Die Versandapotheke Sanicare aus Bad Laer im Landkreis Osnabrück hat erneut Insolvenz angemeldet. Die Betreibergesellschaft BS Apotheken GmbH befindet sich seit Mitte Juli in einem vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das zuständige Amtsgericht Osnabrück hat dem Antrag inzwischen stattgegeben. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten soll der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgeführt werden. Kundinnen und Kunden können Medikamente weiterhin wie gewohnt bestellen.
Für das Unternehmen ist es bereits die zweite Insolvenz innerhalb von 14 Jahren. Schon im Jahr 2012 musste Sanicare ein Insolvenzverfahren durchlaufen.
Rückläufige Umsätze und hohe Investitionen belasten das Unternehmen
Nach Angaben des Unternehmens sind insbesondere sinkende Umsätze sowie umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur für die wirtschaftliche Schieflage verantwortlich. In den vergangenen Jahren hatte Sanicare in die Modernisierung und Weiterentwicklung seiner logistischen und technischen Abläufe investiert. Offenbar konnten diese Ausgaben jedoch nicht durch die Geschäftsentwicklung kompensiert werden.
Mit der Eigenverwaltung will das Unternehmen nun die Voraussetzungen schaffen, um sich wirtschaftlich neu aufzustellen und den Geschäftsbetrieb langfristig zu sichern.
Sanierungskonzept soll Unternehmen stabilisieren
Die Geschäftsführung arbeitet derzeit an einem umfassenden Sanierungskonzept. Geplant sind unter anderem Einsparungen bei den laufenden Betriebskosten sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit.
Die Eigenverwaltung ermöglicht es dem Unternehmen, den Sanierungsprozess unter Aufsicht eines gerichtlich bestellten Sachwalters weitgehend selbst zu steuern. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und eine dauerhafte Fortführung des Unternehmens zu ermöglichen.
Kunden sollen keine Einschränkungen bemerken
Für die Kundinnen und Kunden soll sich trotz des Insolvenzverfahrens zunächst nichts ändern. Nach Unternehmensangaben werden Bestellungen weiterhin bearbeitet und Medikamente wie gewohnt ausgeliefert.
Gerade im Bereich der Arzneimittelversorgung ist die Fortführung des Geschäftsbetriebs von besonderer Bedeutung, da viele Verbraucher ihre Medikamente regelmäßig über Versandapotheken beziehen.
74 Beschäftigte hoffen auf erfolgreiche Sanierung
Nach eigenen Angaben beschäftigt Sanicare derzeit 74 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte die Versandapotheke einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro.
Für die Beschäftigten bedeutet das Insolvenzverfahren erneut eine Phase der Unsicherheit. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die geplanten Sanierungsmaßnahmen ausreichen, um Arbeitsplätze und Unternehmensstandort dauerhaft zu sichern.
Versandapotheken stehen unter wachsendem Wettbewerbsdruck
Die erneute Insolvenz von Sanicare verdeutlicht zugleich die Herausforderungen, vor denen viele Unternehmen im Apothekenmarkt stehen. Neben dem anhaltenden Preis- und Wettbewerbsdruck sorgen steigende Personal-, Energie- und Logistikkosten für zunehmende Belastungen. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung das Kaufverhalten vieler Kunden, während regulatorische Vorgaben und Investitionen in moderne IT-Systeme zusätzliche finanzielle Mittel erfordern.
Auch stationäre Apotheken kämpfen seit Jahren mit wirtschaftlichen Problemen. Bundesweit nimmt die Zahl der Apotheken kontinuierlich ab, während Politik und Branchenverbände über Reformen zur Sicherung der Arzneimittelversorgung diskutieren.
Fazit
Mit der erneuten Insolvenz beginnt für Sanicare ein weiterer Sanierungsversuch. Positiv ist, dass der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortgeführt werden soll und Kundinnen und Kunden ihre Medikamente weiterhin bestellen können. Ob das Unternehmen den wirtschaftlichen Neustart erfolgreich bewältigt, hängt jedoch maßgeblich davon ab, ob die geplanten Sparmaßnahmen und die Neuausrichtung nachhaltig greifen. Die Entwicklung zeigt zugleich, wie groß der wirtschaftliche Druck inzwischen auch auf etablierte Versandapotheken geworden ist.