Die EWIA Impact I UG (haftungsbeschränkt) hat im Rahmen eines Crowdinvesting-Angebots Anlegergelder für ein Energieprojekt in Ghana eingesammelt. Nun liegt der Abschlussbericht zur gesetzlich vorgeschriebenen Mittelverwendungskontrolle vor. Dieser gibt Aufschluss darüber, wie die eingeworbenen Gelder tatsächlich eingesetzt wurden – und wo es Abweichungen von der ursprünglichen Planung gab.
Investitionsziel: Solaranlage für Recyclingunternehmen in Ghana
Gegenstand der Vermögensanlage „Crowdinvesting EWIA Zablikani Recycling“ war die Finanzierung einer Photovoltaikanlage samt Energiespeicher für ein Recyclingunternehmen in Ghana. Konkret sollte eine Solaranlage mit einer Leistung von rund 57 kWp sowie ein Batteriespeicher mit 61,44 kWh errichtet werden.
Das Konzept sah vor, dass die Emittentin die Anlegergelder in Form eines Nachrangdarlehens einwirbt und über einen Weiterleitungskredit an die Projektgesellschaft vor Ort weitergibt. Diese sollte die Mittel für Planung, Bau und Inbetriebnahme der Anlage verwenden.
Eingeworbene Mittel unter Plan – vollständige Verwendung
Nach dem vorliegenden Bericht wurden insgesamt 87.100 Euro von Anlegern eingesammelt. Damit blieb das Finanzierungsvolumen unter dem ursprünglich angestrebten Ziel von 101.000 Euro.
Die Mittel wurden jedoch vollständig verwendet. Rund 72.938 Euro – entsprechend etwa 83,7 Prozent des eingesammelten Kapitals – flossen direkt in das Anlageobjekt, also in die Entwicklung, Planung und Umsetzung der Solaranlage.
Die restlichen 14.161,50 Euro wurden für sogenannte Emissions- und Nebenkosten verwendet. Dazu zählen insbesondere:
- Vergütung der Crowdinvesting-Plattform
- Marketing- und Beratungskosten
- Kosten für die Mittelverwendungskontrolle
- Gebühren an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
Abweichungen bei Kostenstruktur und Fundingvolumen
Der Mittelverwendungskontrolleur stellt fest, dass die Finanzierung zwar grundsätzlich planmäßig erfolgte, jedoch in mehreren Punkten von den ursprünglichen Angaben im Vermögensanlagen-Informationsblatt abwich.
Zum einen wurde das geplante Fundingvolumen nicht erreicht. Dies kann Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit und Skalierung des Projekts haben, wenngleich hierzu im Bericht keine vertiefte Bewertung erfolgt.
Zum anderen lagen die tatsächlichen Emissionskosten mit 14.161,50 Euro leicht unter den ursprünglich kalkulierten 15.065 Euro. Gleichzeitig wich die Zusammensetzung dieser Kosten von der ursprünglichen Planung ab, was auf eine Anpassung der Kostenstruktur während der Umsetzung hindeutet.
Kontrollmechanismus gemäß Vermögensanlagengesetz
Die Mittelverwendungskontrolle erfolgte gemäß § 5c Vermögensanlagengesetz (VermAnlG). Dabei handelt es sich um ein gesetzlich vorgeschriebenes Instrument zum Schutz von Anlegern.
Wesentlich ist hierbei, dass die Emittentin nur gemeinsam mit dem Mittelverwendungskontrolleur über das entsprechende Konto verfügen darf. Eine Freigabe der Gelder erfolgt erst, wenn die vertraglich definierten Voraussetzungen erfüllt sind. Im Anschluss wird überprüft, ob die Mittel zweckentsprechend eingesetzt wurden.
Im vorliegenden Fall bestätigt der beauftragte Wirtschaftsprüfer, dass die Verwendung der Anlegergelder „dem Grunde nach planmäßig“ erfolgt ist. Eine abschließende Bewertung der wirtschaftlichen Tragfähigkeit oder des Projekterfolgs ist damit jedoch nicht verbunden.
Einordnung aus Anlegersicht
Aus juristischer Sicht ist zunächst festzuhalten, dass die Mittelverwendungskontrolle keine Aussage über die Rentabilität oder das Risiko der Vermögensanlage trifft. Sie dient ausschließlich der Überprüfung, ob die Gelder entsprechend den vertraglichen Vereinbarungen eingesetzt wurden.
Die festgestellten Abweichungen – insbesondere beim Fundingvolumen und der Kostenstruktur – sind nicht ungewöhnlich für Crowdinvesting-Projekte, sollten jedoch von Anlegern kritisch eingeordnet werden. Gerade bei Nachrangdarlehen besteht ein erhöhtes Risiko, da im Insolvenzfall nachrangige Ansprüche bestehen.
Positiv hervorzuheben ist, dass die Mittel vollständig investiert wurden und keine nicht verwendeten Gelder verblieben sind. Ebenso wurden die Zahlungen an die Projektgesellschaft dokumentiert und nachvollziehbar dargestellt.
Fazit
Der Abschlussbericht zur Mittelverwendungskontrolle bei der EWIA Impact I UG zeigt ein insgesamt planmäßiges Bild der Mittelverwendung, allerdings mit gewissen Abweichungen gegenüber der ursprünglichen Planung.
Für Anleger ergibt sich daraus ein gemischtes Bild: Während die zweckentsprechende Verwendung der Gelder bestätigt wird, bleiben wirtschaftliche Risiken und Unsicherheiten – insbesondere im Hinblick auf Projektentwicklung und Rendite – bestehen. Die Mittelverwendungskontrolle bietet insoweit Transparenz, ersetzt jedoch keine umfassende Risikoanalyse.