In Niedersachsen leben immer mehr Menschen allein oder ohne feste Partnerschaft im eigenen Haushalt. Nach den jüngsten Ergebnissen des Mikrozensus waren Singles auch im Jahr 2025 die häufigste Lebensform im Bundesland. Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in der Landeshauptstadt Hannover. Dort liegt der Anteil der Alleinstehenden bei 59 Prozent und damit höher als in allen anderen niedersächsischen Städten und Landkreisen.
Damit kann Hannover als Single-Hauptstadt Niedersachsens bezeichnet werden. Von den rund 300.000 erfassten Lebensformen in Hauptwohnsitzhaushalten der Stadt waren etwa 177.000 alleinstehend. Das geht aus Zahlen des Landesamtes für Statistik Niedersachsen hervor.
Im Umland der Stadt fällt der Anteil der Singles geringer aus. Für die gesamte Region Hannover ergibt sich deshalb ein Wert von rund 50 Prozent. Dennoch lebt damit auch in der Region etwa jede zweite erfasste Lebensform ohne Partner oder eigene Familie.
Am niedrigsten ist der Anteil der Alleinstehenden in der Grafschaft Bentheim. Dort machen Singles rund 34 Prozent aller Lebensformen aus. Die regionalen Unterschiede zeigen, dass das Leben ohne Partner vor allem in größeren Städten verbreitet ist, während in ländlich geprägten Gebieten Familien und Paargemeinschaften weiterhin eine stärkere Rolle spielen.
1,8 Millionen Singles in Niedersachsen
Insgesamt lebten im Jahr 2025 rund 1,8 Millionen Singles in Niedersachsen. Daneben registrierte das Landesamt etwa 1,1 Millionen Paargemeinschaften ohne Kinder und ebenfalls rund 1,1 Millionen Familien mit mehreren Personen.
Die Zahlen stammen aus dem Mikrozensus, einer jährlich durchgeführten repräsentativen Befragung. Dabei wird ungefähr ein Prozent der Bevölkerung befragt. In Niedersachsen umfasst die Erhebung mehrere Zehntausend Haushalte. Der Mikrozensus wird deshalb häufig auch als „kleine Volkszählung“ bezeichnet.
Die Ergebnisse werden anschließend auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Niedersachsen hat rund acht Millionen Einwohner. Der Mikrozensus liefert unter anderem Erkenntnisse darüber, wie Menschen wohnen, arbeiten und zusammenleben.
Singles leben nicht zwangsläufig allein
Der Begriff „alleinstehend“ bedeutet in der Statistik nicht automatisch, dass eine Person allein in einer Wohnung lebt. Nach dem Lebensformenkonzept des Mikrozensus gelten Menschen als alleinstehend, wenn sie weder mit einem Ehe- oder Lebenspartner noch mit eigenen Kindern als Familie zusammenleben.
Alleinstehende können deshalb sowohl in einem Einpersonenhaushalt als auch gemeinsam mit anderen Menschen wohnen. Dazu gehören beispielsweise Wohngemeinschaften, Mehrgenerationenhaushalte oder Haushalte, in denen nicht miteinander verwandte Personen zusammenleben.
Von den Alleinstehenden zu unterscheiden sind Paargemeinschaften ohne Kinder sowie Familien. Als Familien gelten Haushalte, in denen mindestens ein Elternteil mit mindestens einem Kind zusammenlebt. Dazu zählen auch Alleinerziehende.
Diese Definition ist für die Einordnung der Statistik wichtig. Der hohe Anteil an Singles bedeutet nicht, dass ebenso viele Menschen vollständig isoliert leben. Er zeigt vielmehr, dass traditionelle Lebensmodelle mit Ehepartner und Kindern nicht mehr für alle Menschen selbstverständlich sind.
Anteil der Alleinstehenden nimmt zu
Im Vergleich zum Jahr 2015 ist der Anteil der Singles in Niedersachsen leicht gestiegen. Damals machten Alleinstehende 43,6 Prozent aller erfassten Lebensformen aus. Zehn Jahre später lag ihr Anteil bei 45 Prozent.
