Ein ungewöhnlicher Fall von Wildtierschmuggel sorgt derzeit in Kenia für Aufsehen – und wirft ein Schlaglicht auf einen bislang wenig beachteten Schwarzmarkt. Ein chinesischer Staatsbürger und ein kenianischer Komplize stehen im Verdacht, mehr als 2.000 lebende Ameisenköniginnen illegal außer Landes bringen zu wollen.
Die Ermittlungen der Kenya Wildlife Service begannen am internationalen Flughafen der Hauptstadt Nairobi. Dort wurde der Mann, identifiziert als Zhang Kequn, festgenommen. In seinem Gepäck entdeckten die Behörden die Tiere – sorgfältig einzeln in Reagenzgläsern verpackt oder in Papier eingewickelt.
Systematischer Handel mit ungewöhnlicher Ware
Vor Gericht wurde bekannt, dass Zhang die Ameisen von einem kenianischen Händler erworben haben soll. Der Preis: rund 10.000 kenianische Schilling (etwa 77 US-Dollar) pro 100 Tiere. Insgesamt ergibt sich daraus ein lukratives Geschäft – insbesondere angesichts der steigenden Nachfrage auf internationalen Märkten.
Denn was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, ist Teil eines wachsenden Trends: In Europa und Asien steigt das Interesse an exotischen Insekten, insbesondere an Ameisenkolonien, die von Sammlern und Hobbyhaltern als „lebende Terrarien“ gehalten werden.
Neue Form des Wildtierhandels
Die Behörden sehen in dem Fall ein Beispiel für eine neue Form des illegalen Tierhandels. Während bislang vor allem größere Tiere im Fokus standen, rücken nun zunehmend auch kleine, leicht zu transportierende Arten in den Mittelpunkt.
Ameisenköniginnen sind dabei besonders wertvoll, da sie die Grundlage für ganze Kolonien bilden. Ihr Schmuggel kann daher erhebliche Auswirkungen auf lokale Ökosysteme haben.
Vorwürfe und Verteidigung
Zhang Kequn und sein mutmaßlicher Komplize Charles Mwangi wurden wegen illegalen Handels mit Wildtieren sowie wegen Verschwörung angeklagt. Beide befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.
Die Verteidigung argumentiert, die Beschuldigten hätten nicht gewusst, dass ihr Handeln gegen geltendes Recht verstößt. Ihr Anwalt erklärte, die Männer hätten lediglich versucht, eine Einkommensquelle zu erschließen.
Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Mwangi wird zusätzlich vorgeworfen, bereits zuvor in einem ähnlichen Fall mit lebenden Ameisen aufgefallen zu sein.
Ermittlungen ausgeweitet – weitere Festnahmen möglich
Die Behörden gehen davon aus, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Die Ermittlungen wurden inzwischen ausgeweitet, weitere Festnahmen sind nicht ausgeschlossen. Im Fokus stehen mehrere Regionen, in denen systematisch Ameisen gesammelt worden sein sollen.
Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Gericht in Kenia vier Männer zu Haftstrafen oder Geldstrafen verurteilt, nachdem sie ebenfalls versucht hatten, tausende Ameisen außer Landes zu schmuggeln.
Fazit
Der Fall zeigt, wie sich der illegale Wildtierhandel verändert. Neben Elefanten, Nashörnern oder exotischen Vögeln geraten zunehmend auch unscheinbare Arten ins Visier internationaler Netzwerke.
Was wie ein kurioser Einzelfall wirkt, ist in Wahrheit Teil eines globalen Problems – mit Folgen für Biodiversität, Naturschutz und internationale Strafverfolgung.