Der Jahresabschluss 2024 der ewz Windpark Dörmte GmbH vermittelt insgesamt ein sehr positives Bild. Das Unternehmen verfügt über eine hohe Eigenkapitalquote, geringe Verbindlichkeiten und eine solide Liquiditätsausstattung. Auffällig ist allerdings, dass aufgrund eines Ergebnisabführungsvertrags kein Jahresüberschuss ausgewiesen wird. Dadurch spiegelt das ausgewiesene Ergebnis die tatsächliche Ertragskraft des Windparks nicht wider.
Bilanzsumme wächst leicht
Die Bilanzsumme stieg von 3,08 Millionen Euro auf 3,20 Millionen Euro. Der Zuwachs um rund 122.000 Euro beziehungsweise knapp vier Prozent zeigt eine insgesamt stabile Vermögensentwicklung.
Während das Anlagevermögen durch planmäßige Abschreibungen zurückging, wurde dies durch höhere Forderungen im Umlaufvermögen mehr als ausgeglichen.
Hohe Eigenkapitalquote
Das Eigenkapital blieb unverändert bei 2,02 Millionen Euro.
Mit einer Eigenkapitalquote von rund 63 Prozent verfügt die Gesellschaft über eine ausgesprochen solide Kapitalbasis. Dieser Wert liegt deutlich über dem Durchschnitt vieler Windparkgesellschaften und bietet einen komfortablen finanziellen Puffer.
Positiv ist zudem, dass das Eigenkapital vollständig aus eingezahltem Kapital und Kapitalrücklagen besteht. Der Verlustvortrag fällt mit lediglich rund 5.300 Euro kaum ins Gewicht.
Kein Jahresüberschuss – aber aus gutem Grund
Auf den ersten Blick wirkt der ausgewiesene Jahresüberschuss von 0 Euro ungewöhnlich.
Der Grund wird im Anhang erläutert: Zwischen der Gesellschaft und der Muttergesellschaft ewz (Deutschland) GmbH besteht ein Ergebnisabführungsvertrag. Positive Jahresergebnisse werden vollständig an die Gesellschafterin abgeführt.
Das bedeutet:
- Der Windpark kann durchaus Gewinne erwirtschaften.
- Diese verbleiben jedoch nicht in der Gesellschaft.
- Die fehlende Gewinnausweisung ist daher kein Hinweis auf mangelnde Rentabilität, sondern Folge der Konzernstruktur.
Für Investoren ist dieser Punkt besonders wichtig, da die Bilanz allein die operative Ertragskraft nur eingeschränkt erkennen lässt.
Anlagevermögen nimmt planmäßig ab
Das Anlagevermögen verringerte sich von 1,00 Millionen Euro auf 552.000 Euro.
Der Rückgang entfällt sowohl auf immaterielle Vermögensgegenstände – insbesondere den aktivierten Geschäfts- oder Firmenwert – als auch auf das Sachanlagevermögen.
Der Firmenwert wird über 15 Jahre abgeschrieben, was der erwarteten wirtschaftlichen Mindestlaufzeit des Windparks entspricht. Diese Vorgehensweise erscheint nachvollziehbar und konservativ.
Forderungen gegenüber der Muttergesellschaft dominieren
Der größte Aktivposten im Umlaufvermögen sind Forderungen gegen verbundene Unternehmen.
Sie belaufen sich auf knapp 2,0 Millionen Euro und betreffen nahezu vollständig Forderungen gegenüber der alleinigen Gesellschafterin.
Für eine Gesellschaft mit Ergebnisabführungsvertrag und Konzern-Cash-Management ist dies grundsätzlich üblich. Dennoch ist das Vermögen dadurch stark von der Bonität der Muttergesellschaft abhängig.
Da hinter der ewz (Deutschland) GmbH der Schweizer Energieversorger Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) steht, ist dieses Risiko allerdings vergleichsweise gering einzuschätzen.
Rückstellungen auf hohem Niveau
Die Rückstellungen erhöhten sich leicht auf 1,07 Millionen Euro.
Der größte Anteil entfällt auf die Rückbauverpflichtung des Windparks (rund 1,03 Millionen Euro). Die Bewertung berücksichtigt Preissteigerungen von jährlich 1,5 Prozent sowie die gesetzlich vorgeschriebene Abzinsung.
Damit erscheint die Rückstellung realistisch kalkuliert und ausreichend dimensioniert.
Verbindlichkeiten bleiben sehr niedrig
Die Verbindlichkeiten stiegen zwar von 49.000 Euro auf 106.000 Euro, bewegen sich jedoch weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau.
Alle Verpflichtungen sind kurzfristig fällig und bestehen überwiegend aus Lieferantenverbindlichkeiten sowie sonstigen Verbindlichkeiten.
Langfristige Bankdarlehen weist die Gesellschaft nicht aus.
Bürgschaft für Rückbau
Außerhalb der Bilanz besteht eine Bürgschaft der Zürcher Kantonalbank gegenüber dem Landkreis Uelzen über rund 495.000 Euro.
Solche Sicherheitsleistungen sind bei Windparks üblich und dienen der Absicherung späterer Rückbauverpflichtungen.
Keine finanziellen Verpflichtungen außerhalb der Bilanz
Bemerkenswert ist, dass keine weiteren wesentlichen finanziellen Verpflichtungen bestehen.
Insbesondere werden keine langfristigen Pachtverträge oder Leasingverpflichtungen ausgewiesen.
Fazit
Die ewz Windpark Dörmte GmbH präsentiert sich bilanziell in sehr guter Verfassung. Die hohe Eigenkapitalquote, geringe Verschuldung und konservative Rückstellungsbildung sprechen für eine solide Finanzierung. Das Unternehmen profitiert zudem von der Einbindung in den finanzstarken ewz-Konzern.
Die hohe Forderung gegenüber der Muttergesellschaft stellt zwar eine gewisse Konzentration des Vermögens dar, erscheint aufgrund der Bonität des Konzerns jedoch vertretbar. Der ausgewiesene Jahresüberschuss von null Euro ist ausschließlich Folge des Ergebnisabführungsvertrags und erlaubt keine Aussage über die tatsächliche Ertragslage des Windparks.
Investoreneinschätzung: 9,0 von 10 Punkten
Stärken:
- sehr hohe Eigenkapitalquote von rund 63 Prozent
- äußerst geringe Verschuldung
- solide Liquidität
- konservative Rückstellungen für den Rückbau
- finanzstarke Konzernmutter
- keine wesentlichen außerbilanziellen Verpflichtungen
Schwächen:
- nahezu das gesamte Umlaufvermögen besteht aus Forderungen gegenüber der Muttergesellschaft
- tatsächliche Ertragskraft wegen Ergebnisabführungsvertrag nicht direkt erkennbar
- keine Gewinn- und Verlustrechnung veröffentlicht
Insgesamt zählt die ewz Windpark Dörmte GmbH zu den stärksten bislang analysierten Windparkgesellschaften. Die Bilanz vermittelt ein sehr stabiles Bild, lediglich die eingeschränkte Transparenz über die operative Ertragslage verhindert eine noch bessere Bewertung.