Der Anstieg erscheint auf den ersten Blick gering. Angesichts der Größe der niedersächsischen Bevölkerung steht er jedoch für eine deutliche Zahl zusätzlicher Menschen, die ohne Partner oder eigene Familie leben.
Im gleichen Zeitraum ging der Anteil der Paargemeinschaften ohne Kinder zurück. 2015 machten sie noch 28,9 Prozent aller Lebensformen aus. Im Jahr 2025 waren es nur noch 27,8 Prozent.
Der Anteil der Familien blieb dagegen nahezu unverändert. Familien machten 2025 rund 27,1 Prozent der Lebensformen aus. Zehn Jahre zuvor hatte ihr Anteil bei 27,5 Prozent gelegen.
Damit zeigt die Statistik eine langfristige Verschiebung: Während der Familienanteil weitgehend stabil bleibt, verlieren Paargemeinschaften ohne Kinder etwas an Bedeutung. Gleichzeitig wächst die Gruppe der Alleinstehenden.
Großstädte ziehen Singles an
Dass besonders viele Singles in Hannover leben, ist kein Zufall. Größere Städte ziehen häufig jüngere Menschen an, die dort studieren, eine Ausbildung beginnen oder eine neue Arbeitsstelle antreten. Viele von ihnen leben zunächst ohne Partner oder Familie.
Auch das größere Angebot an Arbeitsplätzen, Hochschulen, Freizeitmöglichkeiten und kulturellen Einrichtungen macht Städte für alleinstehende Menschen attraktiv. Zudem ist das soziale Leben in Ballungsräumen weniger stark an Familie oder Partnerschaft gebunden. Kontakte entstehen dort häufiger über den Arbeitsplatz, Vereine, Hochschulen oder Freizeitangebote.
Hinzu kommt, dass Menschen nach Trennungen oder dem Tod eines Partners in Städten oft eher in der bisherigen Wohnung bleiben können. Auch ältere Menschen leben deshalb zunehmend allein.
Der hohe Single-Anteil ist somit kein reines Jugendphänomen. Er betrifft verschiedene Altersgruppen und Lebenssituationen. Dazu gehören Studierende ebenso wie Berufstätige, Geschiedene, Verwitwete oder Menschen, die bewusst ohne Partnerschaft leben.
Folgen für den Wohnungsmarkt
Die wachsende Zahl der Alleinstehenden hat erhebliche Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt. Einpersonenhaushalte benötigen im Verhältnis zur Zahl ihrer Bewohner mehr Wohnraum als Familien oder Paare.
Wenn beispielsweise vier Personen in einer gemeinsamen Wohnung leben, benötigen sie nur eine Küche, ein Bad und ein Wohnzimmer. Leben dieselben vier Personen jeweils allein, werden vier Wohnungen mit entsprechender Ausstattung gebraucht.
Dadurch steigt besonders in Städten die Nachfrage nach kleinen und bezahlbaren Wohnungen. In Hannover ist der Wohnungsmarkt bereits seit Jahren angespannt. Ein hoher Anteil an Einpersonenhaushalten verschärft diese Situation zusätzlich.
Gefragt sind vor allem Ein- und Zweizimmerwohnungen in gut erreichbaren Lagen. Das Angebot kann mit der Nachfrage jedoch vielerorts nicht Schritt halten. Die Folge sind steigende Mieten und eine zunehmende Konkurrenz um kleinere Wohnungen.
Der Trend stellt Städte und Wohnungsunternehmen vor neue Herausforderungen. Bei Neubauprojekten müssen sie berücksichtigen, dass klassische Familienwohnungen allein nicht ausreichen. Gleichzeitig dürfen größere Wohnungen nicht vollständig aus dem Angebot verschwinden, da auch Familien weiterhin Wohnraum benötigen.
