Der Jahresbericht des Allianz Global Investors Fonds „Allianz Thesaurus“ zeigt aus Anlegersicht ein gemischtes Bild: Einerseits profitierte der Fonds von der starken Entwicklung deutscher Aktien im Jahr 2025, andererseits blieb die Performance deutlich hinter dem Vergleichsindex DAX zurück.
Performance: Positiv, aber klar unter Benchmark
Der Fonds erzielte 2025 eine Wertentwicklung von +5,63 %, während der Vergleichsindex DAX UCITS Capped Net Return um +25,96 % zulegte. Damit lag die aktive Fondsstrategie erheblich hinter dem Markt zurück.
Für Anleger ist dies der zentrale Kritikpunkt des Berichts: Trotz eines grundsätzlich freundlichen Börsenumfeldes konnte das Fondsmanagement den deutschen Aktienmarkt nicht schlagen. Besonders negativ wirkten laut Bericht:
Fehlgewichtungen bei Industrie- und Finanzwerten
Übergewichtung von IT-Aktien
Untergewichtung von Versorgern
Schwächere Einzeltitelauswahl im Industrie- und Rohstoffsektor
Gerade in einem starken Bullenmarkt erwarten Anleger von einem aktiv gemanagten Fonds eine Outperformance oder zumindest eine marktnahe Entwicklung. Die deutliche Differenz von mehr als 20 Prozentpunkten zum DAX stellt daher ein wesentliches Risikoargument gegen die aktuelle Managementstrategie dar.
Fondsstruktur: Konzentration auf deutsche Qualitätsaktien
Der Fonds investiert nahezu vollständig in den Masterfonds „Allianz German Equity“, der wiederum stark auf große deutsche Standardwerte fokussiert ist. Die größten Positionen sind:
Siemens AG
SAP SE
Allianz SE
Deutsche Börse AG
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft
Diese Zusammensetzung spricht für eine Ausrichtung auf etablierte, liquide Qualitätsunternehmen mit solider Marktstellung. Gleichzeitig erhöht die Konzentration auf wenige große Werte das Klumpenrisiko.
Positiv hervorzuheben ist die sehr geringe Liquiditätsquote. Das Kapital arbeitet nahezu vollständig im Markt, was grundsätzlich renditefördernd ist.
Risikoanalyse: Hohes Aktienmarktrisiko
Der Fonds weist laut Bericht ein hohes Marktpreisrisiko auf. Dies überrascht nicht, da nahezu das gesamte Vermögen in Aktien investiert ist.
Positiv ist dagegen:
geringes Währungsrisiko
sehr geringes Liquiditätsrisiko
geringes Ausfallrisiko
Für langfristig orientierte Anleger mit hoher Risikobereitschaft bleibt der Fonds damit grundsätzlich geeignet. Kurzfristige Schwankungen können jedoch erheblich ausfallen.
Kostenstruktur: Relativ teuer
Die Gesamtkostenquote liegt bei 1,82 % p.a..
Für einen Fonds, der den DAX 2025 deutlich verfehlt hat, erscheint dieses Kostenniveau ambitioniert. Anleger müssen sich daher fragen, ob die aktive Verwaltung den Mehrwert gegenüber günstigeren ETF-Lösungen rechtfertigt.
Besonders kritisch ist dies im direkten Vergleich mit passiven DAX-ETFs, die oft Gesamtkosten von unter 0,2 % aufweisen.
Nachhaltigkeit und ESG: Deutlich ausgebaut
Im ESG-Bereich präsentiert sich der Fonds stark:
59,55 % nachhaltige Investitionen
6,84 % EU-taxonomiekonforme Anlagen
CO₂-Intensität rund 72 % unter dem Referenzindex
Zudem werden kontroverse Branchen wie Waffen, Kohle oder Tabak systematisch ausgeschlossen. Für nachhaltig orientierte Anleger ist dies ein klarer Pluspunkt.
Die ESG-Strategie scheint im Vergleich zu Vorjahren deutlich verbessert worden zu sein, insbesondere bei der Reduktion der Treibhausgasintensität.
Mittelabflüsse zeigen gewisse Anlegerzurückhaltung
Im Geschäftsjahr kam es netto zu Mittelabflüssen von rund 7,9 Mio. EUR.
Dies deutet darauf hin, dass Anleger auf die schwächere relative Entwicklung reagierten und Kapital abzogen. Trotz positiver absoluter Rendite scheint das Vertrauen in die aktive Strategie teilweise nachgelassen zu haben.
Fazit aus Anlegersicht
Der Allianz Thesaurus bleibt ein solide strukturierter Deutschland-Aktienfonds mit Fokus auf große Qualitätsunternehmen und einer mittlerweile ausgeprägten ESG-Ausrichtung. Für Anleger, die gezielt auf deutsche Standardwerte mit Nachhaltigkeitsfilter setzen möchten, bietet der Fonds weiterhin eine professionelle Lösung.
Allerdings offenbart der Jahresbericht 2025 auch klare Schwächen:
massive Unterperformance gegenüber dem DAX
hohe laufende Kosten
fragwürdiger Mehrwert des aktiven Managements im Vergleich zu ETFs
Für langfristige Anleger mit Nachhaltigkeitsfokus kann der Fonds dennoch interessant bleiben. Wer hingegen primär maximale Marktrendite bei niedrigen Kosten sucht, dürfte mit einem kostengünstigen DAX-ETF aktuell attraktiver aufgestellt sein.