Was als sichere Geldanlage und solide Immobilieninvestition begann, endete für zahlreiche Anleger offenbar in einem finanziellen Desaster. Gegen das Augsburger Unternehmen „Die Wirtschaftsmanufaktur Catalano & Kollegen“ stehen schwere Vorwürfe im Raum: Kunden berichten von hohen Verlusten, ausbleibenden Auszahlungen und fragwürdigen Geschäftsmodellen.
Traum vom Eigentum wird zum Albtraum
Einer der Betroffenen ist Björn Bergl aus Donauwörth. Er investierte mehr als 70.000 Euro in eine vermeintliche Wohnung in Sachsen – und steht heute vor einem Dachboden, der kaum als Wohnraum geeignet ist. Nach eigenen Angaben entsprach das Objekt nicht den gezeigten Unterlagen. Ob es sich um eine Täuschung handelt, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Ein weiterer Käufer berichtet von einem ähnlichen Fall: Für rund 100.000 Euro erwarb er eine Immobilie, deren tatsächlicher Marktwert laut Einschätzung eines Maklers deutlich niedriger liegen könnte.
Hohe Renditen – und plötzlich Funkstille
Neben Immobilien vermittelte das Unternehmen auch Geldanlagen. Kunden überwiesen Beträge zwischen 10.000 und 100.000 Euro – angelockt von Renditeversprechen von bis zu neun Prozent jährlich.
Zunächst seien Auszahlungen erfolgt, berichten Betroffene. Doch später gerieten diese ins Stocken. Spätestens mit der Insolvenz des Unternehmens im August 2025 brach der Zahlungsfluss vollständig ab. Viele Anleger warten bis heute auf ihr Geld.
Nähe als Vertrauensfaktor
Auffällig ist das Vertriebskonzept: Statt anonymer Online-Angebote setzte die Firma auf persönliche Kontakte. Präsenz auf regionalen Messen, ein Büro vor Ort und direkte Gespräche vermittelten Seriosität. Genau dieses Vertrauen könnte für viele Anleger entscheidend gewesen sein.
Verdacht auf problematische Geschäftsstruktur
Ein Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht sieht deutliche Warnsignale. Seiner Einschätzung nach könnte es sich um ein System handeln, das an frühere Fälle des sogenannten grauen Kapitalmarkts erinnert.
Besonders brisant: Für die Annahme von Kundengeldern wäre in vielen Fällen eine Erlaubnis der BaFin erforderlich gewesen. Eine entsprechende Zulassung ist jedoch nicht öffentlich dokumentiert.
Offene Fragen zur Mittelverwendung
In einem Zivilverfahren wurde bekannt, dass ein Teil der Kundengelder offenbar nicht wie versprochen investiert wurde. Stattdessen sollen Mittel unter anderem in den Kauf eines Büros geflossen sein.
Ein Bericht der Insolvenzverwaltung zeichnet zudem ein chaotisches Bild der Unternehmensunterlagen. Selbst nach Pfändung von Geschäftskonten sollen weiterhin Gelder über private Konten angenommen worden sein.
Forderungen in Millionenhöhe
Die Dimension des Falls ist erheblich: Gläubiger fordern insgesamt rund 1,7 Millionen Euro. Für viele Betroffene steht mehr auf dem Spiel als nur Geld – einige sehen sich mit existenziellen Folgen konfrontiert, bis hin zur drohenden Privatinsolvenz.
Einordnung
Der Fall zeigt einmal mehr, wie riskant vermeintlich lukrative Angebote sein können – insbesondere außerhalb streng regulierter Märkte.
Hohe Renditeversprechen, persönliche Nähe und fehlende Transparenz bilden häufig eine gefährliche Kombination.
Fazit
Ob strafrechtlich relevante Täuschung vorliegt, müssen nun Gerichte klären. Klar ist jedoch schon jetzt:
Für zahlreiche Anleger hat sich das Vertrauen in einen vermeintlich seriösen Anbieter als folgenschwerer Fehler erwiesen.