In den USA sorgt derzeit ein winziger Darmparasit für steigende Infektionszahlen. Der Erreger Cyclospora cayetanensis wurde inzwischen in zahlreichen Bundesstaaten nachgewiesen. Besonders betroffen ist der Bundesstaat Michigan, wo die Gesundheitsbehörden deutlich mehr Erkrankungen als in den vergangenen Jahren registrieren. Die Infektion kann heftige Magen-Darm-Beschwerden auslösen und vor allem für Kinder, ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem gefährlich werden.
Woher stammt der Parasit?
Cyclospora cayetanensis ist ein einzelliger Darmparasit, der ausschließlich den Menschen befällt. Er kommt vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vor und wird über winzige Dauerstadien, sogenannte Oozysten, verbreitet.
Die Übertragung erfolgt in der Regel nicht direkt von Mensch zu Mensch. Stattdessen gelangen die Parasiten über menschliche Fäkalien in die Umwelt und können Wasser oder Lebensmittel verunreinigen.
Besonders häufig werden Infektionen mit folgenden Lebensmitteln in Verbindung gebracht:
- Himbeeren
- Erdbeeren
- Heidelbeeren
- Brombeeren
- Basilikum
- Koriander
- Zuckererbsen
- Zuckerschoten
- Blattsalate
- anderes ungekochtes Gemüse
Die Parasiten gelangen meist durch verunreinigtes Bewässerungswasser oder mangelnde Hygiene während Anbau, Ernte oder Verarbeitung auf die Lebensmittel.
Warum steckt man sich nicht direkt bei anderen Menschen an?
Frisch ausgeschiedene Oozysten sind zunächst nicht infektiös. Sie müssen erst einige Tage bis Wochen außerhalb des Körpers reifen, bevor sie andere Menschen anstecken können. Deshalb ist eine direkte Übertragung innerhalb einer Familie oder zwischen Kollegen eher unwahrscheinlich.
Welche Beschwerden verursacht Cyclospora?
Nach einer Inkubationszeit von etwa 2 bis 14 Tagen treten häufig folgende Symptome auf:
- starker wässriger Durchfall
- häufiger, teilweise explosionsartiger Stuhlgang
- Bauchkrämpfe
- Blähungen
- Übelkeit
- Appetitlosigkeit
- Müdigkeit
- leichtes Fieber
- Gewichtsverlust
Beispiel
Eine Urlauberin isst auf einem Wochenmarkt einen frischen Salat. Etwa eine Woche später leidet sie plötzlich unter starkem Durchfall, muss mehrmals täglich zur Toilette und verliert innerhalb weniger Tage mehrere Kilogramm Körpergewicht. Erst eine spezielle Stuhluntersuchung weist Cyclospora nach.
Warum kann die Erkrankung gefährlich werden?
Für die meisten gesunden Menschen ist die Erkrankung zwar unangenehm, aber nicht lebensbedrohlich. Problematisch wird sie jedoch durch den erheblichen Flüssigkeitsverlust.
Mögliche Folgen
- Austrocknung (Dehydrierung)
- Kreislaufprobleme
- Elektrolytstörungen
- Gewichtsverlust
- langanhaltende Beschwerden über mehrere Wochen
Besonders gefährdet sind:
- Säuglinge und Kleinkinder
- ältere Menschen
- Schwangere
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem
- chronisch Kranke
Warum steigen die Fallzahlen gerade im Sommer?
Cyclospora-Ausbrüche treten vor allem in den warmen Monaten auf. Dann werden besonders viele frische Beeren, Salate und Kräuter verzehrt. Gleichzeitig begünstigen hohe Temperaturen die Reifung der Oozysten in der Umwelt.
Die US-Gesundheitsbehörden untersuchen derzeit, ob die vielen Erkrankungen auf einen gemeinsamen Lieferanten oder ein bestimmtes Lebensmittel zurückzuführen sind. Bislang konnte jedoch keine eindeutige Quelle identifiziert werden.
Kann man sich schützen?
Das Risiko lässt sich zwar nicht vollständig ausschließen, aber deutlich verringern.
Empfohlen wird:
- Obst und Gemüse gründlich unter fließendem Wasser waschen.
- Salate und Kräuter sorgfältig reinigen.
- Lebensmittel möglichst aus hygienisch kontrollierten Quellen beziehen.
- In Ländern mit unsicherer Trinkwasserversorgung nur abgekochtes oder abgefülltes Wasser trinken.
- Hände regelmäßig und gründlich mit Wasser und Seife waschen.
Wichtig ist allerdings: Der Parasit haftet sehr fest an Lebensmitteln. Selbst gründliches Waschen kann ihn nicht immer vollständig entfernen.
Wie wird die Erkrankung behandelt?
Die Diagnose erfolgt durch spezielle Laboruntersuchungen mehrerer Stuhlproben, da der Parasit nicht in jeder Probe nachweisbar ist. Die wichtigste Maßnahme ist zunächst der Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes. Bei bestätigter Infektion kann die Erkrankung in vielen Fällen mit einem geeigneten Antibiotikum behandelt werden, wodurch sich die Beschwerden meist deutlich verkürzen.
Besteht Gefahr für Deutschland?
Ein größerer Ausbruch ist derzeit vor allem aus den USA bekannt. Einzelne Erkrankungen treten jedoch auch in Deutschland auf – meist nach Auslandsreisen oder durch den Verzehr importierter Lebensmittel. Dank strenger Lebensmittelkontrollen und guter hygienischer Standards bleibt das Risiko hierzulande insgesamt deutlich geringer als in Regionen mit mangelhafter Sanitärversorgung. Dennoch zeigen die aktuellen Ereignisse in den USA, dass verunreinigte Lebensmittel jederzeit auch international zu Krankheitsausbrüchen führen können.