Dark Mode Light Mode

Wanises WM-Kolumne: Erst Gewitter, dann Gewissheit – Frankreich marschiert weiter

Was für ein Abschluss dieses langen Fußballabends!

Frankreich hat mit einem souveränen 3:0 gegen den Irak das Ticket für die K.o.-Phase gelöst. Doch wer nur auf das Ergebnis schaut, verpasst die eigentliche Geschichte dieses Spiels. Denn zwischen Anpfiff und Abpfiff lagen nicht nur drei Tore, sondern auch mehr als zwei Stunden wetterbedingte Zwangspause.

Zur Halbzeit verwandelte sich Philadelphia plötzlich eher in einen Austragungsort für Wassersport als für Fußball. Regen, Blitz und Donner sorgten für eine Unterbrechung, die gefühlt länger dauerte als manche Pokalpartie. Für die Spieler hieß es warten, warten und nochmals warten.

Vor der Unterbrechung hatten die Franzosen allerdings auch wenig Anlass zur Eile. Les Bleus wirkten überraschend ideenlos, teilweise sogar etwas behäbig. Der Irak verteidigte mutig und hielt die Begegnung offen. Wer auf ein französisches Offensivfeuerwerk gehofft hatte, musste sich zunächst mit einem lauen Sommerregen begnügen – zumindest bis der echte Regen kam.

Nach der langen Pause stand dann jedoch eine andere französische Mannschaft auf dem Platz. Plötzlich war mehr Tempo da, mehr Aggressivität im Pressing und vor allem deutlich mehr Zielstrebigkeit. Es wirkte fast so, als hätten die Franzosen die zwei Stunden genutzt, um sich kollektiv daran zu erinnern, dass sie zu den Turnierfavoriten gehören.

Den entscheidenden Moment lieferte natürlich Kylian Mbappé. Der Irak leistete sich einen folgenschweren Fehler, und gegen einen Spieler seiner Klasse ist das ungefähr so empfehlenswert wie ein Regenschirm aus Papier im Unwetter. Mbappé bedankte sich höflich und stellte auf 2:0. Damit war die Partie praktisch entschieden.

Anschließend erspielte sich Frankreich weitere hochkarätige Chancen. Den Schlusspunkt setzte schließlich Ousmane Dembélé nach feiner Vorarbeit von Michael Olise. Das 3:0 war der passende Abschluss einer zweiten Halbzeit, in der Frankreich seine Klasse deutlich zeigte.

Trotzdem bleibt ein kleiner Vorbehalt. Durch die außergewöhnlich lange Unterbrechung lässt sich dieser Sieg nur schwer bewerten. Die erste Halbzeit war keineswegs überzeugend, die zweite dafür umso stärker. Welche Version der Franzosen wir künftig sehen werden, dürfte entscheidend sein.

Denn nun wartet Norwegen. Und dort laufen mit Erling Haaland, Antonio Nusa und ihren Mitspielern Gegner herum, die deutlich mehr Qualität besitzen als der Irak. Wenn Frankreich auch dieses Spiel gewinnen will, muss die Mannschaft von der ersten Minute an so auftreten, wie sie es nach der Gewitterpause getan hat.

Der Irak verabschiedet sich trotz der Niederlage nicht ohne Anerkennung. Die Mannschaft zeigte phasenweise Mut und Disziplin, kam offensiv aber kaum zu echten Torchancen. Gegen die französische Qualität reichte eine engagierte Leistung letztlich nicht aus.

Mein Fazit des Abends: Frankreich steht verdient in der nächsten Runde. Aber während das Ergebnis nach Dominanz klingt, erzählt das Spiel selbst eine etwas kompliziertere Geschichte. Die Franzosen haben gewonnen – das Gewitter hat allerdings fast genauso viel Gesprächsstoff geliefert wie der Fußball.

Bis morgen bei der WM,

Eure Wanise

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Wanises WM-Kolumne: Messi verschießt erst – und schreibt dann trotzdem Geschichte

Next Post

Sicherungsmaßnahmen im Insolvenzverfahren der Immobilienkontor Anadolu Finanzberatung GmbH aufgehoben