Soziale Folgen des Alleinlebens
Das Leben als Single kann viele Vorteile haben. Alleinstehende können ihren Alltag selbstständig gestalten, sind häufig beruflich und räumlich flexibler und müssen Entscheidungen nicht mit einem Partner abstimmen.
Gleichzeitig kann das Leben ohne feste Partnerschaft auch Herausforderungen mit sich bringen. Die Kosten für Miete, Energie und Lebensmittel müssen allein getragen werden. Viele Ausgaben fallen für Einpersonenhaushalte im Verhältnis höher aus als für Paare oder Familien.
Auch Einsamkeit kann eine Rolle spielen. Dabei ist jedoch zwischen Alleinleben und Einsamkeit zu unterscheiden. Nicht jeder Single fühlt sich einsam, und nicht jeder Mensch in einer Partnerschaft ist automatisch vor sozialer Isolation geschützt.
Dennoch gewinnen soziale Treffpunkte, Vereine, Nachbarschaftsangebote und kulturelle Einrichtungen in Städten mit vielen Einpersonenhaushalten an Bedeutung. Sie können dazu beitragen, Kontakte zu ermöglichen und soziale Isolation zu verhindern.
Familien bleiben stabiler Bestandteil der Gesellschaft
Trotz des wachsenden Single-Anteils bleibt die Zahl der Familien in Niedersachsen vergleichsweise stabil. Mehr als ein Viertel aller erfassten Lebensformen waren im Jahr 2025 Familien.
Dazu gehören sowohl Paare mit Kindern als auch Alleinerziehende. Gerade Alleinerziehende sind im Alltag häufig besonderen Belastungen ausgesetzt. Sie müssen Kinderbetreuung, Beruf und Haushalt weitgehend allein organisieren.
Die nahezu unveränderte Quote der Familien zeigt, dass familiäre Lebensformen weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig werden die Formen des Zusammenlebens vielfältiger.
Neben klassischen Ehepaaren mit Kindern gibt es unverheiratete Paare, Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Wohngemeinschaften und Menschen, die bewusst allein leben. Diese Vielfalt muss auch bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden.
Gesellschaftlicher Wandel wird sichtbar
Die Entwicklung in Niedersachsen ist Teil eines umfassenden gesellschaftlichen Wandels. Menschen heiraten heute häufig später als frühere Generationen. Viele ziehen erst später mit einem Partner zusammen oder entscheiden sich ganz bewusst gegen Ehe und Familie.
Zudem führen höhere Lebenserwartung, mehr Trennungen und berufliche Mobilität dazu, dass Menschen im Laufe ihres Lebens häufiger Phasen ohne Partnerschaft erleben.
Das traditionelle Modell, dauerhaft mit einem Ehepartner und Kindern zusammenzuleben, ist zwar weiterhin verbreitet, aber nicht mehr die einzig prägende Lebensform. Biografien verlaufen heute oft weniger geradlinig. Menschen wechseln zwischen verschiedenen Formen des Zusammenlebens.
Eine Person kann zunächst in einer Wohngemeinschaft leben, später mit einem Partner zusammenziehen, eine Familie gründen und nach einer Trennung erneut allein leben. Die Statistik bildet deshalb nicht nur persönliche Entscheidungen ab, sondern auch unterschiedliche Lebensphasen.
Unterschied zwischen Stadt und Land
Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Während in Hannover 59 Prozent der Lebensformen auf Alleinstehende entfallen, sind es in der Grafschaft Bentheim nur rund 34 Prozent.
In ländlichen Gebieten leben häufiger Familien und Paare. Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe. Wohnraum ist dort oft größer und günstiger, was die Gründung einer Familie erleichtern kann. Gleichzeitig sind Arbeitsmarkt, Bildungsangebote und Freizeitmöglichkeiten weniger stark auf junge alleinstehende Erwachsene ausgerichtet.
Viele junge Menschen verlassen ländliche Regionen für Studium oder Beruf und ziehen in größere Städte. Zurück bleiben häufiger Familien und ältere Paare. Dadurch verstärken sich die statistischen Unterschiede zusätzlich.
