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Der 11. Juli in der Geschichte: Ein Tag zwischen Neubeginn, Terror und Menschheitsverbrechen

Peggy_Marco (CC0), Pixabay

Der 11. Juli ist mit zahlreichen Ereignissen verbunden, die Deutschland und die Welt nachhaltig verändert haben. An diesem Datum wurden politische Ordnungen geschaffen, Kriege beendet, internationale Beziehungen neu geknüpft und folgenschwere Urteile gesprochen. Gleichzeitig erinnert der Tag an Terroranschläge und eines der schwersten Menschheitsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Eine frühe Entscheidung von großer Bedeutung für Deutschland fiel am 11. Juli 1696 in Berlin. Der brandenburgische Kurfürst Friedrich III., der später als Friedrich I. König in Preußen wurde, gründete die Academie der Mahler, Bildhauer und Architectur Kunst. Aus dieser Einrichtung entwickelte sich die heutige Berliner Akademie der Künste. Die Gründung gilt als wichtiger Schritt zur institutionellen Förderung von Kunst und Kultur in Brandenburg Preußen. Berlin erhielt damit eine Einrichtung, die über Jahrhunderte hinweg Künstler, Architekten und Kulturschaffende prägte.

Am 11. Juli 1945, nur wenige Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa, wurde in Berlin die Alliierte Kommandantur gebildet. Die Vertreter der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, Großbritanniens und Frankreichs übernahmen gemeinsam die oberste Kontrolle über die in vier Sektoren aufgeteilte Stadt. Das Gremium sollte Entscheidungen treffen, die ganz Berlin betrafen, und die Arbeit der vier Stadtkommandanten koordinieren. Damit begann eine besondere Form der gemeinsamen Verwaltung, die allerdings schon bald von den wachsenden Spannungen zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion überschattet wurde. Berlin entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Schauplätze des Kalten Krieges.

Für die junge Bundesrepublik Deutschland markierte der 11. Juli 1951 einen wichtigen Schritt zurück in die internationale Staatengemeinschaft. Die UNESCO Generalkonferenz beschloss in Paris die Aufnahme der Bundesrepublik als 64. Mitgliedstaat. Nur sechs Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft erhielt Westdeutschland damit wieder die Möglichkeit, sich auf internationaler Ebene an der Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Publizistik zu beteiligen. Der Beitritt wurde zu einem Symbol dafür, dass die Bundesrepublik schrittweise wieder politische Verantwortung übernehmen und Vertrauen zurückgewinnen konnte.

Ein schweres Unglück erschütterte am 11. Juli 1968 die DDR. Im Elektrochemischen Kombinat Bitterfeld kam es zu einer folgenschweren Explosion. Ein Tankwagen mit Vinylchlorid explodierte auf dem Betriebsgelände und löste weitere Brände und Detonationen aus. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben, Hunderte wurden verletzt. Die Katastrophe machte die erheblichen Sicherheitsrisiken in einem der wichtigsten Chemiestandorte der DDR sichtbar. Informationen über Ausmaß und Ursachen wurden damals nur eingeschränkt veröffentlicht, da Unfälle dieser Größenordnung nicht zum staatlich vermittelten Bild einer leistungsfähigen sozialistischen Industrie passen sollten.

Der 11. Juli 1987 erhielt eine weltweite demografische Bedeutung. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen überschritt die Zahl der auf der Erde lebenden Menschen an diesem Tag die Marke von fünf Milliarden. Daraus entwickelte sich später der Weltbevölkerungstag, der jährlich am 11. Juli begangen wird. Er soll auf Fragen wie Armut, Ernährungssicherheit, Bildung, Gesundheitsversorgung und den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen aufmerksam machen. Inzwischen ist die Weltbevölkerung deutlich weiter gewachsen. Die damalige Marke von fünf Milliarden Menschen verdeutlicht jedoch, wie stark sich die globale Bevölkerungsentwicklung innerhalb weniger Jahrzehnte beschleunigt hat.

Zu den dunkelsten Ereignissen dieses Datums gehört die Einnahme der bosnischen Stadt Srebrenica am 11. Juli 1995. Während des Bosnienkriegs drangen bosnisch serbische Einheiten unter dem Kommando von Ratko Mladić in die von den Vereinten Nationen zur Schutzzone erklärte Stadt ein. In den folgenden Tagen wurden mehr als 8.000 bosniakische Männer und Jungen systematisch ermordet. Internationale Gerichte stuften die Verbrechen später als Völkermord ein. Srebrenica gilt als das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg und als Symbol für das Versagen der internationalen Gemeinschaft, eine schutzbedürftige Zivilbevölkerung rechtzeitig zu verteidigen. Der 11. Juli ist inzwischen ein internationaler Gedenktag für die Opfer des Völkermords.

Elf Jahre später wurde der 11. Juli erneut zu einem Tag des Terrors. Am 11. Juli 2006 explodierten innerhalb weniger Minuten mehrere Bomben in voll besetzten Vorortzügen und Bahnhöfen der indischen Millionenmetropole Mumbai. Mehr als 180 Menschen wurden getötet, Hunderte weitere erlitten Verletzungen. Die Anschlagsserie traf vor allem Berufspendler und legte Teile des öffentlichen Verkehrs lahm. Die gezielte Auswahl überfüllter Züge verdeutlichte die Absicht der Täter, möglichst viele Menschen zu treffen und Angst in einer der wirtschaftlich bedeutendsten Städte Indiens zu verbreiten.

Auch die deutsche Wirtschaftsgeschichte ist mit dem Datum verbunden. Am 11. Juli 2007 stellte der Bundestag entscheidende Weichen für die vollständige Öffnung des deutschen Briefmarktes. Das bis dahin bestehende Briefmonopol der Deutschen Post endete zum Jahreswechsel. Private Anbieter erhielten damit die Möglichkeit, in größerem Umfang mit dem ehemaligen Staatsunternehmen zu konkurrieren. Die Liberalisierung veränderte die Postbranche grundlegend, führte jedoch zugleich zu Diskussionen über Arbeitsbedingungen, Mindestlöhne und die flächendeckende Versorgung mit Postdienstleistungen.

Eine besondere rechtspolitische Bedeutung erhielt der 11. Juli schließlich im Jahr 2018. Nach mehr als fünf Jahren und 430 Verhandlungstagen verkündete das Oberlandesgericht München das Urteil im Prozess gegen Mitglieder und Unterstützer des rechtsextremistischen Nationalsozialistischen Untergrunds. Beate Zschäpe wurde als Mittäterin an den Morden, Bombenanschlägen und Raubüberfällen des NSU zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere ihrer Schuld fest. Vier Mitangeklagte erhielten ebenfalls Haftstrafen. Der Prozess behandelte eine rassistisch motivierte Mordserie, der zwischen 2000 und 2007 neun Menschen mit Einwanderungsgeschichte und eine deutsche Polizistin zum Opfer gefallen waren. Das Urteil wurde zu einem wichtigen, wenn auch nicht unumstrittenen Abschluss eines der bedeutendsten Strafverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der Blick auf die Geschichte zeigt damit, wie unterschiedlich die Ereignisse eines einzigen Kalendertages sein können. Der 11. Juli steht für kulturellen Aufbau und internationale Wiedereingliederung, aber ebenso für Krieg, Terror und rassistische Gewalt. Vor allem die Erinnerung an Srebrenica und an die Opfer des NSU macht deutlich, dass Demokratie, Menschenwürde und der Schutz von Minderheiten nicht als selbstverständlich angesehen werden dürfen.

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