Dark Mode Light Mode

Strom nur gegen Vorkasse: Warum Prepaid-Stromzähler für Verbraucher zur Kostenfalle werden können

Pixelharvester (CC0), Pixabay

Strom wie ein Handyvertrag aufladen — was zunächst praktisch klingt, könnte für viele Verbraucher schnell zum Problem werden. Immer mehr Energieversorger setzen auf sogenannte Prepaid-Stromzähler. Das Prinzip: Erst Guthaben kaufen, dann Strom verbrauchen. Ist das Guthaben aufgebraucht, droht im schlimmsten Fall plötzlich Dunkelheit in der Wohnung.

Verbraucherschützer warnen deshalb: Prepaid-Strom kann zwar in bestimmten Notlagen helfen, birgt aber erhebliche Risiken — insbesondere für finanziell ohnehin belastete Haushalte.

Stromzähler mit Guthabenfunktion

Das System erinnert stark an Prepaid-Handytarife. Verbraucher zahlen im Voraus einen bestimmten Betrag ein und erhalten dafür ein Stromguthaben. Bezahlt wird meist per App, Online-Zahlung oder Guthabencode.

Der Stromverbrauch wird anschließend automatisch vom Guthaben abgezogen. Sinkt das Guthaben auf null, kann der Stromzähler die Versorgung selbstständig unterbrechen.

Besonders problematisch: Anders als bei einem Handy bedeutet ein leeres Stromkonto nicht nur fehlende Kommunikation — sondern möglicherweise keinen Kühlschrank, kein Licht und keine funktionierende Heizung mehr.

Für wen Prepaid-Strom überhaupt gedacht ist

Nach Angaben von Verbraucherzentralen werden Prepaid-Stromzähler vor allem in schwierigen finanziellen Situationen eingesetzt. Manche Grundversorger bieten sie als letzte Möglichkeit an, bevor es zu einer vollständigen Stromsperre wegen Zahlungsrückständen kommt.

Vor allem Menschen mit Schulden oder negativer Schufa erhalten häufig leichter einen Prepaid-Tarif als einen klassischen Stromvertrag.

Genau darin sehen Kritiker jedoch ein gesellschaftliches Problem. Denn ausgerechnet finanziell schwächere Haushalte landen oft in einem System, das langfristig sogar teurer sein kann.

Gefahr der „Selbstsperre“

Ein besonders kritischer Punkt: Verbraucher können sich durch vergessenes Aufladen praktisch selbst vom Stromnetz abschneiden.

Ist kein Guthaben mehr vorhanden, stoppt die Stromversorgung teilweise automatisch. Gerade Familien, ältere Menschen oder Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen könnten dadurch in schwierige Situationen geraten.

Verbraucherschützer warnen deshalb davor, dass Prepaid-Strom soziale Probleme verschärfen könnte. Während klassische Stromsperren rechtlich streng geregelt sind, geschieht die Unterbrechung beim Prepaid-System oft automatisch.

Wechsel des Stromanbieters oft schwierig

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Wer einmal einen Prepaid-Stromzähler installiert hat, kann den Anbieter meist nicht mehr so einfach wechseln.

Denn vor einem Wechsel muss der spezielle Stromzähler häufig wieder ausgebaut oder ersetzt werden. Das erschwert den Zugang zu günstigeren Tarifen und bindet Verbraucher oft länger an einen Anbieter.

Gerade in Zeiten stark schwankender Strompreise kann das finanziell nachteilig sein.

Oft teurer als normale Stromtarife

Obwohl das System auf den ersten Blick nach besserer Kostenkontrolle klingt, rechnen sich Prepaid-Tarife laut Verbraucherschützern häufig nicht.

Viele klassische Stromanbieter bieten günstigere Neukundentarife an. Zudem behalten manche Versorger bei jedem Aufladevorgang automatisch Teile des Guthabens ein, um alte Schulden zu begleichen.

Dadurch steht den Betroffenen teilweise weniger Strom zur Verfügung, als sie eigentlich bezahlt haben.

Kontrolle oder modernes Armutsmodell?

Befürworter argumentieren, dass Prepaid-Strom Menschen helfen könne, ihren Energieverbrauch besser im Blick zu behalten und neue Schulden zu vermeiden.

Kritiker sehen dagegen die Gefahr eines „Stroms auf Ration“. Gerade ärmere Haushalte müssten ständig kontrollieren, ob genug Guthaben vorhanden sei — während wohlhabendere Verbraucher solche Sorgen nicht hätten.

Damit könnte sich ein Zweiklassensystem bei der Energieversorgung entwickeln: normale Stromkunden auf der einen Seite, Prepaid-Haushalte unter ständigem Kostendruck auf der anderen.

Verbraucher sollten genau prüfen

Verbraucherschützer raten deshalb, Prepaid-Strom nur als Ausnahme- oder Übergangslösung zu nutzen — etwa um eine drohende Stromsperre abzuwenden.

Vor Abschluss eines solchen Tarifs sollten Verbraucher unbedingt:

  • Preise vergleichen,
  • mögliche Zusatzkosten prüfen,
  • auf automatische Abschaltungen achten,
  • und sich über Alternativen beraten lassen.

Denn was als flexible Kostenkontrolle verkauft wird, kann im Alltag schnell zur dauerhaften Belastung werden.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Berliner Beteiligungsgesellschaft SF Grambin Beteiligung GmbH unter vorläufiger Insolvenzverwaltung

Next Post

BaFin warnt vor den Plattformen Swisscape(.)com und fxplus(.)ai