In Großstädten ist das Leben allein hingegen gesellschaftlich stärker etabliert. Dienstleistungen, Freizeitangebote und Verkehrssysteme sind dort oft besser auf Einzelpersonen ausgerichtet.
Politik und Kommunen müssen reagieren
Die Zahlen des Mikrozensus liefern wichtige Hinweise für die Politik. Eine Gesellschaft mit einem hohen Anteil an Singles benötigt andere Angebote als eine Gesellschaft, die überwiegend aus Familienhaushalten besteht.
Das betrifft zunächst den Wohnungsbau. Städte müssen mehr kleine und gleichzeitig bezahlbare Wohnungen schaffen. Auch gemeinschaftliche Wohnformen könnten an Bedeutung gewinnen. Denkbar sind Wohnprojekte, in denen Menschen eigene Wohnungen besitzen, zugleich aber Gemeinschaftsräume nutzen.
Darüber hinaus werden niedrigschwellige Begegnungsangebote wichtiger. Stadtteilzentren, Sportvereine, Bibliotheken oder Kulturhäuser können Orte schaffen, an denen Menschen unabhängig von Familienstand und Einkommen Kontakte knüpfen.
Auch bei Steuern, Sozialleistungen und Gebühren wird regelmäßig darüber diskutiert, ob Einpersonenhaushalte ausreichend berücksichtigt werden. Viele Kosten müssen von Singles allein getragen werden, während Paare bestimmte Ausgaben teilen können.
Hannover als Beispiel einer modernen Stadtgesellschaft
Die Landeshauptstadt Hannover steht beispielhaft für die Entwicklung vieler deutscher Großstädte. Ein großer Teil der Bevölkerung lebt ohne Partner oder eigene Familie. Gleichzeitig treffen dort sehr unterschiedliche Lebensmodelle aufeinander.
Der hohe Single-Anteil ist weder ausschließlich positiv noch negativ zu bewerten. Er zeigt vor allem, dass Menschen heute vielfältiger leben als noch vor einigen Jahrzehnten.
Für Hannover ergeben sich daraus konkrete Aufgaben. Die Stadt muss ausreichend kleine Wohnungen schaffen, soziale Begegnungsmöglichkeiten erhalten und ihre Infrastruktur an unterschiedliche Haushaltsformen anpassen.
Zugleich bietet eine vielfältige Stadtgesellschaft Chancen. Alleinstehende Menschen sind häufig mobil, engagieren sich in Vereinen oder kulturellen Einrichtungen und tragen zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dynamik einer Stadt bei.
Singles bleiben wichtigste Lebensform
Die aktuellen Zahlen bestätigen einen langfristigen Trend: Alleinstehende bilden die größte Gruppe unter den Lebensformen in Niedersachsen. Ihr Anteil ist innerhalb von zehn Jahren von 43,6 auf 45 Prozent gestiegen.
In Hannover ist diese Entwicklung besonders weit fortgeschritten. Mit einem Anteil von 59 Prozent liegt die Stadt deutlich an der Spitze des Bundeslandes. In keiner anderen niedersächsischen Region ist der Anteil der Singles höher.
Ob der Trend in den kommenden Jahren anhält, wird sich bei den nächsten Erhebungen zeigen. Vieles spricht jedoch dafür, dass das Leben ohne feste Partnerschaft weiterhin ein bedeutender Bestandteil der Gesellschaft bleibt.
Damit wächst auch der Handlungsdruck auf Städte und Gemeinden. Wohnungsmarkt, soziale Infrastruktur und politische Angebote müssen sich stärker an einer Bevölkerung orientieren, deren Lebensformen zunehmend vielfältig sind. Hannover zeigt bereits heute, wie die Stadtgesellschaft der Zukunft aussehen könnte: geprägt von Familien, Paaren und vor allem einer großen Zahl alleinstehender Menschen.