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X reagiert auf Kritik: Plattform will Nutzer künftig direkt über korrigierte Beiträge informieren

TRESOR69 (CC0), Pixabay

Die Social-Media-Plattform X will künftig deutlicher auf irreführende Inhalte reagieren und Nutzer schneller über nachträglich korrigierte Beiträge informieren. Plattform-Eigentümer Elon Musk kündigte an, dass künftig Direktnachrichten (DMs) verschickt werden sollen, wenn Nutzer mit einem Beitrag interagiert haben, der später mit einer sogenannten Community Note versehen wurde. Ziel ist es, Fehlinformationen wirksamer einzudämmen und sicherzustellen, dass Korrekturen nicht übersehen werden.

Bislang informiert X Nutzer lediglich über Benachrichtigungen innerhalb der App oder der Webversion, wenn ein Beitrag nachträglich eine Community Note erhält. Diese Hinweise erscheinen allerdings erst, nachdem eine Korrektur von anderen Nutzern als hilfreich bewertet wurde und mindestens 24 Stunden sichtbar war. Viele Anwender bemerken diese Hinweise daher nicht oder erst deutlich später.

Mit der geplanten Neuerung sollen entsprechende Hinweise künftig direkt im Chat-System von X zugestellt werden. Direktnachrichten fallen deutlich stärker auf als herkömmliche In-App-Benachrichtigungen und könnten dazu beitragen, dass Nutzer nachträgliche Korrekturen schneller wahrnehmen. Einen konkreten Termin für die Einführung der Funktion nannte Musk allerdings nicht.

Das Community-Notes-System gilt als zentrales Instrument der Plattform im Kampf gegen irreführende Informationen. Dabei können ausgewählte Nutzer zusätzliche Informationen oder Korrekturen zu Beiträgen verfassen, die nach ihrer Einschätzung falsche oder unvollständige Angaben enthalten. Eine Community Note wird allerdings erst veröffentlicht, wenn ausreichend Nutzer mit unterschiedlichen Sichtweisen ihre Nützlichkeit bestätigen. Dieses Verfahren soll politische oder ideologische Einseitigkeit verhindern, führt jedoch häufig dazu, dass Korrekturen erst mit erheblicher Verzögerung erscheinen.

Genau darin sehen Experten die größte Schwäche des Systems. Falschinformationen verbreiten sich in sozialen Netzwerken oftmals innerhalb weniger Stunden millionenfach. Erscheint die Korrektur erst später, hat der ursprüngliche Beitrag seine größte Reichweite häufig bereits erreicht.

Eine im Mai 2026 veröffentlichte Studie der Fachzeitschrift Nature Communications untersuchte mehr als 237.000 Beiträge mit Community Notes. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass veröffentlichte Korrekturen zwar die weitere Verbreitung irreführender Inhalte spürbar bremsen können, häufig jedoch erst dann sichtbar werden, wenn die virale Verbreitungsphase bereits abgeschlossen ist. Zudem werden nach den Ergebnissen der Untersuchung 85 bis 90 Prozent aller vorgeschlagenen Community Notes letztlich gar nicht veröffentlicht, weil sie die erforderliche Zustimmung nicht erhalten.

Mit den geplanten Direktnachrichten reagiert X auf diese Kritik. Nutzer, die einen Beitrag gelikt, kommentiert oder weiterverbreitet haben, sollen künftig aktiv darauf hingewiesen werden, wenn sich dessen Inhalt im Nachhinein als irreführend herausgestellt hat. Dadurch könnten Fehlinformationen schneller korrigiert und bereits verbreitete Inhalte besser eingeordnet werden.

Noch offen ist allerdings, wie die neue Funktion im Detail ausgestaltet wird. Bislang ist unklar, ob die Direktnachrichten standardmäßig für alle Nutzer aktiviert werden oder ob sie sich abschalten lassen. Auch zur technischen Umsetzung und zum Starttermin hat sich das Unternehmen bisher nicht geäußert.

Mit der geplanten Erweiterung folgt X einem Trend, der sich zunehmend bei großen Online-Plattformen durchsetzt. Auch andere soziale Netzwerke setzen inzwischen verstärkt auf gemeinschaftsbasierte Systeme zur Überprüfung von Inhalten, um Desinformation einzudämmen und klassische Faktenchecks zu ergänzen.

Ob die neue Benachrichtigungsfunktion tatsächlich dazu beiträgt, die Auswirkungen von Falschinformationen deutlich zu verringern, dürfte sich allerdings erst nach ihrer Einführung zeigen. Experten weisen darauf hin, dass der größte Erfolgsfaktor weiterhin die Geschwindigkeit bleibt, mit der fehlerhafte oder irreführende Inhalte erkannt und korrigiert werden.

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