Shampoo, Duschgel, Cremetiegel oder Make-up – kaum ein Produkt im Badezimmer kommt ohne Kunststoffverpackung aus. Doch genau diese Verpackungen sorgen für ein wachsendes Müllproblem. In Deutschland entstehen jedes Jahr rund sechs Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Nur etwa ein Drittel davon kann tatsächlich recycelt werden. Der Rest wird verbrannt oder landet im Export.
Vor diesem Hintergrund wächst der Druck, neue Lösungen zu finden. Ein ungewöhnliches Pilotprojekt in München zeigt nun, wie eine solche Lösung aussehen könnte: Pfand auf Kosmetikverpackungen.
Pfandautomat für Cremetiegel und Shampoo-Flaschen
Im Einkaufszentrum München-Neuperlach steht ein Automat, der auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Pfandautomat wirkt. Doch hier werden nicht nur Getränkeflaschen zurückgenommen. Auch leere Kosmetikverpackungen können eingeworfen werden.
Für jede abgegebene Verpackung erhalten Kundinnen und Kunden 29 Cent Pfand. Anders als bei klassischen Recyclingautomaten werden die Verpackungen nicht zerstört, sondern gesammelt – mit dem Ziel, sie zu reinigen und wiederzuverwenden.
An dem Test beteiligen sich unter anderem die Handelsketten Kaufland und Vollcorner. Aktuell können 13 verschiedene Kosmetikprodukte aus dem Naturkosmetikbereich zurückgegeben werden.
Warum Mehrweg bei Kosmetik bisher selten ist
Während Mehrwegflaschen für Getränke seit Jahrzehnten etabliert sind, gilt Kosmetikverpackung bislang als schwierig. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Hygieneanforderungen
Kosmetikprodukte kommen oft direkt mit Haut oder Schleimhäuten in Kontakt. Daher müssen Verpackungen besonders gründlich gereinigt werden.
Materialvielfalt
Viele Kosmetikverpackungen bestehen aus Mischkunststoffen, Pumpmechanismen oder Metallteilen. Diese Kombination erschwert Recycling und Wiederverwendung.
Design und Marketing
Kosmetik lebt stark von Markenauftritt und Verpackungsdesign. Einheitliche Mehrwegverpackungen passen nicht immer zu diesem Geschäftsmodell.
Recycling allein reicht nicht aus
Viele Verbraucher gehen davon aus, dass Plastik über den Gelben Sack vollständig recycelt wird. In der Realität ist das jedoch nur teilweise der Fall.
Ein Grund: Kosmetikverpackungen bestehen häufig aus mehreren Materialschichten, sind eingefärbt oder enthalten Reststoffe wie Cremes oder Lotionen. Dadurch können sie nur schwer wiederverwertet werden.
Selbst moderne Recyclinganlagen stoßen hier an Grenzen.
Neue EU-Regeln setzen Hersteller unter Druck
Der Wandel kommt auch durch neue gesetzliche Vorgaben. Die Europäische Union arbeitet an einer umfassenden Verpackungsverordnung, die strengere Ziele für Recycling und Abfallvermeidung vorsieht.
Bis 2028 soll eine Recyclingquote von mindestens 70 Prozent für Verpackungen erreicht werden.
Das zwingt Hersteller und Händler dazu, alternative Konzepte zu entwickeln, etwa:
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Mehrwegverpackungen
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Nachfüllsysteme
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Verpackungen aus leichter recycelbaren Materialien.
Mehrweg als möglicher Wendepunkt
Umweltexperten sehen in Mehrwegsystemen eine der effektivsten Möglichkeiten, Verpackungsmüll zu reduzieren.
Ralph Mückstein vom Umweltbundesamt betont, dass das übergeordnete Ziel darin bestehe, Abfälle gar nicht erst entstehen zu lassen. Mehrwegsysteme könnten genau diesen Effekt erzielen, wenn sie praktikabel und großflächig einsetzbar sind.
Vor allem bei Produkten wie Shampoo, Duschgel oder Lotionen wäre eine Wiederbefüllung technisch relativ einfach möglich.
Verbraucher als entscheidender Faktor
Ob Mehrweg im Kosmetikbereich funktioniert, hängt jedoch stark vom Verhalten der Verbraucher ab.
Das Pfandsystem soll deshalb einen Anreiz schaffen: Wer Verpackungen zurückbringt, erhält Geld zurück – ähnlich wie beim bekannten Flaschenpfand.
Die Hoffnung der Initiatoren: Wenn Verpackungen einen finanziellen Wert bekommen, landen sie deutlich seltener im Hausmüll.
Erste Bilanz steht noch aus
Das Münchner Pilotprojekt läuft zunächst als Testphase. Im Herbst wollen Händler, Hersteller und Umweltorganisationen eine Zwischenbilanz ziehen.
Dann soll geklärt werden:
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Wie viele Verpackungen tatsächlich zurückgegeben werden
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ob das System wirtschaftlich funktioniert
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und ob sich das Modell auf weitere Städte ausweiten lässt.
Ein möglicher Blick in die Zukunft
Sollte sich das Mehrwegsystem bewähren, könnte sich der Umgang mit Kosmetikverpackungen grundlegend verändern. Statt Einwegflaschen und Tiegeln könnten künftig standardisierte Behälter mehrfach verwendet werden – ähnlich wie bei Getränkeflaschen.
Das würde nicht nur Müll vermeiden, sondern auch Ressourcen sparen. Denn jede wiederverwendete Verpackung bedeutet weniger neues Plastik.
Noch steht das System am Anfang. Doch der Versuch zeigt: Auch im Badezimmer könnte Mehrweg künftig eine größere Rolle spielen.