Seit Anfang 2025 können Versicherte in Deutschland ihre elektronische Patientenakte (ePA) nicht nur passiv nutzen, sondern auch selbst einsehen und verwalten. Sie können Dokumente hochladen, Zugriffsrechte steuern oder sich über Befunde informieren. In der Theorie klingt das nach einem wichtigen Schritt in Richtung digitaler Gesundheitsversorgung. In der Praxis zeigt ein Selbstversuch jedoch, dass der Zugang zur eigenen Akte teilweise überraschend kompliziert sein kann.
Der Journalist Nikolaus Nützel wollte wissen, wie leicht oder schwer es tatsächlich ist, als Patient auf die eigene elektronische Patientenakte zuzugreifen. Sein Fazit: Am Ende funktioniert der Zugang – doch der Weg dorthin ist deutlich aufwendiger als erwartet.
Eigentlich für Ärzte gedacht
Die elektronische Patientenakte wurde in erster Linie entwickelt, um medizinische Informationen zwischen Ärzten, Kliniken und anderen Gesundheitsdienstleistern besser auszutauschen. Befunde, Arztbriefe, Medikationspläne oder Impfungen können dort zentral gespeichert werden.
Für viele Patientinnen und Patienten ist es daher gar nicht notwendig, sich aktiv mit der Akte zu beschäftigen. Die Daten werden automatisch von Arztpraxen oder Krankenhäusern eingetragen. Der eigentliche Nutzen liegt darin, dass behandelnde Ärzte schneller sehen können, welche Untersuchungen oder Therapien bereits erfolgt sind.
Der Zugang für Versicherte selbst ist eine zusätzliche Funktion – gedacht für mehr Transparenz und Selbstbestimmung.
Erste Schritte in der App
Der Versuch beginnt in der Smartphone-App der Krankenkasse. Dort wird direkt die Möglichkeit angeboten, die elektronische Patientenakte zu öffnen. Allerdings verlangt das System zunächst einen Sicherheitscode.
Welche Nummer hier gemeint ist, ist nicht sofort ersichtlich. Mehrere Versuche führen lediglich zu einer Fehlermeldung: „Zuordnung nicht möglich.“ Der Hinweis lautet, die Daten zu überprüfen – oder den Kundenservice zu kontaktieren.
Hilfe aus dem Callcenter
Ein Anruf beim Kundenservice bringt schließlich Klarheit. Für den Zugriff auf die ePA wird eine spezielle PIN benötigt. Zusammen mit der elektronischen Gesundheitskarte dient sie als Schlüssel, um die Patientenakte freizuschalten.
Die PIN wird aus Sicherheitsgründen nicht sofort angezeigt, sondern muss zunächst angefordert werden.
Warten auf die PIN
Die PIN wird per Post verschickt. Damit sichergestellt ist, dass sie nur der richtige Empfänger erhält, erfolgt die Zustellung mit Identitätsprüfung.
Da der Empfänger bei der Zustellung nicht zu Hause ist, landet der Brief zunächst in einer Postfiliale. Dort kann er später gegen Vorlage des Personalausweises abgeholt werden.
Zwischen Antrag und Erhalt der PIN vergehen rund zehn Tage – ein Zeitraum, der vielen Nutzern vermutlich lang vorkommt, wenn sie lediglich kurz in ihre digitale Patientenakte schauen möchten.
Alternative Wege wären möglich
Prinzipiell gibt es auch andere Möglichkeiten, sich zu identifizieren. Wer einen elektronischen Personalausweis mit aktivierter Onlinefunktion besitzt, kann die Registrierung häufig schneller abschließen.
In diesem Fall führte der Weg jedoch über das Postverfahren.
Technische Stolpersteine
Nachdem die PIN endlich vorliegt, beginnt der nächste Schritt: die Anmeldung über die Apps der Krankenkasse. Viele Versicherer nutzen zwei Programme – eine Haupt-App sowie eine zusätzliche App zur Identitätsprüfung.
Doch auch hier läuft nicht alles reibungslos. Während des Anmeldevorgangs erscheint plötzlich eine Fehlermeldung: „Ein unerwarteter Fehler ist aufgetreten.“
Ein erneuter Anruf beim Kundenservice folgt. Der Mitarbeiter empfiehlt, die Authentifizierungs-App zu löschen und neu zu installieren. Danach funktioniert der Prozess zunächst besser – doch kurz darauf bleibt das System erneut hängen.
Ein Erfolg mit Hindernissen
Nach mehreren Versuchen gelingt schließlich der Zugriff: Die elektronische Patientenakte öffnet sich, und der Nutzer kann tatsächlich sehen, welche medizinischen Daten bereits hinterlegt sind.
Der Selbstversuch zeigt jedoch, dass der Zugang zur ePA noch nicht überall so intuitiv funktioniert, wie viele Nutzer es von digitalen Anwendungen gewohnt sind.
Große Erwartungen an die ePA
Trotz dieser Startschwierigkeiten gilt die elektronische Patientenakte als ein zentrales Projekt der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen. Sie soll langfristig helfen, Behandlungen besser zu koordinieren, unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden und Patientinnen und Patienten stärker in ihre medizinische Versorgung einzubeziehen.
Damit die ePA jedoch von möglichst vielen Menschen genutzt wird, dürfte vor allem eines entscheidend sein: ein einfacher, schneller und technisch stabiler Zugang.
Der Selbstversuch zeigt, dass dieses Ziel zwar erreichbar ist – der Weg dorthin aber für viele Nutzer noch etwas holprig sein kann.