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Neues Altersvorsorgedepot ab 2027: Verbraucherzentralen warnen vor teuren Rentenfallen

geralt (CC0), Pixabay

Die Reform der Riester-Rente ist beschlossen – und sie bringt massive Veränderungen für Millionen Sparer mit sich. Bundestag und Bundesrat haben eine grundlegende Neugestaltung der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge verabschiedet, die ab 2027 gelten soll. Kernstück der Reform ist ein neues sogenanntes Altersvorsorgedepot. Doch Verbraucherschützer schlagen bereits Alarm: Neben neuen Chancen drohen nach ihrer Einschätzung auch erhebliche Kostenfallen.

Die Verbraucherzentralen warnen insbesondere davor, sich vorschnell neue Verträge verkaufen zu lassen. Viele Anbieter dürften versuchen, die Reform für eine neue Verkaufswelle zu nutzen – möglicherweise mit Produkten, die hohe Kosten verursachen und die spätere Rendite deutlich schmälern.

Das Ende der klassischen Riester-Rente?

Mit der Reform wird das bisherige Riester-System grundlegend umgebaut. Während klassische Riester-Produkte häufig auf Garantien, Versicherungen und vergleichsweise komplizierte Vertragsmodelle setzten, soll das neue Altersvorsorgedepot stärker auf Kapitalmarktanlagen ausgerichtet werden.

Geplant ist ein staatlich organisiertes Standardprodukt, das ab Januar 2027 verfügbar sein soll. Dieses Depot soll einfach aufgebaut, breit gestreut und kostengünstig sein. Anlegergelder sollen überwiegend oder vollständig in Aktien- und Rentenfonds investiert werden.

Die Hoffnung dahinter: höhere Renditechancen durch stärkere Beteiligung am Aktienmarkt.

Mehr Rendite – aber auch mehr Risiko

Im Gegensatz zu vielen bisherigen Riester-Verträgen soll das neue Standarddepot keine vollständige Kapitalgarantie mehr enthalten. Stattdessen setzt die Reform bewusst stärker auf langfristige Aktieninvestments.

Dadurch könnten Sparer zwar deutlich höhere Erträge erzielen – gleichzeitig steigt aber auch das Risiko von Kursschwankungen und möglichen Verlusten.

Um das Risiko im Alter zu reduzieren, soll das Kapital mit zunehmendem Alter schrittweise stärker in sicherere Rentenfonds umgeschichtet werden.

Verbraucherschützer warnen vor „Premium-Modellen“

Besonders kritisch sehen die Verbraucherzentralen jedoch die Möglichkeit, dass Banken, Versicherer und Finanzvertriebe neben dem günstigen Standarddepot auch teurere Zusatzprodukte anbieten dürfen.

Während für das staatliche Standardprodukt eine Kostenobergrenze von 1,0 Prozent pro Jahr gelten soll, sind bei anderen Altersvorsorgeprodukten deutlich höhere Gebühren möglich.

Experten rechnen damit, dass viele Anbieter sogenannte „Premium“-Produkte mit zusätzlichen Garantien, umfangreicher Fonds-Auswahl oder besonderen Beratungsleistungen vermarkten werden. Die Effektivkosten könnten dabei laut Verbraucherschützern schnell bei 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr oder sogar noch höher liegen.

Hohe Kosten können Rendite massiv zerstören

Genau darin sehen Verbraucherschützer eines der größten Probleme der Reform. Viele Sparer unterschätzen laut Experten, wie stark sich laufende Kosten über Jahrzehnte auf die spätere Altersvorsorge auswirken.

Selbst die gesetzlich erlaubte Kostenquote von 1,0 Prozent pro Jahr könne langfristig erhebliche Teile der Rendite auffressen. Bei einer Laufzeit von 40 Jahren und einer angenommenen Bruttorendite von sechs Prozent könne rund ein Drittel der Kapitalerträge allein durch Kosten verloren gehen.

Experten sprechen dabei vom sogenannten „Kosten-Kosten-Effekt“. Ähnlich wie der Zinseszinseffekt wachsen auch Gebühren langfristig immer stärker an und können die spätere Auszahlung deutlich reduzieren.

Gefahr neuer Verkaufswellen

Die Verbraucherzentralen befürchten nun, dass viele Finanzvertriebe die Reform nutzen könnten, um Verbraucher gezielt unter Druck zu setzen. Vor allem gegen Jahresende rechnen Experten mit verstärkter Werbung für neue Altersvorsorgeverträge.

Verbraucherschützer raten deshalb dringend davon ab, vorschnell Verträge abzuschließen. Viele wichtige Details des neuen staatlichen Standardprodukts stehen derzeit noch gar nicht endgültig fest.

Was Verbraucher jetzt beachten sollten

Nach Einschätzung von Verbraucherschützern besteht aktuell kein Grund zur Eile. Bestehende Riester-Verträge können zunächst zu den bisherigen Bedingungen weitergeführt werden.

Wer über einen Wechsel oder Neuabschluss nachdenkt, sollte vor allem auf folgende Punkte achten:

  • Höhe der laufenden Kosten
  • Abschluss- und Vertriebskosten
  • Garantien und deren tatsächlicher Nutzen
  • langfristige Renditechancen
  • Flexibilität des Vertrags
  • Transparenz der Fondsstruktur

Besondere Vorsicht sei bei komplizierten „Premium“-Angeboten geboten, die mit umfangreicher Betreuung oder exklusiven Fonds beworben werden.

Reform mit Chancen – aber auch Risiken

Die Reform könnte tatsächlich neue Möglichkeiten für eine renditestärkere Altersvorsorge schaffen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch schon jetzt, dass der Markt für Altersvorsorgeprodukte deutlich komplexer werden dürfte.

Ob das neue Altersvorsorgedepot am Ende wirklich günstiger und verbraucherfreundlicher wird als viele bisherige Riester-Produkte, hängt nun stark davon ab, wie die konkreten Angebote ausgestaltet werden – und wie aufmerksam Verbraucher mögliche Kostenfallen erkennen.

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