Heftige Regenfälle in Brasilien setzen derzeit eine der wichtigsten Kaffee-Regionen der Welt unter Druck. Extreme Niederschläge haben in mehreren Bundesstaaten Überschwemmungen und Erdrutsche ausgelöst – mit dramatischen Folgen für Menschen, Infrastruktur und Landwirtschaft. Besonders betroffen ist der Bundesstaat Minas Gerais, das Zentrum der brasilianischen Kaffeeproduktion. Experten warnen: Die Schäden könnten sich schon bald weltweit auf die Preise für Kaffee auswirken.
Naturkatastrophe mit vielen Opfern
In den vergangenen Wochen fielen über weiten Teilen Südostbrasiliens außergewöhnlich große Regenmengen. Flüsse traten über die Ufer, Straßen wurden zerstört und ganze Hänge gerieten ins Rutschen. Besonders schwer traf es die Region rund um die Stadt Juiz de Fora.
Nach Angaben der Behörden kamen bei Erdrutschen und Überschwemmungen mindestens 72 Menschen ums Leben. Tausende Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. In Juiz de Fora wurde der Februar laut offiziellen Messungen zum niederschlagsreichsten Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
Auch der Fluss Piracicaba River führte braune, schlammige Wassermassen und bedrohte umliegende Orte.
Gefahr für die Kaffeeernte
Neben den humanitären Folgen könnte die Naturkatastrophe auch wirtschaftliche Auswirkungen haben. Eine Analyse der Forschungsinitiative World Weather Attribution zeigt, dass besonders Arabica-Kaffeeplantagen unter den extremen Wetterbedingungen leiden könnten.
Die starken Regenfälle begünstigen laut Experten die Ausbreitung von Pflanzenkrankheiten und Pilzbefall. Gleichzeitig erschweren aufgeweichte Böden und beschädigte Infrastruktur die Ernte sowie den Transport der Bohnen.
Minas Gerais gilt als Herz der brasilianischen Kaffeeproduktion. Ein großer Teil des weltweit gehandelten Arabica-Kaffees stammt aus dieser Region.
Deutschland als wichtiger Kaffeeimporteur
Die Auswirkungen könnten auch in Europa spürbar werden. Nach Angaben des brasilianischen Kaffeeexporteursverbands Cecafé war Deutschland im Jahr 2025 der größte Abnehmer von brasilianischem Kaffee.
Insgesamt importierten deutsche Händler rund 5,4 Millionen Säcke mit jeweils 60 Kilogramm Kaffee aus Brasilien. Damit spielt das Land eine entscheidende Rolle für die Versorgung des europäischen Marktes.
Extremwetter belastet die Branche
Die aktuellen Regenfälle sind kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren wurde die Kaffeeproduktion in Brasilien wiederholt von extremen Wetterereignissen getroffen – darunter Dürren, Frostperioden und starke Niederschläge.
Laut der Studie von World Weather Attribution führte diese Entwicklung bereits zu einem Rückgang der Kaffeeproduktion um 15 bis 20 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Preise auf dem Weltmarkt deutlich an.
Experten sehen darin auch eine Folge des Klimawandels. Extreme Wetterlagen treten häufiger auf und bringen Landwirtschaftsbetriebe zunehmend unter Druck.
Folgen für Verbraucher möglich
Sollten die Schäden an den Plantagen größer ausfallen als bislang erwartet, könnte sich das bald auch im Supermarkt bemerkbar machen. Sinkende Erntemengen führen auf den globalen Märkten meist zu steigenden Preisen.
Für Kaffeetrinker weltweit – auch in Deutschland – könnte die Naturkatastrophe in Brasilien deshalb spürbare Folgen haben: Der morgendliche Kaffee könnte in Zukunft deutlich teurer werden.