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Mitternachts-Anpfiff statt Public Viewing: Droht der deutschen Gastronomie ein WM-Dämpfer?

Pixaline (CC0), Pixabay

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 verspricht sportliche Höhepunkte auf drei Kontinenten – wirtschaftlich könnten die Spiele in Nordamerika für viele deutsche Gastronomen jedoch zur Herausforderung werden. Grund dafür sind die erheblichen Zeitverschiebungen zwischen Deutschland und den Gastgeberländern USA, Kanada und Mexiko. Zahlreiche Partien werden erst nach Mitternacht deutscher Zeit angepfiffen, manche sogar erst in den frühen Morgenstunden. Nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten könnte dies die sonst üblichen WM-Zusatzeinnahmen für Kneipen, Bars und Biergärten deutlich schmälern.

Eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass die Fußball-WM zwar auch in Deutschland für zusätzliche Umsätze sorgen dürfte, das wirtschaftliche Potenzial jedoch wegen der ungewöhnlichen Anstoßzeiten nicht vollständig ausgeschöpft werden kann. Nach Berechnungen der Kölner Wirtschaftsforscher könnte die Gastronomie während des Turniers rund 67 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen erzielen. Wären sämtliche Spiele hingegen zur klassischen Primetime am frühen Abend angesetzt, läge der zusätzliche Umsatz nach Einschätzung der Experten bei mehr als 100 Millionen Euro.

Zeitverschiebung verändert das Fanverhalten

Die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt am 11. Juni 2026 und wird erstmals gemeinsam in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. Für deutsche Fans bedeutet dies Zeitunterschiede von sechs bis neun Stunden. Mehr als die Hälfte aller WM-Partien wird deshalb erst nach Mitternacht mitteleuropäischer Zeit angepfiffen. Einige Begegnungen beginnen sogar erst um vier Uhr morgens.

Für viele Fußballbegeisterte dürfte der Weg in die Kneipe oder zum Public Viewing deshalb entfallen. Stattdessen erwarten Experten, dass deutlich mehr Zuschauer die Spiele zu Hause vor dem Fernseher verfolgen werden. Während ein WM-Abend mit Freunden in einer Bar oder einem Biergarten traditionell hohe Umsätze bei Getränken und Speisen generiert, werden viele Fans angesichts der Uhrzeiten auf das heimische Wohnzimmer ausweichen.

Hoffnungsträger bleibt die Nationalmannschaft

Wie stark die Gastronomie letztlich von der WM profitiert, hängt nach Einschätzung der Branche vor allem vom sportlichen Erfolg der deutschen Nationalmannschaft ab. Je weiter die Mannschaft im Turnier kommt, desto größer dürfte das öffentliche Interesse werden.

Gastronomen erinnern sich dabei gerne an die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zurück. Auch damals fanden zahlreiche Spiele aufgrund der Zeitverschiebung erst spät am Abend statt. Der Titelgewinn der deutschen Mannschaft sorgte dennoch für volle Lokale und eine ausgelassene Stimmung. Die Branche hofft nun auf einen ähnlichen Effekt.

Sollte die DFB-Elf erneut weit ins Turnier vorstoßen oder sogar das Finale erreichen, könnten die prognostizierten Umsätze deutlich übertroffen werden. Ein frühes Ausscheiden würde hingegen die wirtschaftlichen Erwartungen zusätzlich belasten.

Wirtschaft profitiert dennoch von der WM

Nicht nur die Gastronomie dürfte von der Weltmeisterschaft profitieren. Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet insgesamt mit einem zusätzlichen Umsatz von rund 400 Millionen Euro für die deutsche Wirtschaft. Dazu zählen neben Restaurant- und Kneipenbesuchen auch höhere Ausgaben für Lebensmittel, Fanartikel, Fernseher, Beamer sowie Werbe- und Sponsoringaktivitäten.

Von einem nachhaltigen Konjunkturschub gehen die Ökonomen allerdings nicht aus. Gemessen an der Gesamtleistung der deutschen Wirtschaft bleibt der Effekt überschaubar und wird sich kaum auf das Bruttoinlandsprodukt auswirken.

Weniger Public Viewing als bei früheren Turnieren

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Anders als bei der Heim-Europameisterschaft 2024 wird es vielerorts deutlich weniger große Public-Viewing-Veranstaltungen geben. Veranstalter sehen sich angesichts der späten Uhrzeiten und höherer organisatorischer Anforderungen mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert.

Ob sich dieser Rückgang für Gaststätten letztlich positiv oder negativ auswirkt, bleibt offen. Einerseits könnten Fans stärker auf lokale Kneipen ausweichen, andererseits könnten viele Begegnungen aufgrund der Uhrzeiten gar nicht erst außerhalb der eigenen vier Wände verfolgt werden.

Zwischen Vorfreude und Zurückhaltung

Die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft ist in Deutschland grundsätzlich vorhanden, die wirtschaftlichen Erwartungen fallen jedoch deutlich verhaltener aus als bei früheren Turnieren. Die außergewöhnlichen Anstoßzeiten dürften dafür sorgen, dass die Fußballbegeisterung zwar vor den Bildschirmen anhält, der traditionelle WM-Boom für die Gastronomie aber kleiner ausfällt als gewohnt.

Für Restaurants, Bars und Biergärten bleibt die Hoffnung, dass die deutsche Nationalmannschaft für sportliche Euphorie sorgt. Denn eines hat die Vergangenheit gezeigt: Erfolgreicher Fußball kann selbst späte Anstoßzeiten in umsatzstarke Nächte verwandeln.

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