Am Petersplatz ist eine lange unterbrochene Tradition wieder aufgenommen worden: Papst Leo XIV. ist in den Apostolischen Palast eingezogen. Die päpstlichen Gemächer standen seit zwölf Jahren leer, nachdem sein Vorgänger Papst Franziskus bewusst auf den traditionellen Wohnsitz verzichtet hatte.
Renovierung nach Jahren des Leerstands
Nach der Wahl von Papst Leo XIV. im vergangenen Jahr wurden die Räume des Apostolischen Palastes umfassend renoviert. Medienberichten zufolge hatten sich im Laufe der Jahre verschiedene Schäden angesammelt. So war die Wohnung unter anderem von Schimmel betroffen, zudem mussten Wasser- und Elektroleitungen erneuert werden. Auch ein undichtes Dach soll repariert worden sein.
Die großzügige Papstwohnung umfasst unter anderem eine eigene Kapelle, eine Bibliothek sowie mehrere Wohnräume. Berichten zufolge wurde außerdem ein Fitnessraum eingerichtet.
Übergangszeit im Palazzo del Santo Uffizio
Nach seiner Wahl im Mai des vergangenen Jahres war Leo XIV. zunächst in der Wohnung geblieben, die er bereits als Kardinal genutzt hatte. Diese befindet sich im Gebäude der Vatikan-Glaubensbehörde, dem Palazzo del Santo Uffizio, nur wenige hundert Meter vom Petersplatz entfernt.
Mit dem Umzug in den Apostolischen Palast verkürzt sich für das Kirchenoberhaupt nun der Weg zum traditionellen Sonntagsgebet. Zum ersten Mal sprach Leo XIV. dieses Gebet am Sonntag vom Fenster seiner neuen Wohnung – vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz.
Abkehr vom Stil seines Vorgängers
Der Umzug markiert auch eine symbolische Abkehr vom Stil von Papst Franziskus. Der Argentinier hatte während seines gesamten Pontifikats im vatikanischen Gästehaus Casa Santa Marta gewohnt. Er begründete diese Entscheidung mit seinem Wunsch nach einem einfacheren Lebensstil und mehr Nähe zu anderen Menschen im Vatikan.
Der deutsche Papst Benedikt XVI. war bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2013 der letzte Pontifex gewesen, der im Apostolischen Palast lebte.
Leben und Arbeiten im Vatikan
Papst Leo XIV., der als erster Papst aus den Vereinigten Staaten gilt, betont seit Beginn seines Pontifikats stärker die Rückkehr zu kirchlichen Traditionen. Dies zeigt sich nicht nur beim Wohnsitz, sondern auch in seinem Auftreten: Der Papst nutzt wieder häufiger traditionelle Gewänder und Insignien des Kirchenoberhaupts.
Die Wohnung im Apostolischen Palast wird der Papst nicht allein nutzen. Laut Vatikan werden zwei seiner engsten Mitarbeiter mit ihm einziehen: die persönlichen Sekretäre Edgar Rimaycuna aus Peru und Marco Billeri aus Italien. Medien berichten außerdem, dass später Ordensschwestern aus Peru hinzukommen könnten, die bereits während seiner Zeit als Bischof mit ihm zusammengearbeitet haben und künftig Haushalt und Küche betreuen sollen.
Mit dem Umzug an den Petersplatz setzt Papst Leo XIV. somit nicht nur einen praktischen Schritt, sondern auch ein deutliches Zeichen: Die jahrhundertealte Tradition des päpstlichen Wohnsitzes im Apostolischen Palast lebt wieder auf.