Ecuador hat im Kampf gegen organisierte Kriminalität eine massive Sicherheitsoperation gestartet. Die Regierung ließ mehr als 75.000 Soldaten und Polizisten in besonders von Gewalt betroffene Regionen des Landes entsenden. Ziel der Maßnahmen ist es, den Einfluss mächtiger Drogenbanden einzudämmen.
Betroffen sind vor allem die Provinzen El Oro, Guayas, Los Ríos und Santo Domingo de los Tsáchilas, die seit Jahren als Hochburgen krimineller Organisationen gelten. Zusätzlich wurde dort eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Die Regierung bezeichnet die Maßnahmen als neue Phase im Kampf gegen die Kartelle.
Innenminister John Reimberg sprach von einer ernsten Sicherheitslage und warnte die Bevölkerung: „Wir sind im Krieg.“ Bewohner der betroffenen Regionen wurden aufgerufen, nachts zu Hause zu bleiben und kein unnötiges Risiko einzugehen.
Gewalt eskaliert trotz harter Maßnahmen
Seit seinem Amtsantritt im November 2023 versucht Präsident Daniel Noboa, die eskalierende Gewalt in dem südamerikanischen Land unter Kontrolle zu bringen. Dennoch erreichte Ecuador im Jahr 2025 eine rekordhohe Mordrate.
Die Sicherheitskrise hängt eng mit dem internationalen Drogenhandel zusammen. Aufgrund seiner Lage zwischen den beiden größten Kokainproduzenten der Welt – Kolumbien und Peru – ist Ecuador zu einem zentralen Transitland für den Schmuggel geworden. Schätzungen zufolge werden etwa 70 Prozent des in diesen Ländern produzierten Kokains über Ecuador in andere Teile der Welt transportiert.
Zusammenarbeit mit den USA
Die Regierung in Quito arbeitet dabei eng mit den Vereinigten Staaten zusammen. Präsident Noboa hat sich einer von den USA geführten Allianz aus 17 Staaten angeschlossen, die den Kampf gegen Drogenkartelle in der westlichen Hemisphäre verstärken soll.
Vor kurzem eröffnete auch das Federal Bureau of Investigation (FBI) erstmals ein Büro in Ecuador. Kurz zuvor hatten Ecuador und die USA gemeinsame Operationen gegen den Drogenhandel gestartet.
Beim sogenannten „Shield of the Americas“-Treffen im US-Bundesstaat Florida traf Noboa zudem auf Donald Trump, der kriminelle Kartelle als „Krebs“ bezeichnete und zu einem entschlossenen militärischen Vorgehen gegen die Banden aufrief.
Regierung setzt auf harte Linie
Präsident Noboa verfolgt seit seinem Amtsantritt eine konsequente Sicherheitsstrategie. Mehrfach verhängte er bereits landesweite Ausnahmezustände und ließ Militärkräfte im Inneren einsetzen, um die Macht der Drogenkartelle zu brechen.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Sicherheitslage angespannt. Viele der kriminellen Gruppen sind schwer bewaffnet und verfügen über internationale Verbindungen. Die aktuellen Truppenverlegungen zeigen, dass die Regierung entschlossen ist, den Druck auf die Kartelle weiter zu erhöhen – auch wenn der Konflikt mit ihnen immer mehr Züge eines offenen Krieges annimmt.