeln kann. Außerdem soll dieser Vertreter ermächtigt werden, vorübergehend auf bestimmte Kündigungsrechte zu verzichten und die sofortige Rückzahlung der Anleihe nicht einzufordern.
Rückzahlung wird verschoben
Der wohl wichtigste Punkt für Anleger ist: Die ursprünglich am 22. September 2026 fällige Rückzahlung soll nicht wie vorgesehen erfolgen.
Stattdessen plant BRANICKS eine umfassende Neustrukturierung der gesamten Finanzierung. Die bisherige Anleihe soll aufgeteilt werden. Ein Teil soll künftig als vorrangig besicherte Anleihe mit verlängerter Laufzeit bis September 2030 weiterlaufen. Ein weiterer Teil soll in nachrangige Schuldinstrumente mit Laufzeit bis 2038 umgewandelt werden. Diese nachrangigen Instrumente würden im Insolvenzfall erst nach allen anderen Gläubigern bedient werden.
Für viele Investoren bedeutet dies, dass sie ihr Kapital deutlich später zurückerhalten würden als ursprünglich vereinbart.
Höhere Zinsen als Ausgleich
Um die Zustimmung der Gläubiger zu erreichen, bietet das Unternehmen deutlich attraktivere Zinssätze an.
Während die bestehende Green Bond-Anleihe bislang lediglich mit 2,25 Prozent jährlich verzinst wird, sieht das Restrukturierungskonzept künftig Zinssätze von 7,5 Prozent für die besicherten Anleihen sowie 15 Prozent für die nachrangigen Instrumente vor. Zusätzlich sind verschiedene Gebühren und Ausgleichszahlungen vorgesehen.
Die höheren Renditen spiegeln jedoch zugleich das erheblich gestiegene Risiko wider.
Neue Kredite sichern Liquidität
Parallel zur Restrukturierung sollen neue Finanzmittel aufgenommen werden.
Geplant sind kurzfristige Brückenfinanzierungen über insgesamt rund 95 Millionen Euro, die später in langfristige Finanzierungen überführt werden sollen. Diese neuen Darlehen erhalten sogar Vorrang vor den bisherigen Anleihegläubigern und werden umfassend besichert.
Damit soll verhindert werden, dass dem Unternehmen kurzfristig die Liquidität ausgeht und ein Insolvenzverfahren notwendig wird.
Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen geplant
Die finanzielle Restrukturierung ist nur ein Teil des Sanierungskonzepts.
Das Unternehmen kündigt weitere Immobilienverkäufe, Kostensenkungen und organisatorische Veränderungen an. Außerdem soll mit Josef Schultheis ein Chief Restructuring Officer (CRO) in den Vorstand einziehen. Die bisherige Vorstandsvorsitzende Sonja Wärntges soll ihr Amt spätestens Ende 2026 niederlegen. Auch Veränderungen im Aufsichtsrat sind vorgesehen.
Was bedeutet das für Anleger?
Für Anleihegläubiger handelt es sich um eine weitreichende Entscheidung.
Einerseits könnte die Restrukturierung dazu beitragen, eine Insolvenz des Unternehmens zu vermeiden und langfristig bessere Rückzahlungschancen zu schaffen. Andererseits verzichten Anleger auf ihre ursprünglich vereinbarte Rückzahlung im September 2026 und akzeptieren längere Laufzeiten sowie teilweise nachrangige Forderungen.
Die geplanten höheren Zinssätze sollen dieses zusätzliche Risiko ausgleichen. Ob die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich ausreichen, um den Konzern dauerhaft zu stabilisieren, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob die geplanten Immobilienverkäufe, Refinanzierungen und Kosteneinsparungen wie vorgesehen umgesetzt werden können.
Entscheidung fällt Mitte August
Die Abstimmung der Anleihegläubiger findet ohne Präsenzversammlung statt. Stimmen die erforderlichen Mehrheiten zu, kann die Restrukturierung in die nächste Phase eintreten. Lehnt eine ausreichende Zahl von Gläubigern die Vorschläge ab, drohen dem Unternehmen erhebliche Schwierigkeiten bei der fristgerechten Rückzahlung der im September fälligen Anleihe.
Damit kommt den Anleihegläubigern in den kommenden Wochen eine entscheidende Rolle für die Zukunft der BRANICKS Group zu. Ihre Entscheidung dürfte darüber mitbestimmen, ob der Immobilienkonzern seine finanzielle Neuaufstellung erfolgreich umsetzen kann oder ob sich die Krise weiter zuspitzt.