Was als vermeintliche Liebesgeschichte begann, endete in einem finanziellen Desaster: Im Landkreis Zwickau ist ein Mann Opfer eines besonders perfiden Falls von sogenanntem Love-Scamming geworden. Über Monate hinweg überwies er rund 100.000 Euro an eine angebliche Ärztin aus der Ukraine – eine Person, die es in Wirklichkeit nie gab.
Die Masche folgt einem bekannten, aber immer noch wirkungsvollen Muster. Über eine Online-Plattform nehmen Betrüger Kontakt zu ihren Opfern auf und bauen schrittweise eine emotionale Beziehung auf. Nachrichten werden persönlicher, intensiver, oft täglich – bis schließlich Vertrauen entsteht. Genau dieses Vertrauen wird später gezielt ausgenutzt.
Im konkreten Fall entwickelte sich zwischen Juli 2025 und März 2026 eine scheinbar ernsthafte Online-Romanze. Die angebliche Medizinerin schilderte persönliche Schicksalsschläge und finanzielle Notlagen. Mal ging es um Reisekosten, um ein gemeinsames Treffen zu ermöglichen, mal um medizinische Behandlungen oder blockierte Konten. Jede Geschichte wirkte plausibel, jede Bitte dringend.
Das Opfer ließ sich darauf ein – und überwies wiederholt Geld, teilweise auf ausländische Konten, teilweise in Form von Kryptowährungen. Am Ende blieb nicht nur die erhoffte Beziehung aus, sondern auch ein erheblicher finanzieller Schaden.
Die Polizei warnt eindringlich vor solchen Betrugsmaschen. Love-Scamming gehört zu den emotional intensivsten Formen des Online-Betrugs, weil es gezielt auf Gefühle wie Einsamkeit, Hoffnung und Vertrauen abzielt. Gerade Menschen, die aktiv auf Partnersuche sind, geraten dabei schnell ins Visier der Täter.
Ein zentrales Merkmal solcher Betrugsfälle ist die räumliche Distanz. Die angeblichen Partner befinden sich fast immer im Ausland – persönliche Treffen werden immer wieder verschoben oder durch neue Ausreden verhindert. Gleichzeitig steigt der finanzielle Druck, oft unter dem Vorwand akuter Notlagen.
Auch die Kommunikationsstrategie ist typisch: Die Täter versuchen, möglichst schnell von öffentlichen Plattformen auf private Kanäle wie Messenger-Dienste zu wechseln. Dort ist die Kontrolle geringer und die Manipulation einfacher.
Experten raten zu erhöhter Vorsicht bei Online-Bekanntschaften, insbesondere wenn früh Geld ins Spiel kommt. Grundsätzlich gilt: Wer um finanzielle Hilfe bittet, ohne sich jemals persönlich getroffen zu haben, sollte kritisch hinterfragt werden.
Der Fall zeigt, wie geschickt Kriminelle emotionale Bindungen ausnutzen – und wie hoch die Schäden sein können. Für Betroffene geht es dabei nicht nur um Geld, sondern oft auch um Vertrauen und persönliche Enttäuschung.
Die wichtigste Regel bleibt daher: Gefühle lassen sich nicht überweisen – Geld hingegen schon. Und genau darauf setzen die Täter.