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Endlich Gerechtigkeit? Minijobber sollen nun auch die Rentenkasse füllen

Iffany (CC0), Pixabay

Lange mussten Minijobber mit einem unerträglichen Privileg leben: Sie durften einen kleinen Nebenverdienst erzielen, ohne dabei vollständig von Steuern und Sozialabgaben erfasst zu werden. Doch damit könnte bald Schluss sein. Die Pläne zur Reform der Minijobs versprechen nichts weniger als ein neues Zeitalter der fiskalischen Gleichbehandlung.

Nach den aktuellen Vorstellungen sollen Minijobs künftig vollständig in die gesetzliche Rentenversicherung und steuerlich in das reguläre System eingebunden werden. Lediglich Schüler sollen verschont bleiben. Für alle anderen gilt künftig offenbar das Motto: Wer arbeitet, soll auch zahlen.

Der Millionär von nebenan

Bislang konnten Arbeitnehmer monatlich bis zu 603 Euro verdienen, ohne dass Steuern oder volle Sozialabgaben fällig wurden. Ein Zustand, der offensichtlich kaum noch vermittelbar war.

Denn wer kennt sie nicht, die zahlreichen Minijob-Millionäre, die mit dem Austragen von Zeitungen, dem Kellnern am Wochenende oder dem Auffüllen von Supermarktregalen ihr Vermögen anhäufen?

Nun wird endlich gehandelt.

Die Rentenkasse jubelt

Besonders erfreut dürfte die gesetzliche Rentenversicherung sein. Jahrzehntelang musste sie zusehen, wie Minijobber mit vergleichsweise kleinen Einkommen weitgehend außerhalb des Systems agierten.

Künftig dürfen auch sie ihren Beitrag zur Stabilisierung des Rentensystems leisten. Dass die daraus resultierenden Rentenansprüche später möglicherweise nur wenige Euro zusätzlich pro Monat betragen könnten, sollte dabei nicht vom großen Ganzen ablenken.

Schließlich geht es ums Prinzip.

Mehr Bürokratie für alle

Auch Arbeitgeber dürfen sich freuen.

Wo bisher vergleichsweise einfache Minijob-Regelungen galten, könnten künftig zusätzliche Abrechnungen, Meldungen und Verwaltungsaufgaben hinzukommen. Das schafft Arbeitsplätze – zumindest in Steuerkanzleien und Lohnbüros.

Deutschland bleibt damit seiner Tradition treu, einfache Sachverhalte möglichst komplex zu gestalten.

Studenten, Rentner und Nebenjobber schauen genauer hin

Besonders interessant wird die Reform für jene Menschen, die Minijobs bislang nutzten, um ihre Haushaltskasse aufzubessern.

Dazu gehören:

  • Rentner mit kleiner Altersversorgung,
  • Studenten,
  • Alleinerziehende,
  • Teilzeitbeschäftigte,
  • Arbeitnehmer mit Nebenverdienst.

Sie dürfen künftig prüfen, wie viel von ihrem zusätzlichen Einkommen tatsächlich übrig bleibt.

Das Ende einer Erfolgsgeschichte?

Kritiker warnen bereits davor, dass viele Minijobs schlicht verschwinden könnten. Manche Arbeitnehmer könnten ihre Tätigkeit reduzieren oder ganz aufgeben, wenn sich der finanzielle Vorteil deutlich verringert.

Befürworter sehen das naturgemäß anders. Sie argumentieren, dass jeder Erwerbstätige seinen Beitrag zum Sozialstaat leisten müsse und Altersvorsorge nicht erst bei höheren Einkommen beginnen dürfe.

Fazit

Die geplante Reform zeigt einmal mehr die besondere Kreativität der Politik. Während vielerorts über Fachkräftemangel, steigende Lebenshaltungskosten und sinkende Kaufkraft diskutiert wird, hat man offenbar eine neue Einnahmequelle entdeckt: Menschen mit wenigen hundert Euro Nebenverdienst.

Für die Staatskasse mag das erfreulich sein.

Für viele Minijobber dürfte dagegen die Erkenntnis bleiben, dass man künftig vielleicht mehr arbeitet, um am Ende weniger übrig zu haben.

Aber immerhin geschieht alles im Namen der Gerechtigkeit.

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